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Rio de Janeiro ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens und liegt an der Guanabara-Bucht im Südosten des Landes.
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Rio de Janeiro ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens und liegt an der Guanabara-Bucht im Südosten des Landes.

„Rio. Einzigartig!“, Arte

Paradies mit Fehlern

Die 90-minütige Hommage an Rio de Janeiro verliert sich im Detail, lässt aber einige wichtige Fragen offen.

Von Tilmann P. Gangloff

Im Rahmen seines Olympia-Schwerpunkts zeigt Arte einen 90 Minuten langen Film, in dem es gerade mal zwei Minuten um Olympia geht. Das kann man natürlich so machen, und vielleicht muss man das sogar, schließlich erzählt der Franzose Pascal Cuissot in seiner Dokumentation „Rio. Einzigartig!“ die Geschichte der brasilianischen Metropole; da kann die Zeit angesichts von über 500 Jahren Stadtgeschichte knapp werden.

Andererseits zeigt der Zeitraum bereits eine nicht unerhebliche Schwäche auf: Die Hommage an Rio als „Paradies auf Erden“ entspricht ganz dem Geist der einstigen Kolonialherren. Die südamerikanischen Ureinwohner tauchen im gesamten Film bloß ein einziges Mal auf, und das auch nur indirekt: als Cuissot erzählt, dass viele Häuser mit indianischen Symbolen verziert worden sind und auch entsprechende Bezeichnungen tragen. Ansonsten tut der Dokumentarist so, als sei das Land, das die Portugiesen zu Beginn des 16. Jahrhunderts besiedelt haben, zuvor unbewohnt gewesen.

Ganz ähnlich ist die Haltung des Films gegenüber den Sklaven. Sie werden zwar häufiger erwähnt, zumal Rio zum wichtigsten Umschlagplatz im Sklavenhandel wurde, aber wie groß ihr Einfluss auf die Kultur war, kommt erst gegen Ende noch mal zu Sprache, als der Film nahtlos vom Fußball zum Samba wechselt. Stattdessen überfüttert Cuissot seine Zuschauer mit Details wie jenen, dass eine Prinzessin Isabella erst mit sanftem Druck von der Abschaffung der Sklaverei überzeugt werden musste; derlei ist wirklich nur für Spezialisten interessant.

Das Städteporträt wirkt ohnehin völlig überfrachtet, gerade weil Cuissot offenbar alle nur denkbaren Aspekte berücksichtigen wollte und darüber mitunter das große Ganze aus den Augen verliert. Schwerpunkte bilden immerhin die Beziehung zu Portugal sowie die Architektur, aber obwohl sich der Film mit beiden Bereichen intensiv beschäftigt, bleiben auch hier viele Fragen offen.

So beantwortet Cuissot zwar, warum die brasilianischen Städte lange Zeit betont schmucklos waren: weil das Mutterland nicht wollte, dass die Kolonien prunkvoller wirkten als Lissabon oder Porto. Deshalb schmückte man in Rio die Plätze mit Springbrunnen, die waren nicht verboten. Warum aber auch der Buchdruck nicht erlaubt war, erfährt man nicht.

Immerhin lässt sich nachvollziehen, wie erfreut die brasilianischen Honoratioren waren, als 1808 der gesamte portugiesische Königshof vor den Engländern nach Rio fliehen musste und unter anderem die königliche Bibliothek mit echten Schmuckstücken im Gepäck hatte. Auch der Kultursprung wird jedoch nicht weiter erörtert, weil Cuissot bereits auf dem Weg in den botanischen Garten ist. Diese unvermittelten und mitunter etwas erzwungenen Themenwechsel sind ein weiteres Manko des Films.

Zweitklassige Bilder

Nur halbwegs gelungen sind auch die diversen grafischen Elemente, für deren Realisierung offenbar nicht genug Geld da war. Die entsprechenden Bilder muten etwa im Vergleich zur ZDF-Reihe „Terra X“, die die Vergangenheit gern in animierter Form wiederauferstehen lässt, bloß zweitklassig an; dabei hätte gerade der Ausflug in graue Vorzeit, als die charakteristische Hügellandschaft rund um Rio entstanden ist, für große Bilder sorgen können.

Ohnehin fehlt dem Film jede optische Raffinesse. Cuissot hakt der Reihe nach eine imaginäre Liste ab, hat sich dabei jedoch so viel vorgenommen, dass für Momente der Ruhe, in denen die vielen Informationen mal sacken könnten, keinerlei Zeit ist.

Gelungen sind allerdings die Ausführungen über die städtebauliche Entwicklung Rios; Architektur und Urbanisierung haben den Autor anscheinend weitaus stärker interessiert als die gesellschaftspolitischen Hintergründe.

Entsprechend oberflächlich geht er mit den Ankündigungen der Behörden um, die den Einheimischen im Zuge der Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele große Versprechungen gemacht haben; was daraus geworden ist, zeigt die Reportage „Die Sportfalle“, die die ARD am Montag ausstrahlt.

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