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Frankie Shaw als nur vermeintlich nicht so wichtige Sekretärin. Foto: Claudette Baris /2021 Warner Bros. Entertainment Inc.
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Frankie Shaw als nur vermeintlich nicht so wichtige Sekretärin.

Film

„No Sudden Move“ im Kino: Ein Thriller, schillernd wie ein Scherbenhaufen

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Steven Soderberghs lustvoll-absurder Thriller „No Sudden Move“ ist ein Fest verfehlter Erwartungen.

Alfred Hitchcock hat wohl nicht erfunden, was er den „MacGuffin“ nannte, aber welchen Spuk hat er damit losgetreten! Wohl niemand, der in den letzten sechzig Jahren Drehbücher geschrieben hat, liebäugelte nicht ab und zu mit der Versuchung falscher Fährten und versandender Erzählstränge.

So wie seinerzeit Hitchcock in „Psycho“ mit dem Mord an Janet Leighs Filmfigur einen tragenden Handlungsfaden ausradierte, errichtet Steven Soderbergh in „Sudden Move“ ein ganzes Labyrinth erzählerischer Sackgassen. Dass es an jedem dieser zugemauerten Gänge umso verwegener weitergeht, macht das Schreiben darüber keineswegs einfacher: Wer erzählt schon gerne von Dingen, die zu nichts führen? Und wer verrät schon gerne die umso überraschenden Wendungen, die sich stattdessen auftun?

„No Sudden Move“ im Kino: Drehen unter Corona-Bedingungen

Vielleicht beflügelte das beschränkte Drehen unter Corona-Bedingungen Steven Soderberghs Lust am Inszenieren kleiner Puzzlestücke. Angesiedelt in Amerikas einst glorreicher Autostadt Detroit anno 1954, sorgen immerhin die stimmungsvollen Bilder pastellbunter Straßenkreuzer und David Holmes groovige Filmmusik für äußeren Zusammenhalt.

Es beginnt mit drei Kriminellen (Benicio Del Toro, Don Cheadle und Kieran Culkin), die ein von Ray Liotta gespielter Gangsterboss anheuert, um ein mysteriöses Dokument zu beschaffen. Der Weg dahin ist kompliziert und scheitert sofort: Um einen hemdsärmeligen Angestellten dazu zu bringen, den fraglichen Tresor zu öffnen, nimmt man erst mal dessen Familie als Geisel.

„No Sudden Move“: John Ham in der Rolle des Detektivs

Nur hat der Mann ganz andere Sorgen: Die Kombination kennt nur die Sekretärin, die frustriert ist wegen der gemeinsamen Affäre. Kurzum, die Sache geht schief, das Dokument verloren, eine Nebenfigur verliert ihr Leben und ein Gangsterboss wird wütend. Gleichzeitig treten andere vermeintliche Nebenfiguren aus den Schatten unserer fehlgeleiteten Erwartungen: Die Sekretärin (Frankie Shaw) überrascht mit eigener krimineller Energie ebenso, wie es die Ehefrau des Gangsterbosses faustdick hinter den Ohren hat.

Da ist man froh über das Auftauchen eines hoffentlich ordnungsstiftenden Detektivs, gespielt von Jon Hamm: Niemand kann auf ähnlich coole Weise Geradlinigkeit ausdrücken wie der einstige „Don Draper“ aus „Mad Men“. Soderbergh scheint den perfekten film-noir-Detektiv in ihm gefunden zu haben, doch auch das wäre nur eine Erwartung, die es zu konterkarieren gilt.

„No Sudden Move“: Oscar-Preisträger Steven Soderbergh führt Regie

Denkt jetzt etwa noch jemand an das zu stehlende Dokument? In der Tradition von Krimiklassikern wie „Die Spur des Falken“ ist auch das Objekt der Begierde kaum mehr als ein weiteres Rätsel – in diesem Fall wirft es überraschende Schatten voraus auf, man glaubt es kaum, den Fluch des Automobils und die drohende Zerstörung des Planeten.

Zum Film
RegieSteven Soderbergh
DrehbuchEd Solomon
ProduzentCasey Silver
MusikDavid Holmes

Sollte es sein, dass der Kritiker doch mehr Logik in die Geschichte geschrieben hat, als sie tatsächlich birgt? Soderbergh, dieser große Intellektuelle des amerikanischen Genrekinos, ist ohnehin immer schlauer als jeder, der ihm zuschaut. Es gibt nichts, dass er nicht auf die Leinwand bringen kann – außer vielleicht menschlicher Wärme, jedenfalls seit er Julia Roberts in „Erin Brokovich“ zu Oscar-Ehren führte. Große Gefühle sind aber in dieser schillernden Farce auch gar nicht nötig.

„No Sudden Move“: Hollywood-Star aus dem Hut gezaubert

Zu den vielen Überraschungen, die Soderbergh aus dem Hut zaubert, zählt im Dritten Akt ein veritabler Hollywoodstar, der nicht im Vorspann steht. Und dessen Auftritt sich nicht als bloßer Cameo betrachten lässt, sondern noch einmal eine völlig neue Perspektive auf den absurden Plot eröffnet. Ungenannt – jedenfalls mit wahrem Namen – sind übrigens auch die Verantwortlichen für die leicht glupschäugige Kamera und den verwegenen Schnitt: In beiden Fällen ist es Steven Soderbergh.

Es ist wirklich ein wenig so wie bei Hitchcock in „Psycho“, nur umgekehrt: Der Meister der Spannung engagierte einen großen Filmstar, Janet Leigh, nur um sich seiner im spektakulärsten aller Filmmorde seiner Karriere zu entledigen. Soderbergh engagiert einen Filmstar, dessen Name nicht erwähnt wird, nur um mit seiner Hilfe am Ende ein paar der verhedderten Erzählstränge zu etwas Neuem zu verbinden. Plötzlich aber blickt man darauf wie auf einen wirren Scherbenhaufen, ein zerbrochenes Spiegelkabinett von einem Gangsterfilm, und bemerkt die Schönheit im Chaos. Auch das ist eine Feier des Kinos, denn keine andere Kunstform kriegt so etwas hin. Und was gäbe es Besseres, um die Öffnung nach den Corona-Beschränkungen zu feiern?

No Sudden Move. USA 2021. Regie: Steven Soderbergh. 90 Min.

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