Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frances McDormand und Chloe Zhao mit den „Bester Film“-Oscars. Als beste Hauptdarstellerin und für die Regie wurden sie außerdem ausgezeichnet.
+
Frances McDormand und Chloe Zhao mit den „Bester Film“-Oscars. Als beste Hauptdarstellerin und für die Regie wurden sie außerdem ausgezeichnet.

Oscars

Oscar-Verleihung im Hauptbahnhof von Los Angeles: Intimität und Politik statt aufgesetztem Pathos

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
    schließen

In ungewohntem Rahmen wurde die 93. Oscar-Verleihung zu einer Feier des politischen Films und der Kinoliebe. „Nomadland“ ist „Bester Film“, Anthony Hopkins Überraschungs-Gewinner.

Los Angeles - Wenn die Akademie etwas nicht zeigen wollte, dann waren es die spärlich gefüllten Kino-Sitzreihen, wie sie die Corona-Beschränkungen auch in Los Angeles noch immer verlangen. Kurzerhand blieb das angestammte Dolby Theatre am Hollywood Boulevard diesmal dunkel und man verlegte die Oscar-Verleihung lieber an einen Ort, der ohnehin selten mal voll wird – den prächtigen Hauptbahnhof von Los Angeles.

Als die Union Station 1939 eröffnete, beherrschten in der Stadt längst die Automobile den Verkehr. So ist das imposante Art-déco-Baudenkmal besonders als Filmkulisse bekannt, aus „Blade Runner“ oder „The Dark Knight Rises“. Nicht von der großen Bühne, sondern zwischen gemütlichen Art-Deco-Tischchen wurden die Oscars diesmal präsentiert, Lobredner und Kandidaten begegneten sich auf Augenhöhe.

Die prächtige „Union Station“ in Los Angeles gab die Kulisse für die Oscar-Verleihung 2021. In ihr spielen unter anderem die Filme „Blade Runner“ und „Dark Knight“.

Kino-Kulisse für Oscar-Verleihung im Hauptbahnhof von Los Angeles unter „Regie“ von Steven Soderbergh

Kein Geringerer als Steven Soderbergh hatte als Regisseur dafür gesorgt, dass alles so wenig inszeniert wie möglich aussah – und den Oscars dabei auch ein gutes Stück Pathos gleich mit ausgetrieben. Ohne die Anwesenheit eines Orchesters unterbrach allerdings auch kein Tusch die Dankesreden. Leider gab es diesmal auch keine Gelegenheit, die nominierten Songs live interpretiert zu hören.

Die stilvolle Bescheidenheit war der angemessene Rahmen für das, was Laura Dern am Beispiel des Films „One Night in Miami“ die „größere kulturelle Konversation“ nannte: ein Bekenntnis zur Diversität in der Filmkultur, wie man es nie in Hollywood erlebt hat. Es ist nicht nur so, dass die Oscars ihren weißen Anstrich verloren haben. Bei der Filmakademie glaubt man offenbar nicht mehr, dass der Hollywood-Stil die Leitwährung des Kinos sein müsste.

Los Angeles: Oscar-Verleihung 2021 ist Feier des unabhängigen Kinos statt typischem Hollywood-Stil

Diese Oscar-Verleihung war eine Feier des unabhängigen Kinos, wie man sie hier noch nie erlebt hat. Dabei verteilten sich die Preise in ungewöhnlich breiter Streuung über eine Vielzahl würdiger Gewinner.

Wie erwartet gewann „Nomadland“, das semi-dokumentarische Sozialdrama über Wanderarbeiter in den USA, als „bester Film“ und für Chloé Zhaos zwischen Realität und Fiktion kunstvoll ausbalancierte Regie. Überraschend erhielt Mitproduzentin Frances McDormand auch als Hauptdarstellerin einen Oscar, was sie wohl selbst ein wenig überraschte. Tatsächlich lässt sich argumentieren, dass die Laiendarsteller einen stärkeren Eindruck hinterließen als der Star. Eine noch größere Überraschung war die Auszeichnung für Altstar Anthony Hopkins in der Rolle eines Demenzkranken im britisch-französischen Kammerspiel „The Father“.

Preisverleihung in Los Angeles: Entgegen der Erwartungen kein Oscar für Kino-Film mit Chadwick Boseman

Bei aller Qualität von Hopkins’ Leistung war doch vielfach erwartet worden, dass der verstorbene Chadwick Boseman für „Ma Rainey’s Black Bottom“ posthum geehrt würde. Auch beim „besten adaptierten Drehbuch“ setzte sich „The Father“ gegen den Favoriten, in diesem Fall „Nomadland“, durch. Für „Ma Rainey“, das minimalistische Biopic über die Blues-Pionierin, blieben immerhin die Preise für Kostüm-Design und Maske.

Sängerin Tiara Thomas, Sängerin H.E.R. und Musikproduzent Dernst Emile II haben sich mit „Fight For You“ aus dem Film „Judas and the Black Messiah“ den Oscar für den besten Originalsong verdient.

Blackness, die spezifisch afro-amerikanische Lebenserfahrung, ist das verbindende Motiv auch zweier weiterer verdient geehrter Filme dieses Jahrgangs: Pixars „Soul“, vielleicht der filmisch originellste Beitrag von allen, wurde wie erwartet als „bester Animationsfilm“ und für die Filmmusik geehrt. Ebenfalls zwei Oscars erhielt „Judas and the Black Messiah“, Shaka Kings historisches Drama über die Black-Panther-Bewegung und ihre Verfolgung durch das FBI in den Sechzigerjahren: Neben Nebendarsteller Daniel Kaluuya erhielt auch der Filmsong einen Preis: Gern hätte man „H.E.R.“ und ihr unter die Haut gehendes „Fight for You“ auch an diesem Abend gehört, der fast durchgängig das politische Kino feierte.

Me-Too-Drama: Bei Oscar-Verleihung in Los Angeles gehen viele Preise an politisch relevante Film-Produktionen

Dazu gehörte auch, dass „Promising Young Woman“ nicht übersehen wurde, das von der MeToo-Bewegung mit inspirierte Missbrauchsdrama, das für Emerald Fennells Originaldrehbuch geehrt wurde. Fast hatte man das Gefühl, eine Jury hätte die zur Verfügung stehenden Preise besonders gerecht auf möglichst viele politisch relevante Produktionen verteilen wollen. Für die koreanisch-amerikanische Migrationsgeschichte „Minari“ wurde Nebendarstellerin Yuh-Jung-Youn geehrt.

Die 73-jährige große Grande Dame des koreanischen Kinos freute sich, endlich einmal mit dem berühmten Produzenten des Films, Brad Pitt, ein paar Worte wechseln zu können.

Oscars 2021: Zhaos Hommage an Werner Herzog - Liebesbekenntnisse Film statt üblichem Pathos

Neben der Politik war es die Cinephilie, die sich wie ein roter Faden durch die Zeremonie zog – und das sonst übliche Pathos immer wieder durch sehr private Liebesbekenntnisse zum Kino ersetzte. Kein Film hat der bedrohten Filmkultur und ihrer Geschichte eindringlicher Tribut gezollt als David Finchers „Mank“ – nun hochverdient mit Preisen für Kamera und Szenenbild bedacht.

Für Chloé Zhao, die strahlende Siegerin des Abends, ist es übrigens ein deutscher Filmemacher, zu dessen Werk sie in Krisen immer wieder zurückkommt, wie sie bekannte: Wenn sie nicht weiterwisse, dann schaue sie noch einmal nach, wie es Werner Herzog wohl gemacht hätte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare