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Paartherapeutin Nele Sehrt beantwortet: Wären diese Hollywood-Liebespaare heute noch zusammen?

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Von: Valerie Eiseler

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Richard Gere und Julia Roberts in „Pretty Woman“
Richard Gere und Julia Roberts in „Pretty Woman“. © Imago

Zum heutigen Valentinstag mal wieder eine Schnulze schauen und dabei was fürs Leben lernen: Paartherapeutin Nele Sehrt bewertet die Zukunftschancen dieser Turteltauben

Pretty Woman (1990)

Edward (Richard Gere) engagiert Vivien (Julia Roberts) für eine Woche als Escort-Begleiterin. Aus dem Geschäft wachsen echte Gefühle. Kann das klappen?

Ich sehe keinen Grund, warum das nicht funktionieren sollte, da beide emotional aneinander interessiert waren. Vivien hat eine klare Grenze gezogen, als sie sich nach einem Übergriff durch Edwards Freund abwendete. Deshalb würde ich sagen, die passt sehr gut auf sich selbst auf. Wenn beide ihre Bedürfnisse weiterhin so klar kommunizieren, kann das funktionieren. Den beiden würde es möglicherweise gut tun, vor dem Handeln erst mal zu äußern, was in ihnen vorgeht, ohne beispielsweise gleich wegzurennen.

Was wäre aus diesem Paar geworden? Die Expertin sagt: Urlaub ist Urlaub und Alltag ist Alltag.
Was wäre aus diesem Paar geworden? Die Expertin sagt: Urlaub ist Urlaub und Alltag ist Alltag. © Imago

Dirty Dancing (1987)

Die reiche Arzttochter Baby (Jennifer Grey) und der arme Tanzlehrer Johnny (Patrick Swayze) sind der Inbegriff einer leidenschaftlichen Sommerromanze. Können sie nach dem aufregenden Urlaub zusammenbleiben?

Ich glaube, das bleibt aufwühlend. Urlaub ist Urlaub und Alltag ist Alltag, insbesondere, wenn man so verschiedene Lebensstile pflegt. Auch wenn er ihr Rebellionshelfer ist, bleibt offen, ob sie seinen ungebundenen Lebensstil auch auf Dauer möchte. Wenn beide bereit wären, sich auf einen gemeinsamen Weg zu begeben, könnten sie zusammen bleiben. Hier ist von beiden Seiten Flexibilität gefragt. Aber es kann funktionieren!

Hugh Grant und Martine McCutcheon in „Tatsächlich ... Liebe“.
Hugh Grant und Martine McCutcheon in „Tatsächlich ... Liebe“. © Universal/Courtesy Everett Collection/Imago

Tatsächlich Liebe (2003)

Der Premier von Großbritannien (Hugh Grant) verliebt sich in seine Assistentin Natalie (Martine McCutcheon), will der „Versuchung“ aber nicht nachgeben - bis der US-Präsident Interesse an ihr zeigt. Schwierige Startbedingungen, hätte das eine Zukunft?

Unbedingt. Beide haben sich sehr geschlechtsstereotype Berufe ausgesucht. Wenn sie sich also in dieser Dynamik und dem Machtgefälle wohlfühlen, muss das kein Problem sein. Solange sie private Auseinandersetzungen nicht mit ins Büro nehmen, kann das gut klappen. Selbst wenn sie eine Familie gründen, macht sie sich wahrscheinlich wenig Sorgen. Sie hat ja mitbekommen, wie wichtig es war, der Versuchung zu widerstehen.

Henry Goulding und Constance Wu in „Crazy Rich“.
Henry Goulding und Constance Wu in „Crazy Rich“. © Sanja Bucko/Imago

Crazy Rich (2018)

Rachel (Constance Wu) und Nick (Henry Goulding) lieben sich. Doch seine ultrareiche Familie aus Singapur hat einige Vorurteile gegenüber der Amerikanerin. Was passiert, wenn die Familie sich so stark einmischt?

Das ist eine sehr unruhige Situation. Hier ist die Frage, ob er ihr zuliebe mit den Eltern bricht oder sie ihre Identität untergräbt und sich anpasst. Es ist immer schwierig, sich zwischen Partner oder Eltern entscheiden zu müssen. Für ein Happy End müsste er sich für die Partnerin entscheiden und die Eltern müssen lernen, das zu respektieren. Da hier eine Anpassung nötig sein würde, bleibt es spannend. Vielleicht verlässt Rachel ihn auch, um ihm die Zerrissenheit zu ersparen.

Timothée Chalamet und Armie Hammer (rechts) in „Call me by your Name“.
Timothée Chalamet und Armie Hammer (rechts) in „Call me by your Name“. © Sony Pictures Classics/Imago

Call Me by Your Name (2018)

Elio (Timothée Chalamet) verliebt sich eines Sommers in den Mitarbeiter seines Vaters, Oliver (Armie Hammer). Doch nach ihrer Zeit zusammen heiratet Oliver schließlich eine Frau. Ist dies das Ende für die beiden?

Diese Sommerromanze könnte als heiße Affäre wieder aufflammen. Vermutlich verebbt es aber als eine schöne und sehnsuchtsvolle Erinnerung, die einen ein Leben lang begleitet, auch wenn man keinen Kontakt mehr hat. Die beiden haben eine tiefe emotionale Bindung, die ihnen auch niemand mehr wegnehmen kann. Vor allem, wenn es der erste Mann ist, für den Elio Gefühle entwickelt hat. Ich glaube, diese Bindung wird in Gedanken ein Leben lang bewahrt, auch wenn sie nicht aktiv gelebt wird und die beiden kein Paar mehr sind.

Frank (Kevin Costner) beschützt Popstar (Whitney Houston) vor einem Attentäter. Haben die beiden nach gebannter Gefahr eine Zukunft?
Kevin Costner und Whitney Houston in „Bodyguard“. © imago images/Prod.DB

Bodyguard (1992)

Frank (Kevin Costner) beschützt Popstar (Whitney Houston) vor einem Attentäter. Haben die beiden nach gebannter Gefahr eine Zukunft?

Jede Art von Grunderregung erleichtert eine andere Erregung. Das gilt auch für angespannte und unsichere Situationen. Wenn also die Grundspannung nach der Tour oder nach Beendigung des Jobs weg fällt, müssten beide bis dahin eine neue Bindung und Intimität füreinander aufgebaut haben. Ob sie das schaffen und ob sie überhaupt beide daran interessiert sind, es fortzuführen – wer weiß. Es könnte sie enorm erden, wenn sie jemanden hat, der nicht im Scheinwerferlicht steht. Und für ihn kann es sehr schön sein, gebraucht zu werden.

Billy Crystal und Meg Ryan in „Harry und Sally“.
Billy Crystal und Meg Ryan in „Harry und Sally“. © Mary Evans Picture Library/Imago

Harry und Sally (1989)

Die These des Films: Männer und Frauen können nicht befreundet sein. Doch ob Harry (Billy Crystal) es wahrhaben will oder nicht: Ihn und Sally (Meg Ryan) verbindet eine jahrelange Freundschaft. Schaffen die beiden eine langfristige Beziehung?

Es gibt Studien, die zeigen, dass eine Basis für glückliche Langzeitbeziehungen die Freundschaft zwischen beiden ist – die sexuelle Anziehung spielt eher eine untergeordnete Rolle. Das macht ja auch Sinn, weil sich Sexualität im Laufe der Zeit verändern darf und wird. Ein guter Garant fürs lange Zusammensein ist also eine gute Kumpelbasis. Eigentlich haben die beiden ziemlich viel Potenzial.

Nele Sehrt ist Diplom-Psychologin, Paar-, Sexual- und Traumatherapeutin und betreibt in Hamburg eine eigene Praxis. Ihr Buch „Liebe passiert, Beziehung ist Arbeit“ ist im September 2020 im Edel Verlag erschienen. Zudem schreibt sie für die Tageszeitung „Die Welt“ regelmäßig über Probleme in der Partnerschaft.

Interview: Valérie Eiseler

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