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Simone Mankus (Iris Berben) und ihr Bodyguard Robert Fallner (Murathan Muslu) kommen sich näher.

TV-Krimi

„Nicht tot zu kriegen“ (ZDF-Krimi): Iris Berben kennt ihre Männer nicht mehr

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Die Diva und der Bodyguard: Iris Berben und Murathan Muslu sind im ZDF „Nicht tot zu kriegen“. Wie gut ist der Krimi im TV wirklich?

  • Im ZDF läuft der Krimi „Nicht tot zu kriegen“.
  • Iris Berben und Murathan Muslu sind die Hauptdarsteller.
  • Wie gut ist der TV-Film wirklich?

Sie war das Supergirl vom dritten Planeten des Sterns Alpha Centauri. Sie war Luzy, Abgesandte des Teufels. (Unglücklicherweise findet dann Luzy einen Engel nett.) Sie führte eine Nervenheilanstalt im „Kondom des Grauens“ und teilte das Bett mit einem Raubtier im „Geheimnis des gelben Geparden“. Wikipedia hat „Auswahl“ über die Filmographie Iris Berbens geschrieben, eine Auswahl, die 1965 beginnt und weit mehr als 100 Filme oder gleich ganze Serien umfasst.

Zu ihrem 70. Geburtstag am 12. August bekam Iris Berben jetzt einen Krimi, darin eine Divenrolle und einen feschen Bodyguard. Und es gibt absolut keinen Grund, lieber Whitney Houston und Kevin Costner aus der DVD-Schublade zu holen und abzustauben: Iris Berben und Murathan Muslu haben als Simone Mankus und Robert Fallner die viel interessanteren Ecken und Kanten. Und außerdem sind sie „Nicht tot zu kriegen“.

„Nicht tot zu kriegen“ im ZDF: Iris Berben fröhnt dem Alkohol

Ziemlich frei nach Franz Doblers Roman „Ein Schlag ins Gesicht“ hat Nina Grosse, die auch Regie führte, das Drehbuch einer einmal mehr hinreißenden Iris Berben zu Füßen gelegt. Die macht was draus: Das Porträt einer Frau, die morgens im Pelzmantel durch den Supermarkt pirscht und mehr oder weniger nur Alkohol in ihren Einkaufswagen legt. Die abends auf der Bühne strahlt und funkelt. Und die Erfahrung eines Lebens in ihre Stimme legt.

Simone Mankus, Filmdiva, 45 Jahre im Geschäft und manchmal mit den Nerven am Ende, wird bedroht, auf diese hässlich misogyne Art, die alternden Frauen vorbehalten ist. „Du warst ein goldenes Mädchen. Jetzt bist du alt“, flüstert die Stimme am Telefon. Abtreten soll sie, unsichtbar werden. Aber sie denkt nicht dran, sie hat einer jungen Frauenband versprochen, mit ihr aufzutreten. Und sie mag zwar nicht mehr in der A-Liga spielen (sagt ihr Sohn Jonas, Barnaby Metschurat), aber mitspielen, das tut sie schon noch. Notfalls eben mit Bodyguard, auch wenn sie ihn sich nur mit Mühe leisten kann.

„Nicht tot zu kriegen“ im ZDF: Es knistert zwischen Iris Berben und Murathan Muslu

Robert Fallner, bei der Polizei beurlaubt, weil er einen jungen Dealer erschossen hat (in Notwehr, sagt er, aber wo ist die Waffe, sagt die Interne), heuert bei der Sicherheitsfirma seines Halbbruders an und soll sich gleich mal um diese Schwierige, diese Männerverschlingerin kümmern. „Meine Gäste schlafen in meinem Bett“ sagt sie, und fast meint man, Murathan Muslu erröten zu sehen, und, als er eine Verdächtigenliste aufstellen will: „Schätzchen, ich kann mich doch nicht an alle Männer erinnern“.

Zur Sendung

„Nicht tot zu kriegen“ , Montag, 10.08.2020, 20.15 Uhr, ZDF, Mediathek (verfügbar bis 2.11.2020)

Es knistert zwischen den beiden; und es ist klar, dass diese 70-Jährige auch aus diesem Spiel noch keineswegs raus ist. Das sieht die eifersüchtige Freundin Fallners schon ganz richtig. Murathan Muslu zeigt indessen das Trauma eines gewissenhaften, seinen Beruf ernst nehmenden Menschen, der einen Teenager getötet hat und damit nur schwer leben kann.

In Simone Mankus’ Haus laufen alte Iris-Berben-Filme, als müsse sie sich vergewissern, dass sie einmal ein goldenes Mädchen war. Aber die Frau, die die schon zu drei Vierteln abgeschriebene, die Fast-schon-Ex-Diva spielt, sie lässt einen zweifeln, wo Simone Mankus aufhört und Iris Berben beginnt. Oder auch umgekehrt. Auf jeden Fall glaubt man beiden, der Figur und ihrer Darstellerin, dass sie nicht aufgeben. Sich nicht ausbooten lassen. Und dass jeden Moment das goldene Mädchen wieder hervortreten kann mit all seinem Charme. (Sylvia Staude)

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