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Szene aus „Think Gold – Mentaltraining im Spitzensport“ auf Arte: Achtsamkeitsmeditation als Mittel für bessere sportliche Leistungen.
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Szene aus „Think Gold – Mentaltraining im Spitzensport“ auf Arte: Achtsamkeitsmeditation als Mittel für bessere sportliche Leistungen.

TV-Kritik21:

„Think Gold – Mentaltraining im Spitzensport“ auf Arte - Eine Frage der Einstellung

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Weltweit bemühen sich Wissenschaftler um die Steigerung sportlicher Leistungen per Gehirnmanipulation. Eine Arte-Dokumentation zum Thema vor Olympia. Die TV-Kritik.

Über Jahre hinweg sind im Spitzensport immer wieder neue Rekorde aufgestellt worden. Irgendwann einmal aber wird die menschliche Leistungsfähigkeit erschöpft sein. Eine Frage der Physis, sofern man den Einsatz von Bioelektronik und Gentechnik ausklammert. Neurowissenschaftler aber sehen noch Potenzial. Nicht in weiterem Muskelaufbau oder dergleichen, sondern in der Stimulation des Gehirns.

Die Autoren Jean-Marc Sigot und Jean-Yves Cauchard haben Trainings- und Forschungsstätten rund um den Globus aufgesucht, um den aktuellen Wissensstand zu dokumentieren. Ihr Film beginnt in Paris im Institut National du Sport, de l’Expertise et de la Performance (INSEP), Schauplatz der französischen Olympiavorbereitungen. Hier arbeiten nicht nur Betreuer, Sportwarte und Physiotherapeuten, es gibt auch eine Abteilung für Digitale Entwicklung und Innovation, die sich unter anderem mit dem mentalen Training befasst.

„Think Gold – Mentaltraining im Spitzensport“ auf Arte: Gefühle sind nicht mehr verboten

Ein Vorbild findet sich in Marseille im Schwimmclub Cercle des Nageurs de Marseille, der bereits seit mehr als zehn Jahren mit Thomas Sammut einen Mentaltrainer beschäftigt. Eine Personalie, die sich in Form von über dreißig Olympiamedaillen ausgezahlt hat. Sammut beschreibt den Sinneswandel im Spitzensport. Früher richtete sich alles Trachten darauf, Gefühle zu unterdrücken – was nicht von ungefähr an militärischen Drill erinnert. Der Tour-de-France-Gewinner Bernard Hinault ist ein Vertreter dieser alten, darwinistischen Schule. Seine Ansicht: „Der Champion ist ein Tiger. Die anderen sind Schafe. Sie sind da, um gefressen zu werden.“

„Think Gold – Mentaltraining im Spitzensport“

Arte, Samstag, 17.7., um 21:45 Uhr. Alternative abrufbar in der Arte-Mediathek.

Sammut dagegen sagt: „Gefühle sind wichtig.“ Sofern man sie im gewünschten Sinne zu kontrollieren vermag. Am Beispiel des erfolgreichen Schwimmers Florent Manaudou – unter anderem Gewinner einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London – wird Sammuts mentale Trainingsmethode anschaulich gemacht.

Die Arte-Reportage „Think Gold – Mentaltraining im Spitzensport“ zeigt den Kampf gegen den Schmerz

Weitere Stationen der Filmemacher sind Los Angeles, Lyon, Montreal, Boston, Potsdam, San Francisco. In diesen Städten werden an Universitäten oder anderen Instituten neurologische Zusammenhänge untersucht, Experimente durchgeführt, die entsprechenden Ergebnisse erprobt. In Boston beispielsweise hat man erkannt, dass regelmäßige Meditation Hirnstrukturen so verändern kann, dass sich die sportliche Leistung verbessert. In Rennes dagegen bemüht man sich, die aus der körperlichen Beanspruchung erwachsende Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren. Also Schmerzbewältigung statt Schmerzvorbeugung. In dem Punkt hätte man sich einen kritischeren Ansatz gewünscht. Denn Schmerzen sind ein Signal, das der Körper nicht ohne Grund aussendet.

Ein Ausflug in die Historie springt zurück bis zu den Anfängen der modernen Olympischen Spiele. Schon deren Begründer Baron de Coubertin hatte einen Artikel über die Psychologie des Sports erfasst. Einige Jahrzehnte später trainierte Bud Winter in den USA Leichtathleten mit modernen Methoden – und anschließend die Piloten der US-Luftwaffe.

Arte-Reportage „Think Gold – Mentaltraining im Spitzensport“: Stimulation aus dem Kopfhörer

Futuristische Bilder brachten die Autoren aus San Francisco mit. Hier hat Dr. Daniel Chao einen Kopfhörer mit eingebauten Elektroden entwickelt, die genau über jenem Gehirnareal anliegen, das Bewegungen steuert.

Der gut fünfzigminütige Überblick über das internationale Geschehen ist informativ, auch für Hobbysportler, die die eine oder andere Anregung erhalten, insbesondere, wenn Meditation und Yoga thematisiert werden. Unterm Strich jedoch hinterlässt der Film den Eindruck einer Leistungsschau. Die Wissenschaftler präsentieren stolz ihre Ergebnisse und Errungenschaften, Sportler berichten von ihren Erfolgen. Kritische Stimmen gibt es nicht, obschon der eine oder andere Aspekt sicherlich hinterfragt werden kann. Die Machart des Films ist konventionell, durch die wiederkehrende Reihung Schauplatzvorstellung, Sportart, Interview fast ein wenig eintönig.

Arte zeigt „Think Gold – Mentaltraining im Spitzensport“ am Samstag, 17.7., um 21:45 Uhr im Rahmen eines Themenabends zu den Olympischen Spielen. Der Beitrag wird umrahmt von den Dokumentationen „Japan – Land der fünf Elemente“ (20:15 Uhr) und „Der wahre Champion – Siegen mit Hightech“ (22:40 Uhr). In der Arte-Mediathek ist „Think Gold – Mentaltraining im Spitzensport“ bis 12.1.2022 abrufbar. (Harald Keller)

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