Die Erfinderin, Mr. Tau, die Rockstar-Tochter, Hund Dylan (v.l.).
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Die Erfinderin, Mr. Tau, die Rockstar-Tochter, Hund Dylan (v.l.).

Kinderserie

„Pan Tau“ in der ARD: Mr. Tau in der Welt von heute

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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„Pan Tau“ in der ARD: Zeitgenössische Teenager-Geschichten, der Mann mit der Melone immer dabei.

Als englisch-deutsche Großunternehmung kehrt die Kinderserie „Pan Tau“ wieder. Die Älteren unter uns werden schlucken müssen, aber sie sind auch nicht gemeint und gucken nur heimlich mit. Um es einmal klar zu sagen: Die Wiederkehr der Kinderserie „Pan Tau“ ist nicht die Wiederkehr von Pan Tau. Pan Tau ist eine Erfindung von Ota Hofman und Jindrich Polák und er wird von Otto Simánek gespielt. Er ist schon etwas älter, gut gekleidet, aber umherschweifend. Eine Weile lang wohnt er bei der Familie Urban. Tritt er in Miniaturgröße auf, bewegt er sich allerliebst in Stop-Motion-Technik. Herr Tau ist Tscheche.

Aus Pan Tau wird Mr. Tau

Unsereiner hat sich nach fünf Folgen der neuen, bisher 14-teiligen Kinderserie „Pan Tau“ noch nicht an Matt Edwards in der Titelrolle gewöhnt. Andere sind schon ganz elektrisiert. Wir wollen ihn vorläufig Mr. Tau nennen. Ein junger Schlaks, auch er im Anzug und Melone, auch er schweigt, lächelt und fährt mit dem Zeigefinger an der Hutkrempe entlang. Im digitalen Zeitalter gelingt ihm dann selbstverständlich alles. Auch dass Edwards tatsächlich Zauberer ist, erleichtert ihm vieles, liest man.

Die Serie selbst: gewitzt. Beim englischsprachigen Drehbuch-Team arbeitete auch die Produzentin Gabriele M. Walther mit, die sich hier wohl – nach ausführlichen Verhandlungen mit den Erben des Originals – einen langgehegten Wunsch erfüllte. Alle anderen, die mitschrieben, sollen die Serie vorher nicht gekannt haben. Man sieht geradezu vor sich, wie ihnen erklärt wurde: Da ist dieser nette stumme Mann mit Melone, der alles kann, und jetzt denkt euch eine intelligente, zeitgenössische Schulserie dazu aus.

Eltern: peinlich und gestresst

„Pan Tau“ greift systematisch auf, was die so genannten normalen Teenager von heute betreffen könnte: Das geht von der an die Harry-Potter-Manie erinnernden kollektiven Leseritis bis zur Suche nach einer Freundin am neuen Wohnort. Von den fiesen Blamagen im Internet bis zu lässigen und belächelten Hobbys. Die Wahnhaftigkeit, mit der die Influencerinnen den Klickzahlen hinterherjagen, könnte auch Redakteurinnen und Redakteure an etwas erinnern. Das größte Problem aber sind die Eltern. Die einen sind peinlich, die anderen haben nie Zeit, die dritten haben berufliche Sorgen, die vierten und fünften auch. Meistens findet Mr. Tau stillschweigend, aber mit Schwung eine Lösung.

Die Gegend und Gesellschaft, in der „Pan Tau“ spielt, lässt sich zwischen England, Nordamerika und Deutschland kaum orten, die weiträumige Vermarktbarkeit führt in eine adrette Kunstwelt. Gedreht wurde vornehmlich in Deutschland – die international leicht auszusprechende Schule Westpark sieht aus wie die Botanische Staatssammlung in München. Die meisten Mitwirkenden kommen aus Großbritannien. Als melancholischer Geschäftsmann taucht Armin Rohde auf.

Die Regie von Franziska Meyer Price und Michael Zens bietet das flotte Tempo, das erwartet werden dürfte. Wie im guten Kindertheater haben auch Erwachsene ihren Spaß an Sätzen wie „O Mama, das ist so lame.“ Ironie kommt zum Zuge, während Mr. Tau selbst eher unironisch weise und manchmal pädagogisch sinnvoll wirkt. Dass er echte Rosen aus dem Handy wachsen lässt, ist natürlich süß.

„Pan Tau“, ARD; vom 4. Oktober an sonntags um 10.10 Uhr. Schon jetzt in der Mediathek.

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