1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Oskar Werners Sohn im Interview: „Er war eine überlebensgroße Figur für seine Familie“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marc Hairapetian

Kommentare

FR-Autor Marc Hairapetian mit Oskar Werners Kindern Felix Florian Werner und Eleonore Werner-Lengyel bei der Ausstellungseröffnung im Metro Kulturhaus Wien.
FR-Autor Marc Hairapetian mit Oskar Werners Kindern Felix Florian Werner und Eleonore Werner-Lengyel bei der Ausstellungseröffnung im Metro Kulturhaus Wien. © Andrea Thaller

Felix Florian Werner, der Sohn Oskar Werners, im exklusiven Interview über die Ausstellung „100 Jahre Oskar Werner“, sein Charisma und seinen Tod.

Hast du in der Wiener Ausstellung „100 Jahre Oskar Werner. Mensch, Kunst, Mythos“ etwas vermisst oder kann man es gar nicht besser machen?

Es wird dieses Jahr drei weitere Oskar-Werner-Ausstellungen in Liechtenstein, Frankreich und den USA geben. Die Schau in Wien ist jedoch die umfassendste und das Filmarchiv Austria hat einen wunderbaren Job gemacht, einen so komplexen Künstler wie meinen Vater zu präsentieren. Von den anderen geplanten Ausstellungen wird die in Liechtenstein wahrscheinlich die persönlichste sein und sich auf viele bisher unveröffentlichte Aspekte seines persönlichen Lebens beziehen. In Paris und Los Angeles werden sie kleiner sein, aber auch wichtige Momente aus seinem Leben darstellen, darunter Kollaborationen mit einigen der größten Künstler und Filmemacher des 20. Jahrhunderts. Jede wird auf ihre Art einzigartig sein.

Man rühmt zu Recht die nuancenreiche Sprachmelodik Oskar Werners. Der „Heimat“-Regisseur Edgar Reitz hat mir allerdings vorgeschwärmt, dass dein Vater ein „Augen-Schauspieler“ wäre, der durch die Kunst seiner intensiven Blicke, faszinieren würde. Was macht für dich sein Charisma aus?

Ich denke, viele der weltbesten Schauspieler können eine komplette Geschichte und Charakterstudie nur über ihre Augen vermitteln. Das zu sehen, ist eine wunderbare Sache. Was mich jedoch wahrscheinlich am meisten an der Arbeit meines Vaters beeindruckt, insbesondere an einigen seiner frühen Arbeiten, ist, wie er sich vollständig in die jeweiligen Charaktere verwandelt hat. Hier geht es nicht um Make-up, Kostüm oder den Gebrauch von Dialekten. Man vergisst, dass es Oskar Werner ist, der spielt, und ich vergesse, dass es mein Vater auf der Leinwand ist. Er ist der Charakter. Es ist bemerkenswert und das ist etwas, was ich nur einer Handvoll Schauspielern bis heute zutraue, wie zum Beispiel Anthony Hopkins.

Oskar Werner im Jahr 1965.
Oskar Werner im Jahr 1965. © Filmarchiv Austria

Oskar Werners Sohn Felix Florian Werner: „Am Ende war er so selbstzerstörerisch“

Welche Filme mit ihm gefallen dir selbst am besten?

„Jules und Jim“, große Teile von „Das Narrenschiff“, auch sein „Mozart“ - und allen voran „Entscheidung vor Morgengrauen“. In diesem Spionagedrama „spielt“ er nicht einfach den sich in Kriegsgefangenschaft befindlichen Sanitätsgefreiten und „ehrbaren Verräter“ „Happy“, der sich freiwillig bei den Amerikaner meldet, um auszukundschaften, welche deutschen Stellen zur Aufgabe bereit sind, um den Krieg zu verkürzen. Er verschmilzt vielmehr ganz mit dieser realen Figur, die am Ende von den Nazis gefasst und hingerichtet wurde. Die Mutter des wirklichen „Happy“ schrieb ihm, dass sie ihren Sohn in seiner Verkörperung mehr als nur wiedererkannt hätte. Er wäre „Happy“! Ihre Zeilen bewahrte er zeitlebens in seiner Brieftasche auf - zusammen mit dem Telegramm von Spencer Tracy, indem dieser ihn als „besten Schauspieler überhaupt“ bezeichnet hatte.

Du hast deinen Vater leider früh verloren, als er 61 Jahre und du gerade 18 warst. Hast du sein Ende kommen sehen? 

Ich war jung und es war ein Schock. Er war eine überlebensgroße Figur für seine Familie, aber auch für alle, die ihm begegneten. Am Ende war er so selbstzerstörerisch und es war offensichtlich, dass er nicht mehr lange durchhalten würde. Aber es war trotzdem ein sehr schmerzhaft für mich. Ich wünschte, er hätte meine Kinder treffen können. Mein Sohn Andreas sieht ihm ähnlich und meine Tochter Alexandra ist eine talentierte Schauspielerin, die ihn stolz gemacht hätte. Diese Ausstellungen sind jetzt eine wunderbare Möglichkeit für meine Kinder und die Enkelkinder meiner Schwester Eleonore, mehr über ihn zu erfahren. Das macht mich glücklich.

Lesen Sie auch

Oskar Werner: Wien ehrt seinen bis heute größten Schauspieler mit großer Ausstellung

Das Interview mit Felix Florian Werner führte Marc Hairapetian. Er ist Mitautor von „Oskar Werner - Das Filmbuch“ (Hg. Raimund Fritz, Filmarchiv Austria, Wien 2002). Der Untertitel des vom ihm seit seinem 16. Lebensjahr herausgegebenen Kulturmagazins „Spirit - Ein Lächeln im Sturm“ https://spirit-fanzine.de ist eine Reminiszenz an den gleichnamigen verschollenen Film mit dem österreichischen Schauspieler. Seit März 2022 betreibt er die Facebook-Seite Oskar Werner Superstar. Ende 2023 soll seine eigene Oskar-Werner-Biographie „Genie zwischen Tag und Traum“ erscheinen.

Auch interessant

Kommentare