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Wird Toni Erdmann leer ausgehen?

Prognose

Die Oscar-Favoriten der FR

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  • Tanja Kokoska
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Wer gewinnt die Oscars? FR-Redakteure über fünf Filme, die Aussichten haben.

Toni Erdmann

Wahrscheinlich kommt es so: Im Sommer 2019 startet „Toni Earthman“ in den US-amerikanischen Kinos. In der Titelrolle: Jack Nicholson. Der hat seit 1997 keinen Oscar mehr gekriegt. Jetzt ist er über 80 und läuft unter der Regie der Coen-Brüder noch einmal zu Höchstform auf: Oscar für den besten Film, die beste Regie, das beste Drehbuch, die beste männliche Hauptrolle. Und das deutsche Original? Das uns mit seiner sanften Wucht, seinem messerzarten Blick für die Abgründe in uns in den Sessel haut? Das ging 2017 leider leer aus. Schande! (Tanja Kokoska)

Manchester by the Sea

Ein Film, der tief berührt – ganz ohne dick aufzutragen. Mit Minimalismus und Understatement erzählt Regisseur Kenneth Lonergan die Geschichte des Bostoner Hausmeisters Lee Chandler, der nach dem Tod seines Bruders in den heimatlichen Ostküstenort Manchester zurückkehrt. Sein seltsam apathisches Verhalten erklärt sich nach und nach in Rückblenden, was einen ganz eigenen Sog entwickelt. Die Fürsorge für seinen 16-jährigen Neffen, der um seinen Vater trauert und gleichzeitig die Freuden des Lebens entdeckt, gibt Gelegenheit für richtig witzige Szenen, die die traurige Wucht des Dramas durchbrechen. Der Film ist für sechs Oscars nominiert. Sie wären allesamt mehr als verdient – ein Muss ist aber einer für Regisseur Lonergan, dessen psychologisches Gespür die Geschichte so überzeugend macht. (Sabine Hamacher)

La La Land

Es macht Spaß, Ryan Gosling und Emma Stone beim tanzen und singen durch Los Angeles zuzuschauen. Sie gleiten durch eine Traumwelt und ein Hollywood, das längst vergangen scheint. Die Story, schön und traurig zugleich, aber doch banal, ist es nicht, die überzeugt: Angehende Schauspielerin trifft auf Jazzpianist, sie verlieben sich, doch der Erfolg verändert alles. Vielmehr ist es das Zusammenspiel von Gosling und Stone, die Stimmung, die das Retro-Musical heraufbeschwört, eindrucksvolle Bilder und tolle Musik. Trotz alledem, 14 Oscars? Nicht für die großen Kategorien. (Judith Köneke)

Unter dem Sand

Ein intensiver kurzer Film über Leben und Tod, Jugend und Alter, Engstirnigkeit und Toleranz. Große Bilder, echte Konflikte, starke Charaktere. Ein starkes Ensemble, geniale Kameraführung, toller Schnitt. Das alles ist eingebettet in der historischen Fußnote der deutschen Kriegsgefangenen, die 1945 Minenfelder an Dänemarks Stränden räumten. An Martin Zandvliets Film stimmt alles – und doch: einen Oscar ist er nicht wert. Stattdessen sollte man ihn zum Pflichtprogramm in Oberstufen machen. Da könnte und sollte er viel mehr Wirkung entfalten. (Peter Rutkowski)

Nocturnal Animals

Es wird Überraschungen geben und Tom Fords irrsinnig gutaussehender, todtrauriger, aufregender Film über eine lesende Galeristin doch noch in einen Preisregen geraten. Beispiellos in der Oscar-Geschichte, denn gegenwärtig ist lediglich Michael Shannon für die beste Nebenrolle nominiert. Amy Adams wird also außerdem als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet werden, Ford für Regie und Buch. Und, klar, Shane Valentino für das Produktionsdesign. Ja, „Nocturnal Animals“ handelt von einer Frau, die zu Hause ein Buch liest. Natürlich kommt es bei so etwas auf Frau, Buch und Zuhause an. (Judith von Sternburg)

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