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Von links: Selb, Liv, Mads. Foto: Christine Schroeder/Radio Bremen
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Von links: Selb, Liv, Mads.

Tatort

ARD: „Neugeboren“ mit dem neuen Team des Tatort aus Bremen: Liv, Mads, Selb

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Einsilbig, überambitioniert, aber man wird sich wohl aneinander gewöhnen. Das neue Team des Bremer Tatort in der ARD.

Die sechsteilige Internet-Miniserie „How to Tatort“ der ARD, die als Pseudo-Doku über das Kennenlernen und die Dreharbeiten den Einstieg für das neue Bremer Team vorbereitet hat, ist dermaßen lustig, dass es für die erste echte Folge nicht einfach wird. Alle so ernst plötzlich, die Situation so überspannt, die Dialoge so überdeutlich. Serienauftakthauptfigurencharakterisierungswut verbindet sich mit norddeutscher Einsilbigkeit. Liv, Mads, Selb.

Liv Moormann wird von (der Wiesbadenerin) Jasna Fritzi Bauer gespielt (in den nuller Jahren Mitglied im Jugendclub des Staatstheaters, später dann Berliner Volksbühne und Burgtheater). Liv Moormann ist neu hier und etwas zu schick angezogen, da ihr eine Art Vorstellungsgespräch vorschwebte. Da jedoch das Verbrechen nicht ruht, bloß weil die Polizei unbequeme Schuhe trägt, will sie jetzt trotzdem sofort mitermitteln, auf Teufel komm raus. Liv Moormann ist roboterartig fokussiert, penetrant, pedantisch. Bauers Stimme erinnert zwischendurch an Frau Lürsens.

Bremer Tatort in der ARD kommt mit einem lahmen Running Gag daher

Mads Andersen wird von dem Dänen Dar Salim gespielt, ein smarter Typ mit gepacktem Koffer. Noch heute, jetzt gleich geht es zurück nach Kopenhagen. Da jedoch das Verbrechen noch immer nicht ruht, tummelt er sich stattdessen mit Liv Moormann am Tatort und verpasst einen Zug nach dem anderen. Einen Zug nach dem anderen zu verpassen, ist nicht hochspannend, eher zäh und hier auch so dargestellt: als lahmer Running Gag. Aber Liv und Mads zeigen durchaus flackernd zwei ihre Leidenschaften recht beherrscht zur Schau stellende Menschen, die noch nicht wissen, ob sie sich nicht eh zum letzten Mal sehen. Sie völlig überengagiert, aber auch echt gut. Er ein Ex-Militär und Ex-Undercover-Mann, auch echt gut. Sie sind der „Frischling und der Wikinger“, sagt Selb.

„Tatort: Neugeboren“ in der ARD

Erstausstrahlung: ARD, Pfingstmontag, 20.15 Uhr. Sechs Teile „How to Tatort“ in der ARD-Mediathek.

Linda Selb wird von Luise Wolfram gespielt, es ist nicht erforderlich, sie vorzustellen. Als durchgeknallte BKA-Expertin (letztlich für alles Mögliche, oder?) mischte sie in mehreren Folgen das Duo Lürsen/Stedefreund effizient und nach Art von Benedict Cumberbatchs Asperger-Syndrom-Sherlock auf. Da das Verbrechen weiterhin absolut nicht ruht, ist auch sie vor Ort, aber heutzutage als erste und als Platzhirschkuh. Sie hasst es, wenn ihr jemand reinquatscht, nehmen wir zum Beispiel: Liv Moormann, die bei aller Einsilbigkeit eine Menge zu sagen hat.

Bremen-Tatort in der ARD: Sherlock wäre das nicht passiert

Dazwischen das eine oder andere Scherzwort und ein Segelflugzeugpfeifgeräusch für die Fluglinie des abgestürzten Opfers. Neugier, Lust und Schamlosigkeit sind unleugbar – „Leiche? Klingt 1A“ –, Liv und Selb nehmen sich da nicht viel, und wir sind nicht im Empathiezentrum der Tatort-Welt. Dass Selb nachher kurz entgleist, ist wie ein Beweis dafür, dass sie keine KI ist. Sherlock wäre das nicht passiert. Aber großartig gespielt: Wolfram beobachtet nicht nur die anderen, auch sich selbst beim Weinen. Dass die Kommissarin von heute locker als gestörte Individualistin durchgeht: Ist es ein Fortschritt, ist es bloß eine neue Klischeefalle? Es ist ein großes Beäugen und blankes Lauern. Drumherum ein bisschen stimmungsvolle Tagebuch-Psychologie. Und doch: Man wird sich aneinander gewöhnen.

RolleDarsteller/in
Liv MoormannJasna Fritzi Bauer
Linda SelbLuise Wolfram
Mads AndersenDar Salim

Der Fall selbst, geschrieben von Christian Jeltsch und inszeniert von Barbara Kulcsar, blickt hektisch und auch in dieser Hinsicht überambitioniert in eine traurige Umgebung. Hier eine junge Frau (Johanna Polley), die in ihrem Berufsleben kein Baby unterbringen kann. Da eine noch jüngere Frau, die ein Baby braucht, um das trübe Leben weniger trüb zu finden. Auch ihr Vater (André Szymanski), ein abgewrackter Ex-Fußballer (sehr lange her) braucht das Enkelkind, der Bruder bringt einen Teddybären mit. Kinder nicht als Kitt für Paare, sondern überhaupt als Lichtblick fürs Weitermachen ohne große Perspektive. Dazu das Kindergeld! Schön ferner der Satz (auf einen Dealer und liebevollen Familienvater bezogen): „Hätte er arbeiten sollen oder was?“

Wie traurig oder tragisch Vaters Werder-Shirt am Montagabend tatsächlich aussehen wird, ist allerdings noch offen. (Judith von Sternburg)

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