Maischberger, ARD

Die Öffentlich-Rechtlichen stellen sich in Frage

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"Wozu brauchen wir noch ARD und ZDF?", hieß die Titelfrage am Mittwochabend bei Sandra Maischberger. Zu Wort kommen Kritiker ebenso wie die Macher aus den Sendern.

„Allein die Tatsache, dass wir im öffentlich-rechtlichen System über die mögliche Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Systems diskutieren können, zeigt uns, dass wir es brauchen“, sagt Thomas Gottschalk. Und so kam es tatsächlich: „Wozu brauchen wir noch ARD und ZDF?“, hieß die Titelfrage am Mittwochabend bei Sandra Maischberger.

Eingeladen hat die Talkshow drei Prominente, die aus ganz unterschiedlichen Motiven das System kritisieren. Zwischendurch zeigte die ARD in einem „Weltspiegel extra“, wie die Systeme anderswo in Europa aussehen.

Gottschalk: Mehr Kreativität zulassen

Zu oft langweilig sei es, sagt etwa Thomas Gottschalk, an diesem Abend der Vertreter des alten Fernsehens. Der stört sich am behördenähnlichen Apparat der Gremien und Beschlüsse. Anstatt sich an Quoten und Zielgruppen zu orientieren, solle das gebührenfinanzierte Fernsehen mehr Kreativität zulassen. Hemmend seien die Räte, „die keine Ahnung vom Fernsehen haben“ und den Machern das Leben erschweren. Gottschalk schiebt seinen 25-jährigen Sohn vor, an dem das Programm vorbeigehe.

Der Vorwurf, ARD und ZDF schauten zu wenig auf junges Publikum, ist ein alter, und doch muss man sagen: Mit dem Onlineangebot FUNK oder den Produktionen um Jan Böhmermann ist er 2018 nicht mehr gänzlich gerechtfertigt. Tatsächlich hätte die Avantgarde des Jugendfernsehens es auf dem freien Markt unverhältnismäßig schwerer.

AfD-Bundesvorsitzende von Storch bemängelt Staatsfernsehen

Kritikpunkt Nummer 2: Es handle sich um Staatsfernsehen, das sich politisch der Regierung unterordnet. Die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch bemängelt, es gebe keine objektive Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Zu oft hätten die Zuschauer das Gefühl, es würden sich Nachrichten und Kommentare vermischen. Zudem gebe es nicht genügend Kontrollmöglichkeiten jener, die für das Fernsehen bezahlen, den Bürgern. „Die Beiträge sind einseitig und viele bei den Sendern wollen das nicht mehr sehen, weil sie betriebsblind geworden sind.“

Dem entgegen spricht die Tagesthemen-Moderatorin Pinar Atalay. Zwar gebe es Fehler, man habe etwa erst einen Weg finden müssen, wie man über Flüchtlinge berichtet. Politisch gefärbt seien die Fernsehjournalisten allerdings nicht. „Die Menschen sehen mich im Interview mit den Politikern und denken, da sei eine Nähe.“ Doch das sei nicht der Fall, vielmehr übernehme man den Gegenpart. Der WDR-Intendant Tom Buhrow widerspricht der These, das öffentlich-rechtliche Fernsehen sei nicht kontrolliert. Ihm seien die Rundfunkräte als Einfluss lieber als die Kapitalgeber der Privatsender, die nur nach Profit fragen.

Mit acht Milliarden Euro im Jahr sei das öffentlich-rechtliche Fernsehen viel zu teuer, wird dem System vorgeworfen.  Der Medienunternehmer Georg Kofler meint, das Angebot sei aufgebläht und verzerre den Wettbewerb mit den privaten Sendern. Mit einem Viertel des Geldes könne man den Programmauftrag für die öffentlich-rechtlichen ebenfalls erfüllen. Buhrow entgegnet, die Privatsender wollten nur den quotenhohen Teil abbauen, weil sie sich erhoffen, dort dann mehr Geld zu verdienen. Allerdings sagt auch er, es müsse gespart werden. Buhrow will allein beim WDR 500 Planstellen abbauen.

Wird in den Spitzenpositionen zu viel verdient? Gottschalk sagt, so viel Geld habe er mit den Bühnenauftritten im Fernsehen gar nicht gemacht: „Was ich während meiner Laufbahn gekostet habe, habe ich mit Werbung längst wieder eingespielt!“

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