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Anke Engelke zur Angstvermessung an der Ruhr-Universität Bochum. Für den Test werden ihr Elektroden angelegt.
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Anke Engelke zur Angstvermessung an der Ruhr-Universität Bochum. Für den Test werden ihr Elektroden angelegt.

"Hautnah" im WDR

Nicht bange machen lassen

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Für einen Film der WDR-Reihe "Hautnah" stellt sich Anke Engelke verschiedenen Formen der Angst. Auch den eigenen.

Ausgerüstet mit Kopfkamera und Sprechfunkverbindung, erkundet Anke Engelke furchtlos ein nächtliches, verlassenes Parkhaus. „Null lustig“, sagt sie, und dass sie sich unwohl fühle. Aber der Forscherinnendrang obsiegt. Von Unterhaltungsshows, die die Affekte der Mitwirkenden dem Ergötzen der Zuschauer preisgeben, ist dieser Programmbeitrag jedenfalls weit entfernt. Engelke ist neugierig. Sie will wissen, warum und wovor der Mensch sich eigentlich fürchtet.

Nach Antworten sucht sie unter anderem in Wuppertal. Dort haben Wissenschaftlerinnen nach sogenannten „Angstorten“ gefahndet, nach städtischen Bereichen, die von den Menschen bang gemieden werden. Einer davon ist, eher überraschend, der weithin offene, gut einsehbare Berliner Platz im Stadtteil Oberbarmen.

Ein Alptraum für Agoraphobiker, aber auch die Bewohner des Viertels suchen sich gern andere Wege, beklagen den Schmutz und die Anwesenheit von Trinkern und Müßiggängern. Auch die Kriminalitätsrate wird als Grund genannt, obwohl sie faktisch nicht höher liegt als anderswo. Die Abneigung gegen den Platz, so haben die Wissenschaftlerinnen erkannt, basiert zum großen Teil auf Hörensagen.

Vielsagende Pause

In einer Arbeitsgruppe, die dem Platz zu neuer Attraktivität verhelfen möchte, fragt Engelke nach Erfahrungen mit der Bürgerbeteiligung. Einen Moment lang herrscht betretenes Schweigen. Andere hätten diesen Moment, der ereignislos erscheint und doch vieles aussagt, geschnitten. Die Filmautoren Gesine Enwaldt und Ravi Karmalker bringen ihn der Zuschauerschaft zu Gesicht.

Löblich auch, mit welcher Breite hier das Thema Angst erörtert wird. Da ist die Siebzehnjährige, in deren für ihr Alter ungewöhnlich reifem und auch tapferem Verhalten sich die Quintessenz des Films abbildet: Sie will ihrer Angststörung die Stirn bieten und riskiert es, aus dem Elternhaus aus- und in eine eigene Wohnung zu ziehen.

Höhenkoller

Angst ist ein natürlicher Schutzinstinkt, kann aber auch pathologische Züge annehmen. In Bochum lässt Anke Engelke ihre Angstdisposition testen. Ungewöhnlich: sie kennt, was normal wäre, kein Lampenfieber. Aber Psychologe Jürgen Margraf, Professor an der Universität Bochum, attestiert ihr Anflüge von Höhenangst. Die Probandin mag es kaum glauben, macht den Selbstversuch auf einer frei tragenden Wendeltreppe in einem Kirchturm – und muss einräumen, dass der Mediziner recht hatte. Der ist beim Selbstversuch dabei und hilft ihr, ihre Furcht zu bewältigen.

Anke Engelke stellt noch viele Fragen im Zuge dieser Sendung, und die Antworten sind interessant. Wovor fürchten sich Grundschüler, wie schüren Populisten die Ängste der Menschen via Internet, kann ein verfehlter Sprachgebrauch zum Entstehen von Ängsten beitragen? Wie ist es um die Sicherheit im öffentlichen Leben bestellt? Vielfältige Aspekte, multiperspektivisch betrachtet, ansprechend aufbereitet, nie beliebig. Sehenswert.

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