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TV-Kritik

Heute in der ARD: Olli Dittrich in „Ich war Angela Merkel“ – Wie Sandro Zahlemann ins Weltgeschehen eingreift

  • Daland Segler
    VonDaland Segler
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Olli Dittrich weiß als Sandro Zahlemann in der ARD, wer uns wirklich regiert hat im zu Ende gehenden Jahr. Die TV-Kritik.

Wir kennen diese Bilder, oft gesendet in der „Tagesschau“ oder im „heute journal“: Angela Merkel auf der Regierungsbank, konzentriert auf ihr Handy blickend. Und nur die Absender oder Empfänger der SMS wissen, was sie da liest oder schreibt. Dachten wir.

Aber wir kennen auch diesen profilierten Profi, eine Spitzenkraft des bundesdeutschen Journalismus (nein, es ist nicht die Rede von Robin Alexander, dem Faktotum von ZDF-Moderator Markus Lanz), der immer mal wieder Aufsehen erregt hat mit seinen Stories, wie der von der Ankunft des Königs von Bhutan am Leipziger Hauptbahnhof: Sandro Zahlemann. Wir wähnten ihn im Ruhestand nach seinem Missgeschick mit der Reportage über den König (er hatte ihn bekanntlich an seinem Heimatbahnhof Jesewitz erwartet und folglich verpasst).

„Ich war Angela Merkel“ in der ARD: Olli Dittrich als Sandro Zahlemann

Aber Sandro Zahlemann wäre nicht Sandro Zahlemann, ließe er sich von Fehlschlägen aus der Bahn werfen. Unermüdlich auf der Spur neuer Sensationen, wurde er nun mit Hilfe eines abenteuerlichen Zufalls erneut ins Rampenlicht gespült. Beim Kauf eines neuen Smartphones erhielt er eine Nummer, die schon vergeben war – die von Angela Merkel.

Olli Dittrich als Sandro Zahlemann.

Kaum war der erste Schock über die Entdeckung abgeklungen, siegte die hervorstechendste Eigenschaft eines wahren Journalisten: die Neugier. Fortan widmete sich Sandro nicht nur dem Studium der Kurznachrichten der Kanzlerin, nein, er begann, den Absendern an Merkels statt zu antworten. Mit einem Wort: Der Jesewitzer Reporter Zahlemann griff ins Weltgeschehen ein, korrespondierte mit den Größen von Politik, Sport und Kirche – zunächst freilich mit gebotener Vorsicht. Als eine Botschaft des Papstes an Merkel auf dem Bildschirm erschien, war er misstrauisch, doch die zweite SMS von Franziskus, in Latein verfasst, überzeugte Zahlemann von der Echtheit: „Ein Scharlatan kann kein Latein.“

Sandro Zahlemann und das Handy von Angela Merkel: Olli Dittrich in der ARD

Einmal entflammt vom Gefühl, am großen Rad der Politik mitzudrehen, wurde der Journalist kühner. So sorgte er dafür, dass Armin Laschet Kanzlerkandidat der CDU wurde, denn dessen Antipode Markus Söder hatte dem jungen Sandro einst ein Mädchen ausgespannt. Aber der Erfolg blendete ihn. Als er dem WDR-Intendanten eine Merkel-SMS zukommen ließ, in der die Kanzlerin ein Interview anbot unter der Bedingung, dass Sandro Zahlemann es führe, flog der Schwindel auf. Dieser „Identitätsdiebstahl“ brachte den bis dahin unbescholtenen Reporter hinter Gitter. Immerhin tauchte er, wenn auch nicht ganz freiwillig, nun wieder in den Medien auf und wurde nach Verbüßung seiner Haft von Kollegen interviewt, um seine Geschichte zu erzählen.

„Ich war Angela Merkel: Das Zahlemann Protokoll“

Mittwoch, 29. Dezember 2021, 23.45 Uhr, ARD und in der Mediathek

„Ich war Angela Merkel: Das Zahlemann Protokoll“ (ARD): Olli Dittrich zeigt seine Meisterschaft

Womit Olli Dittrich in seiner neuen Parodie des Medienzirkusses wieder als dessen präziser Beobachter seine Meisterschaft zeigen kann. Maske und Sprachduktus seiner Figur, die Interviews mit den prominenten Zeugen (Caren Miosga, Tom Buhrow), die Authentizität vortäuschenden Einblendungen oder auch Scherze wie der Schriftzug „ddr“ auf Zahlemanns Jacke: Sie verraten, mit welcher Lust an der Persiflage der Hamburger Komödiant arbeitet. Ahnungslose könnten diese Arbeit für einen echten Dokumentarfilm halten.

Und Robin Alexander darf auch mittun. Denn Sandro Zahlemann erhofft sich vom Kollegen eine Anstellung in der Redaktion der Welt am Sonntag. Aber er bekommt nur ein Abo. Das nennt man wohl Strafverschärfung. (Daland Segler)

Rubriklistenbild: © Daniel Wolcke/beckground tv/WDR

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