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Achtung, dieser Film trägt seinen Titel zu Recht: „Die Schlacht der fünf Heere“.

„Die Schlacht der fünf Heere“

Noch mehr vom Selben

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Lauter kann man ein kleines Buch nicht zuschlagen: Peter Jacksons letzter „Hobbit“-Film „Die Schlacht der fünf Heere“ legt sich noch einmal mächtig ins Zeug.

In einem seiner bekanntesten Sketche spielte Loriot einen Opernbesucher, der nur zu einer Aufführung von Richard Wagners „Siegfried“ kommt, um den Drachen zu sehen. Bei „Die Schlacht der fünf Heere“ muss man dafür nicht einmal eine lange Ouvertüre überstehen.

Denn gleich zu Beginn feiert die im vorangegangenen Teil von Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) glücklich aus dem Zwergenreich vertriebene Flugechse Smaug ihre furiose Rückkehr. Mit feurigem Atem legt das im Original von Benedict Cumberbatch gesprochene (oder eher: gefauchte?) Fabelwesen das Örtchen Seestadt in Schutt und Asche – und vernichtet dabei gleich die vielleicht schönste der virtuellen Kulissen, die Peter Jacksons Film zu bieten hat.

Bis zu ihrem jähen Untergang erinnert diese Kulisse im lauen Mondlicht deutlich an die Heimat von Walt Disneys „Pinocchio“. So wie sich dessen Zeichner damals ihre Anregungen quer durch die europäische Kulturgeschichte holten – der Spielort erinnerte ans bayrische Rothenburg ob der Tauber – blättert auch Peter Jackson nicht nur in den landschaftlichen Möglichkeiten Neuseelands, sondern auch wieder in ganzen Bilder-Bibliotheken. Seine Lieblingsepoche ist dabei die viktorianische Märchenmalerei von John William Waterhouse und der Präraffaeliten. Besonders gut kleidet dieser romantische Stil die von Cate Blanchett verkörperte Elbin Galadriel, die sich gemeinsam mit dem Zauberer Saruman (Christopher Lee) aus der „Herr der Ringe“-Trilogie eingefunden hat, das letzte Kapitel des „kleinen Hobbit“ in der Verfilmung etwas dicker erscheinen zu lassen.

Das ist umso nötiger, als der Film nach seinem feu-riosen Anfang ja auch keinen Drachen mehr zu bieten hat.

„More of the same“ würde man in Tolkiens Sprache sagen, wenn man einen Nachschlag fordert. Und nach jedem Teil dieser Peter-Jackson-Hobbit-Trilogie bekommt er dann ja auch mehr geboten, als zur Sättigung vonnöten wäre. Aber es ist eben nur mehr vom Selben, nie etwas anderes. Wie seine Ästhetik ja auch eben immer nur wiederholt, was es schon gibt. Das unterscheidet diesen unbestrittenen Virtuosen seines Faches von den wirklichen Visionären des Fantasy-Genres, von Tim Burton etwa oder vielleicht auch dem ursprünglich als „Hobbit“-Regisseur vorgesehenen Guillermo Del Toro. Jackson ging stattdessen in die Breite und Länge: Die Statistik kommt bei den sechs Tolkien-Verfilmungen auf mehr als 1000 Minuten Gesamtdauer.

Am Ende gibt es, der Titel hält da allemal, was er verspricht, also weitere Schlachten mit noch größeren, digital multiplizierten Heerscharen, über die virtuelle Kameras hinweg jagen wie ferngesteuerte Fernsehkameras über das Publikum von Stadion-Konzerten. „Die Zeit der Zwerge ist vorbei“ hören wir einmal einen ihrer Widersacher sagen, und diese 250-Millionen-Dollar-Produktion prahlt natürlich mit der Größe.

Dabei gelingen Peter Jackson auch durchaus intime Charakterstudien, insbesondere mit Richard Armitage als Zwergenkönig. Es ist schon kurios: Da warnt Tolkien in seiner moralischen Geschichte unermüdlich vor der Gier nach Gold und Macht – und auch dieser Film ist am besten in seinen seltenen Momenten der Bescheidenheit.

Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere. Regie: Peter Jackson. Neuseeland, Großbritannien, USA 2014. 144 Minuten.

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