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Münster-Tatort: Fehlfunktion im Orbitofrontalkortex

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Von: Sylvia Staude

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Seit 20 Jahren denkt Boerne, dass er hier der Boss ist. Silke Haller weiß es besser. WDR/Thomas Kost
Seit 20 Jahren denkt Boerne, dass er hier der Boss ist. Silke Haller weiß es besser. WDR/Thomas Kost © WDR/Thomas Kost

Der Münster-Tatort wird 20 Jahre alt und führt mit „Ein Freund, ein guter Freund“ auf falsche Fährten.

Münster – Seit zwanzig Jahren bereits witzeln und kappeln sich Kommissar Frank Thiel und Prof. Karl-Friedrich Boerne, diese heimlich besten Freunde (zum Stichwort „Freunde“ gleich mehr). Zwanzig Jahre, da kommt es schon mal zu ziemlich abgeschabten Witzen – Thiel zu Boerne: „Sie sollten auf keinen Fall Schauspieler werden“ –, aber dann wieder funkeln sie auch. Empfehlen können wir (nicht nur) diesmal die Wortwechsel zwischen Boerne, Entschuldigung: Professor Boerne, und Assistentin „Alberich“, ChrisTine Urspruch, besonders einen nach durchzechter Nacht. Boerne leidet wie ein Hund, Silke Haller ist fidel. Ihre nonchalante Erklärung: „Ich leide proportional“. Das sollten sich besonders sehr große Menschen merken.

Der Titel „Ein Freund, ein guter Freund“ (Frage: weiß das jüngere Publikum noch, auf was das anspielt?) führt insofern in die Irre, als man es automatisch auf Thiel und Boerne, Axel Prahl und Jan Josef Liefers, bezieht, die sich immer noch siezen, aber in der Bredouille aufeinander verlassen können wie eben – beste Freunde. Der Irrtum wird allerdings sofort aufgeklärt, denn wir sind auf einer sehr feuchtfröhlichen Party, Boerne hält eine Rede auf seinen guten (Anwalts-)Freund Friedhelm Fabian und dessen Frau Veronika, Jan Georg Schütte und Proschat Madani, die sich verabschieden nach Guatemala. Guatemala? Es hat einen Grund und man wird ihn im richtigen Augenblick erfahren.

Tatort aus Münster: „Ein Freund, ein guter Freund“ bezieht sich nicht auf Boerne und Thiel

Denn Handlung und Auflösung sind im Buch von Benjamin Hessler weder unterkomplex noch überstrapaziert. Und die Regie von Janis Rebecca Rattenni lässt lediglich dort ein bisschen grübeln, wo sie Split Screen verwendet, ohne dass das jetzt sehr einleuchten würde.

RolleDarsteller:in
Frank ThielAxel Prahl
Karl-Friedrich BoerneJan Josef Liefers
Mirko SchraderBjörn Meyer
Silke Haller AlberichChrisTine Urspruch
Wilhelmine KlemmMechthild Großmann
Herbert ThielClaus D. Clausnitzer
Friedhelm FabianJan Georg Schütte
Veronika FabianProschat Madani
Erik NowakHendrik Heutmann
Jochen NowakUwe Rohde
Nikolas WeberHadi Khanjanpour
Jana KimmichKatja Danowski
Nino AqostiniClaudio Caiolo
Quelle: ARD

Indessen werden es Anwälte und Anwältinnen vermutlich ungerecht finden, dass einer der Ihren wieder als mit der Mafia im korrupten Bunde gezeigt wird. Und dann auch gleich noch ermordet wird. Ein Kollege und Kumpel des Toten muss von der Polizei auf dem platten Land aufgestöbert werden. Für sein Burnout (und ein bisschen auch für seine Drogensucht) hat man – bei dem Beruf! – Verständnis, aber dass er sich just selbst aus der Klinik entlassen hat, das ist auch irgendwie verdächtig. Beide jungen Anwälte mussten bereits um ihre Lizenz kämpfen, die Staatsanwältin weiß Bescheid.

Tatort: Boerne und die „Fehlfunktion im Orbitofrontalkortex“

Dass Boerne einen besten Freund hat, bei dessen Verabschiedung er ganz sentimental wird, das ist die eine Überraschung. Die andere: er hat eine offenbar langjährige Schwäche für dessen Frau, würde für Veronika alles tun – na ja, fast alles –, er beneidet seinen Freund, hat aber am Ende Anlass, das mit der Liebe durchaus und in typisch Boernescher Manier abzumoderieren. Streng wissenschaftlich selbstverständlich, als eine „Fehlfunktion im Orbitofrontalkortex“, eine Fehlfunktion noch dazu, die „fatale Konsequenzen“ haben könne.

Zur Sendung

„Tatort: Ein Freund, ein guter Freund“, ARD, So., 20.15 Uhr.

Nun, nicht für Professor Boerne, davon kann die Münster-Tatort-Guckerin, der Münster-Tatort-Gucker getrost ausgehen. Der brave Assistent Mirko, Björn Meyer, ist außerdem mit zwei sichergestellten Goldfischen glücklich. (Wird er sie behalten dürfen?) Und wie eigentlich immer kann das Publikum den Genitiv üben oder sein Vokabular aufhübschen, diesmal mit dem schönen Wort „fraudulös“. Hören Sie gut hin, es spielt eine nicht unerhebliche Rolle. (Sylvia Staude)

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