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Sandra Maischberger sprach in ihrem Talk über Terror.
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Sandra Maischberger sprach in ihrem Talk über Terror.

Menschen bei Maischberger

"Neue Angst, alte Vorurteile?"

Bei Maischberger diskutierten zwei Journalisten, zwei Politiker, ein Experte und die Mutter eines IS-Kämpfers über Integration, Terror und Flüchtlinge. Viele Fragen wurden gestellt, wenige Antworten gegeben.

Von Andreas Ilsmann

Sandra Maischberger machte erwartungsgemäß auch in dieser Woche den islamistischen Terror und besonders seine Folgen für die Flüchtlingsdebatte in Deutschland zum Thema ihrer Talkshow. Zur Frage "Die aufgewühlte Republik - Neue Angst, alte Vorurteile? Wie stabil ist unser Gemeinwesen in diesen Tagen?" diskutierten als Gäste im Studio: Katrin Göring-Eckardt (Fraktionsvorsitzende B’90/Grüne), Jens Spahn (CDU-Staatssekretär), Jakob Augstein (Herausgeber der Wochenzeitung "Freitag"), Güner Balci (Autorin) und der Terrorexperte Peter Neumann aus London. Ein Mix aus Journalisten, Politikern und Experten, wie ihn der Zuschauer aus vielen TV-Diskussionsrunden kennt. Einzige Ausnahme: Filiz Celik, die ihren Sohn Gökhan an den Islamischen Staat (IS) verlor.

Bayrischer Gastfreundschaft

Zu Beginn der Sendung wurde gut zehn Minuten über ein Thema diskutiert, das in den vergangenen Tagen wohl vor allem Politiker und Journalisten beschäftigte hatte: Horst Seehofer liest Angela Merkel auf dem CSU-Parteitag öffentlich wegen ihrer Flüchtlingspolitik die Leviten. Jens Spahn sah darin keinen Höhepunkt bayrischer Gastfreundschaft. Katrin Göring-Eckardt dagegen nur den Höhepunkt des Streits in der Union, den das Land seit Wochen erlebe. Der Zuschauer blieb etwas ratlos zurück.

Die aktuelle Forderung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff nach einer Obergrenze für Flüchtlinge in Deutschland bildete den nächsten Diskussionspunkt. Jakob Augstein meinte, die Kanzlerin sei nur ehrlich, wenn sie keine Obergrenze nennen würde Er sah aber einen Machtverlust der Kanzlerin, wenn sich immer mehr CDU-Politiker öffentlich gegen sie stellten. CDU-Staatssekretär Spahn dagegen hielt die Debatte für müßig. Denn was solle die Konsequenz einer Obergrenze sein? Eine Frage, die sich viele Zuschauer sicher auch schon vor der Sendung gestellt hatten. Eine Antwort erhielten sie nicht.

Erst nach einer knappen halben Stunde wurden die Terroranschläge von Paris angesprochen und Terrorexperte Peter Neumann kam das erste Mal zu Wort. Nach seiner Ansicht gibt es keine Belege für eine massenhafte Einschleusung von IS-Terrorristen getarnt als Flüchtlinge. IS-Terroristen seien schon vorher in Europa gewesen.

Als letzter Talk-Gast stieg Güner Balci in die Diskussion ein. Sie wies auf das lange unterschätzte Problem des muslemischen Antisemitismus hin. Außerdem würden sich die Flüchtlinge in Communitys vor Ort sehr schnell integrieren. Das Wort Parallelgesellschaften vermied Balci allerdings.

Eindrucksvoll schilderte dann Filiz Celik ausführlich, wie sie mehrere Jahre um ihren Sohn Gökhan kämpfte. Er habe sich in Deutschland immer mehr radikalisiert und starb schließlich 2015 als IS-Kämpfer in Syrien. Sandra Maischberger fragte behutsam nach. Die übrigen Talkgäste hörten konzentriert und schweigend zu.

Einig waren sich alle Talk-Gäste darüber, dass Deutschland eine Art Leitkultur brauche. Unklar blieb, was diese genau beinhalten soll. Außerdem betonten Neumann, Augstein und Balci wie wichtig es sei, Präventionsarbeit zu leisten. Neumann forderte, mehr in den “Brandschutz? anstatt in die “Feuerwehr? zu investieren. Jugendliche die vermeintlich Gemeinschaft, Ordnung und Struktur beim IS suchten, könnte diese Werte in der deutschen Gesellschaft finden.

Sandra Maischberger dankte zum Ende der Sendung ihren Gästen. Viele Probleme seien aufgezeigt worden. So bleibt als Fazit nur an den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zu erinnern, der sein "Literarisches Quartett" im ZDF immer mit dem abgewandelten Bertolt-Brecht-Zitat beendete: "So sehen wir betroffen, den Vorhang zu und all Fragen offen."

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