Die Gäste bei Anne Will von links: Andreas Rödder (CDU), Frank Richter, Theologe, Volker Bouffier (CDU), Anne Will, Olaf Scholz (SPD) und Tina Hassel, Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios.
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Die Gäste bei Anne Will von links: Andreas Rödder (CDU), Frank Richter, Theologe, Volker Bouffier (CDU), Anne Will, Olaf Scholz (SPD) und Tina Hassel, Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios.

Anne Will, ARD

Neue Erkenntnisse? Fehlanzeige

  • vonMarlo Mintel
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Bei Anne Will diskutierten die Gäste über "Angeschlagen auf der Zielgeraden ? gelingt Schwarz-Rot der Neuanfang?".

„Angeschlagen auf der Zielgeraden – gelingt Schwarz-Rot der Neuanfang?“ Das wollte Anne Will in ihrer Sendung am Sonntagabend von ihren Gästen erfahren. Stunden zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Personalaufstellung für die CDU-Minister in einer möglichen neuen Großen Koalition bekanntgegeben. Anne Will hakte immer wieder bei ihren Gästen nach. Eine wirklich Antwort bekam sie auf die Frage nach dem Neuanfang aber nicht. Wie auch? Noch stehen nicht alle Ministerkandidaten in einer möglichen GroKo fest. So sprang die Debatte munter hin und her, der Talk blieb 60 Minuten lang zäh. Neue Erkenntnisse? Fehlanzeige.

Zunächst arbeiteten sich die Gäste an Merkels Kabinettsliste ab. Unter den sechs Ministern ist zum Unverständnis von Frank Richter, ehemaliger Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, kein Ostdeutscher dabei. „Das Signal, was von heute ausgegangen ist, lässt mich nicht erkennen, dass ostdeutsche spezielle Interessenlagen ausreichend gewürdigt sind“, kritisierte das ehemalige CDU-Mitglied.

Volker Bouffier sah das anders. Entscheidend sei nicht die Herkunft der Minister, sondern ihre Kompetenz, stellte der hessische CDU-Ministerpräsident klar. „Eine Kanzlerin muss ihre Regierung so zusammenstellen, dass sie möglichst gute Leute hat“, erklärte er. „Ich glaube, die Minister, die wir nun ausgewählt haben, sind eine sehr gute Mischung.“

Unter anderem holt Angela Merkel mit Jens Spahn, der Gesundheitsminister werden soll, einen einflussreichen Kritiker ins Kabinett. Für Tina Hassel ist das ein Zeichen, dass die Kanzlerin von ihrer bisherigen Strategie abweiche, Konkurrenten und Widersacher eher auf Distanz zu halten und Loyalität zu belohnen.

Annegret Kramp-Karrenbauer war heiß diskutierte Personalie

„Sie musste ihn berufen, um vor dem Parteitag den Druck aus der Debatte zu nehmen“, sagte die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios im Hinblick auf den Sonderparteitag der Christdemokraten am Montag. Mit den Vorschlägen sende Merkel „zwei Signale“. Zum einen, dass sie stark und souverän genug sei, „um in ihrem Sinne in die Erneuerung und die Programmdiskussion der CDU einzugreifen.“ Anderseits habe die Bundeskanzlerin so viel Autorität eingebüßt, „als dass sie Personalien wie Jens Spahn aufhalten kann“, sagte Hassel.

Eine weitere heiß diskutierte Personalie am Sonntagabend war die bisherige saarländische Ministerpräsidenten, Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie soll auf dem GroKo-Sonderparteitag am Montag zur neuen CDU-Generalsekretärin gewählt werden. Die Runde war sich einig: Mit ihr hat Angela Merkel eine gute Wahl getroffen. Ein „kluger Schritt“ sei die Berufung, erklärte Andreas Rödder, Historiker und CDU-Mitglied. Er sorgte sich an Sonntagabend sichtlich um seine Partei und holte zum Angriff aus.

Wortkarg: Hamburgs Noch-Bürgermeister Olaf Scholz

Die Partei habe in den vergangenen Jahren zu wenig über Themen wie die Flüchtlingspolitik, Energiewende oder Eurorettungspolitik diskutiert. „Die CDU braucht inhaltliche Debatten und thematische Offenheit“, forderte er. Zudem stehe der Satz von Kanzlerin Merkel, der Staat könne seine Grenzen nicht schützen, unwidersprochen im Raum. Die Kritik Rödders wollte Volker Bouffier so nicht stehen lassen. Der hessische Ministerpräsident fühlte sich von seinem Parteifreund provoziert. Endlich flammte so etwas wie Spannung auf. „Das geht so nicht, nach dem Motto, ich, der Professor, erklär mal, dass die alle Unsinn machen“, echauffierte sich Bouffier. Rödder konterte prompt: „Ich glaube nicht, dass die Parteien gut dran tun, die Bürger, die kritisch mitdenken, als Professoren aus Mainz abzutun.“ Ende der Spannung.

Ähnlich wortkarg, wie die Fußballspieler des HSV nach der Pleite im Nordderby am Sonnabend, präsentierte sich auch Hamburgs Noch-Bürgermeister Olaf Scholz. Der kommissarische SPD-Parteivorsitzende hatte einen entspannten Abend. Merkels Kabinettsliste wollte er nicht kommentieren. Völlig illusorisch erschienen hingegen seine Träumereien, die SPD werde bei der nächsten Bundestagswahl stärkste Partei. Und wie fiel seine Antwort auf die Frage des Abends, ob Schwarz-Rot ein Neuanfang gelinge? „Sie können und sie müssen das“, sagte Scholz lediglich dazu, um danach eine neue Debatte anzustoßen. 

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