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Auch die zwei Jahre alte Franka ist herzkrank. Ihre Mutter Caro hofft, dass Franka bald ein Spenderherz bekommt.

„37 Grad: Kleine Herzen“

Organspende als letzte Hoffnung: Wenn Babys auf ein zweites Leben warten

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Wirkungsvoller als jede Kampagne: Die TV-Reportage über Babys an der Herzmaschine ist ein berührender Appell zur Organspende.

  • Filmemacher Berndt Welz begleitet ein Jahr lang zwei herzkranke Kinder und ihre Familien
  • Die Kleinen können nur durch eine Transplantation gerettet werden
  • TV-Reportage im ZDF* ist ein Appell zur Organspende

Es ist ein schmaler Grat, auf dem dieser Film wandelt: Es gibt vermutlich niemanden, der von Reportagen über todkranke Kinder nicht im Innersten berührt wird. Wenn dann ein Kommentar auch noch auf die Tränendrüse drückt oder die Kamera die Intimsphäre der Eltern verletzt, weil sie nur auf Tränen lauert, kann das leicht nach hinten losgehen; davor ist auch „37 Grad“ nicht gefeit. 

„Kleine Herzen“ im ZDF: Babys fristen ihr Dasein an der Herzmaschine

Zum Glück ist „Kleine Herzen“ von Filmemacher Berndt Welz davon weit entfernt, was auch viel mit dem von Heiko Grauel angenehm sachlich vorgetragenen Kommentar zu tun hat: Der Sprecher hat auf jedes Pathos verzichtet. Auch die Kamera (Welz selbst sowie Robert Dinges) wahrt die nötige Distanz und rückt den Eltern nicht auf die Pelle. 

Alles andere wäre auch kontraproduktiv gewesen, denn die Bilder sind beredt genug: Die Aufnahmen der beiden Babys, die winzig klein und fragil an den Schläuchen einer ihr Dasein erhaltenden Herzmaschine hängen, gehen ganz schön an die Nieren; aber bevor die Grenze des Zumutbaren überschritten wird, versteckt sich die Kamera hinter einem Luftballon.

ZDF-Reportage: Nur ein Spenderherz kann helfen

„Warten auf ein zweites Leben“ lautet der Titelzusatz des Films, und genau darum geht es: Über ein Jahr lang hat Welz die Kinder und ihre Mütter, die sich in der Münchener Klinik Großhadern kennen gelernt und Freundschaft geschlossen haben, regelmäßig besucht. Daniel und Franka sind als Säuglinge mit Bronchitis-Verdacht ins Krankenhaus gekommen; dort stellte sich heraus, dass beide unter gravierenden Herzproblemen leiden. Seither sind sie an Herzmaschinen angeschlossen; ohne diese Geräte wären sie längst gestorben. 

Das Einzige, was sie retten kann, ist ein Spenderherz, und damit ist Welz beim eigentlichen Thema seiner Reportage: Im Grunde ist „Kleine Herzen“ ein knapp dreißig Minuten langer Appell zur Organspende. Die ohnehin nie besonders ausgeprägte Bereitschaft der Deutschen, Herz, Leber und Nieren im Todesfall anderen zu überlassen, ist in den letzten Jahren nochmals gesunken, vor allem bei Eltern verstorbener Kinder; und in einen kleinen Körper passt nun mal nur ein kleines Herz.

TV-Film zeigt die besonderen Momente

Das Warten muss für die Eltern zermürbend sein, aber der Film zeigt natürlich die besonderen Momente: Mal hat Frankas Vater einen fahrbaren Untersatz für die Herzmaschine gebaut, mal nehmen die beiden Frauen und viele Freunde an einem Charity-Lauf teil, der auf das Schicksal der Kinder aufmerksam machen soll. Und wer weiß, was aus Welz’ Reportage geworden wäre, wenn Daniel oder Franka nicht überlebt hätten. 

So gibt es zumindest eins von zwei möglichen Happy Ends: Nach 18 Monaten an der Maschine bekommt das Mädchen ein neues Herz. Die Eltern dürfen nicht mit in den Operationssaal; die Kamera schon. Die Aufnahmen der OP am buchstäblichen offenen Herzen werden nicht jedermanns Sache sein, aber sie dokumentieren das Wunder: Plötzlich schlägt im Körper dieses eigentlich dem Tode geweihten Kindes ein neues Organ; der Chirurg findet sogar die Zeit für einige erläuternde Sätze. 

Für Daniel dagegen heißt es: weiter warten. Am Ende des Films darf wegen der zwischenzeitlich ausgebrochenen Corona-Pandemie* auch Welz nicht mehr ins Krankenzimmer, nun übernimmt die Mutter die Kameraarbeit. Während Franka wieder zuhause ist und Schritt für Schritt ins normale Kinderleben zurückkehrt, darf Daniel dank einer neuen Herzmaschine mit größerer Batterieleistung immerhin nach vielen Monaten in der Klinik zum ersten Mal nach draußen.

Botschaft der ZDF-Reportage: Organspenden retten Leben

„Kleine Herzen - Warten auf ein zweites Leben“, Dienstag, 21.04.2020, 22.15 Uhr, ZDF, Mediathek

Den meisten Menschen fällt in diesen Tagen die Decke auf den Kopf. Daniels Mutter rückt die Maßstäbe zurück: „Euch ist langweilig, aber ihr seid gesund!“ Ihr Sohn ist jetzt eineinhalb Jahre alt, drei Viertel seines Lebens hatte er keinen Kontakt zu anderen Kindern. Und auch Frankas Mutter hat ein Anliegen fürs Fernsehpublikum: „Nichts im Leben ist selbstverständlich.“ 

Dies ist die eine Botschaft. Die andere muss nicht ausgesprochen werden, weil sie den ganzen Film hindurch allgegenwärtig ist: Organspenden retten Leben.

Von Tilmann P. Gangloff

Die „37 Grad“-Reportage „Keine leichte Geburt“ im ZDF ist eine filmische Verbeugung vor drei Hebammen, die ihren Beruf als Berufung betrachten.

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