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DI Deering und ihre Leute müssen auf einer Wahlveranstaltung für die Sicherheit der Bürgermeisterkandidaten sorgen. Der muslimische Bürgermeister Mayor Hassan (Ace Bhatti, l.), DI Vivienne Deering (Joanna Scanlan, M.) und Kandidatin Carolyn McCoy (Lisa McGrillis - rechts) stehen gemeinsam auf der Wahlkampfbühne.

"No Offence", ZDF Neo

Nicht beleidigt sein

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Der britische Serienmacher Paul Abbott überzeugt mit einer konventionellen Krimiserie über unkonventionelle Ermittlerinnen.

Diesmal nicht auf arte, sondern auf ZDFNeo: der fröhliche Marathon der internationalen Miniserien im deutschen Fernsehen geht weiter, und damit auch unser kleines „Who’s Who“ der europäischen Serienwelt. Und heute haben wir ein weiteres Schwergewicht im Programm: Paul Abbott. Der Brite ist seit 30 Jahren eine Größe im Fernsehgeschäft, machte sich als Produzent und Autor von mehreren Folgen „Für alle Fitz“ einen Namen, bevor seine selbst erfundenen Serien internationale Erfolge feierten und zu Hollywood-Filmen („State of Play“) oder gleich zu US-Serien-Remakes („Shameless“) adaptiert wurden. Und der Mann hat mehr Preise gewonnen als in sein Haus passen.

„No Offence“ ist sein neuester Publikumserfolg, auch wenn die Serie um drei unkonventionelle Polizei-Ermittlerinnen in Manchester bereits in die dritte Staffel geht und somit nicht mehr ganz frisch ist. Dafür könnten die behandelten Themen nicht aktueller sein: Ging es in der ersten Staffel um einen Serienmörder und in der zweiten um das organisierte Verbrechen, so ist diesmal die Politik dran – und zwar kaum maskiert.

Es gibt einen muslimischen Bürgermeisterkandidaten namens Kashif Hassan und ein Attentat auf eine junge Politikerin namens Carol McCoy aus dem Dunstkreis einer ultrarechten Protestgruppe namens Albion. Pate gestanden haben dafür natürlich der (reale) Londoner Bürgermeister Sadiq Khan und die (reale) liberale Parlamentarierin Jo Cox, die von einem verstörten Anhänger der (realen) ultrarechten National Front erschossen wurde.

Was Paul Abbott daraus macht, rutscht manchmal haarscharf an der Satire vorbei, ist aber vor allem erstmal eins: unterhaltsam. Denn das Adjektiv „unkonventionell“ für die Ermittlerinnen ist endlich mal ernst gemeint – in Deutschland gilt man ja schon als „unkonventionelle“ Ermittlerin, wenn man mal ungeduscht auf dem Bildschirm erscheint.

Die Kolleginnen Deering und Kowalska dagegen haben der Serie den ironischen Titel „No Offence“ beschert, weil sie zum einen vor keiner unflätigen Beleidigung zurückschrecken und sich zum anderen allerhand halb- bis illegaler Mittel behelfen, um Straftaten aufzuklären – oder auch mal verschwinden zu lassen. Den deutschen Sinn für strenges Recht und klare Ordnung werden diese Damen auf jeden Fall beleidigen.

Aber Abbott hat lange genug in Soap Operas gearbeitet, um zu wissen, dass Frechheit immer mit Dramatik unterfüttert werden muss. Gleich zu Beginn sehen wir das Team eine dumpfe Gruppe Rechtsradikaler illegal in den Keller sperren, übers Kinderkriegen flachsen und das eigene Sexleben diskutieren – bis ein Paukenschlag von einer Actionsequenz den lockeren Tonfall und die Gruppe buchstäblich zerreißt.

Das oft schlecht gelaunte deutsche Krimi-Fernsehen ist gut darin, den tragischen Kater nach einem Mord zu zeigen, aber von Paul Abbott könnte es lernen, dass die Wut, die Trauer und die Verbitterung erst so richtig greifen, wenn man davor die Unbeschwertheit, die Zuneigung und die Zusammengehörigkeit genauso prominent gezeigt hat.

Im Lauf der sechs Folgen hat diese dritte Staffel noch viel mehr politische Plots zu bieten, die sich erstaunlich vertraut anhören. (Kommt uns Deutschen die vollständige Unterwanderung einer rechtsradikalen Gruppe durch unbelangbare V-Leute des Geheimdienstes irgendwoher bekannt vor?) Aber vor allem bietet sie noch viel mehr Achterbahn der Gefühle, noch mehr absurde Aktionen, Unbeschwertheit und Verbitterung.

Das erreicht dann vielleicht nie ganz die politischen Höhen des Journalisten-Thrillers „State of Play“ oder die sarkastischen Tiefen der Sozialsatire „Shameless“. Aber von einer konventionellen Krimiserie über unkonventionelle Ermittlerinnen kann man eigentlich nicht mehr erwarten.

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