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Retro mit Michelle Monaghan, Adam Sandler, Josh Gad.

Neu im Kino: „Pixels“

Pac-Man greift die Erde an

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Regisseur Chris Columbus schwelgt in Retro-Träumen: In seinem Blockbuster „Pixels“ wird die Erde von frühen Videospiel-Helden angegriffen. Das ist alles richtig seltsam, macht aber umso mehr Spaß.

Der Zweieinhalb-Minuten-Trickfilm „Pixels“ gehört nicht gerade zu den Kurzfilmen, denen man beim ehrwürdigen Festival von Oberhausen begegnet. Dafür trug er dem Franzosen Patrick Jean 2011 den großen Preis beim angesehenen Animationsfilmwettbwerb von Annecy ein. Und jetzt sogar, wenn man so will, die am höchsten dotierte Auszeichnung der Filmwelt überhaupt für einen Kurzfilm: Ein abendfüllendes Hollywood-Remake.

Wenn man es böse meint, mag man dieser Verlängerung um mehr als hundert Filmminuten nicht mehr erzählerische Tiefe attestieren als den originalen zweieinhalb. Und wenn man es gut mit Chris Columbus’ Neuverfilmung meint – was zum US-Filmstart freilich kaum ein Kritiker tat – dann sagt man das gleiche. Denn gottseidank stellt sich auch nichts an der neu hinzugefügten Geschichte um drei alternde Nerds dem anarchischen Inhalt des Originals entgegen.

Ein Wiedersehen auf Youtube sollte uns der Kurzfilm vor dem Kinobesuch wert sein. Ein auf dem Sperrmüll abgestellter Röhrenfernseher entledigt sich darin sehr spezieller Emissionen, die bald ganz New York verpesten. Es sind die Pixel früher Computer-Spiele, wie sie einst in den Arcade-Automaten heimisch waren und sich bis heute in der ungenutzten Gehirnmasse der Mittvierziger abgelagert haben: Die legendären Space Invaders ballern in der Realwelt um sich und verwandeln alles, worauf sie treffen, in grob aufgelöste Würfelformen. Donkey Kong tut was King Kong täte und erobert das Empire State Building. Und nach der Detonation einer minimalistisch „gerenderten“ Bombe wird ganz New York verpixelt und schließlich auch die Erde zu einem einzigen Pixel im Quadrat, einem sogenannten Voxel. Man kann nur hoffen, dass Umweltschützerin Joan Baez Recht hatte mit der Vermutung, wir hätten noch eine zweite Erde im Kofferraum.

In Chris Columbus’ Hommage an die Steinzeit der Videospiele sind natürlich ebenfalls Space Invaders für die Verwüstung des Planeten verantwortlich, allerdings die wahren: Außerirdischen ist eine jener Zeitkapseln in die Hände gefallen, wie man sie noch in den 80ern so gern ins All schickte. Das darin enthaltene Invaders-Spiel, ganzer Stolz der damaligen Hochtechnologie, haben sie als Kriegserklärung missverstanden. Und so senden sie eine ganze Pixelarme von Arcade-Game-Veteranen, darunter Pac-Man, Centipede und ebenjenen Donkey Kong, um die Welt in Pixel aufzulösen. Allein vier einstigen Teenie-Champions der ersten Gamer-Weltmeisterschaften ist es nun zuzutrauen, mit dem Retro-Müll fertig zu werden, der da auf die Erde prasselt.

Adam Sandler spielt den beherztesten von ihnen. Als Installations-Gehilfe für Kabelkunden ist er auch der einzige, der es von ihnen zu etwas gebracht hat. Die anderen sind ein korpulenter Full-Time-Nerd (Josh Gad), ein Strafgefangener (Peter Dinklage) und ein etwas dämlicher US-Präsident. Letzterem gelingt mit Kennerblick die Identifikation der Pixelmonster, was ihm immerhin den Respekt eines Krisenstabs einträgt, der wie die Kinderfilm-Version der Pentagon-Besatzung von Stanley Kubricks „Dr. Seltsam“ anmutet.

Seltsam ist das alles in der Tat, aber es macht mindestens so viel Spaß wie ein durchschnittlicher Godzilla-Film. Wenn sich ein gigantischer Pac-Man, zum Schurken mutiert, durch New Yorker Straßenzüge mampft, fehlt uns eigentlich nur eines: Ein Joystick, um ein wenig mitzuballern.

Wahrscheinlich könnte man auch die menschlichen Charaktere dieses Films mit acht Pixeln darstellen, ohne dass sie dabei merklich an Tiefe verlören. Nur eines fragt man beim Zuschauen. Wie viele Mittvierziger gibt es eigentlich überhaupt, die ein freudiges Wiedersehen mit Pac-Man und Co in die Kinos lockt? Der Rezensent hat Space Invaders jedenfalls nur mit schlechtem Gewissen gespielt – in den frühen 80ern war man schließlich Pazifist.

Pixels. USA 2015. Regie: Chris Columbus. 106 Min.

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