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Wer wohl einen Oscar gewinnt?

Oscar-Verleihung 2014

Das Oscar-Orakel

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Zum 86. Mal werden in diesem Jahr die Oscars vergeben. Wie in jedem Jahr stellt sich auch diesmal wieder die Frage, wer wohl eine der kleinen Statuetten erhalten wird. Einige Vorhersagen.

Es ist alles eine Frage der Schwerkraft. Werden die Akademiemitglieder mit Alfonso Cuaróns Weltraumdrama „Gravity“ Hollywoods Rückkehr zum intelligenten Science-Fiction feiern? Nie zuvor wurde 3D-Fotografie wirkungsvoller eingesetzt, selten war ein Film so spannend wie nachdenklich. Andererseits: Ist ein solcher Genrefilm auch schwergewichtig genug für einen Oscar als bester Film des Jahres?

Wenn am Sonntagabend im Dolby Theatre von Los Angeles zum 86. Mal die Oscars vergeben werden, dürfte die Spannung bis zuletzt anhalten. Denn da ist ja auch noch die andere Option: Die Akademiemitglieder, die sich gern geschichtsbewusst zeigen und so auf die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Arbeit verweisen, könnten auch ?Twelve Years a Slave? zum besten Film küren. Dem britischen Film- und Videokünstler Steve McQueen gelang die wohl bedeutendste Darstellung der Sklaverei in der amerikanischen Filmgeschichte.

Es wäre eine kühne Entscheidung für einen kleinen, „nur“ 20 Millionen Dollar teuren Film, der ganz seinem visionären Regisseur vertraut. Dagegen stehen die etwa 100 Millionen für „Gravity“, aus denen an der Kinokasse 300 Millionen wurden – für die amerikanische Filmindustrie ein nicht ganz abwegiges Argument. Schließlich ist das Blockbuster-Kino 2013 in eine schwere Krise geraten.

Und Cuarón, als populärer Filmemacher ebenso kompromisslos wie Steve McQueen im Kunstfilm, hat in fünfjähriger Feinarbeit bewiesen, wie man es retten könnte: Nicht durch die neueste Comic-Adaption, sondern Originalität. Und eine Rückbesinnung auf das Erbe eines Stanley Kubrick. Man muss es realistisch sehen: So wichtig die Anerkennung von „Twelve Years a Slave“ auch wäre – für die Filmbranche ist „Gravity“ wohl der wichtigere Film. Wer in Los Angeles sein Geld in der Unterhaltungsindustrie verdient, verweist mit Stolz auf derart erfolgreiche Qualitätsprodukte.

Der lachende Dritte?

Ein lachender Dritter wäre da noch: Auch ?Dallas Buyers Club? hat das Zeug zum Oscar-Movie: Federleicht und doch mit angemessenem Ernst erzählt der Kanadier Jean-Marc Vallée aus den schlimmsten Zeiten von Aids – und erinnert an Kranke, die nicht aufgaben, sich die lebensverlängernden Medikamente beschafften, die in den USA nicht zugelassen waren. Doch so sympathisch dieses Comedy-Drama ist – die künstlerische und kommerzielle Bedeutung der Konkurrenten hat es nicht. Gewinnen aber dürfte als Nebendarsteller Jared Leto, dem dieser Film den Großteil seines Charmes verdankt.

Mit ähnlicher Wahrscheinlichkeit lässt sich die weibliche Nebendarstellerin voraussagen: Lupita Nyong’o gehörten in der Rolle einer missbrauchten Sklavin die emotionalsten Momente des doch sehr kühlen Films „Twelve Years a Slave“. Überragend aber ist in diesem Film natürlich Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor, der als bester Hauptdarsteller als Favorit ins Rennen geht. Unter den weiblichen Kandidaten stehen die Chancen gut für Cate Blanchett in „Blue Jasmine“: In den USA gehen den Oscars zahllose regionale Kritiker- und Berufsverbandspreise voraus, nicht weniger als 28 davon konnte Blanchett bereits einheimsen.

Verlierer sind leichter vorherzusagen

Oscar-Gewinner lassen sich schwer vorhersagen, die Verlierer schon eher. Martin Scorsese dürfte wieder dazuzählen. Sein „Wolf of Wall Street“ wurde in den USA zwar überwiegend positiv besprochen, doch wahre Größe wurde ihm kaum attestiert. Weitere sichere Verlierer sind Richard Linklater und Woody Allen, deren Arbeiten „Before Midnight“ und ?Blue Jasmine? würdige Drehbuch-Kandidaten abgeben würden, aber gegen die Originalität von Spike Jonzes verquerem Liebesfilm „Her“ nicht ankommen.

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