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Es geht um alles: Jodie Comer als Klägerin Marguerite de Carrouges in „The Last Duel“.
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Es geht um alles: Jodie Comer als Klägerin Marguerite de Carrouges in „The Last Duel“.

Neu im Kino

Mittelalterlicher Thriller: „The Last Duel“ von Ridley Scott

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Ridley Scott ist mit seinem mittelalterlichen Drama „The Last Duel“ sein bester Film seit langem gelungen.

Frankfurt - Falls der 83-jährige Ridley Scott beabsichtigt hätte, mit diesem Epos seine Karriere zu beenden, hätte sich ein Kreis geschlossen: 1977 begann sie mit dem Kostümfilm „Die Duellisten“, in dem zwei verfeindete Offiziere über ihre zahlreichen Duelle hinweg fast zu Freunden werden. Es ist ein Kleinod des britischen Kinos, gleichermaßen klassisch wie modern und die Keimzelle zu Scotts späterem Markenzeichen, einer Art Autoren-Genre-Kino.

Immer größer wurden über die Jahre Scotts Visionen, aus den Duellisten (die richtiger „Duellanten“ heißen müssten) wurden zwischenzeitlich Gladiatoren und nun eben mittelalterliche Streithähne zu Ross: Mit der aus zahllosen Ritterfilmen vertrauten Szene eines höfischen Zweikampfs auf Leben und Tod bedient Scott schon in der ersten Szene von „The Last Duel“ wie ein Genremaler die Erwartung an ein Kolossalgemälde. Doch was sich dann über die nächsten zweieinhalb Stunden in Rückblenden erzählt, ist wie so oft bei diesem Regisseur ein entscheidendes Quäntchen anders.

„The Last Duel“ mit Matt Damon und Ben Affleck: Ridley Scott erzählt aus drei Perspektiven

Das Drehbuch, das die Hollywoodstars Ben Affleck und Matt Damon gemeinsam mit der New Yorker Autorenfilmerin Nicole Holofcener schrieben, verwendet die Methode von Akira Kurosawas Klassiker „Rashomon“: Erzählt nacheinander aus drei Perspektiven, steigert es in scheinbarer Wiederholung nur noch die Konzentration auf das Dilemma einer Wahrheitsfindung. Es ist ein mittelalterlicher Thriller, der sich mit modernen Mitteln in einem archaischen Rechtssystem einrichtet. Denn auch wenn das finale Duell einem aufwendig geführten höfischen Gerichtsverfahren folgt, ist es doch nichts anderes als ein Gottesurteil.

Matt Damon spielt Jean de Carrouges, einen rechtschaffenen Ritter, der von einem früheren Freund und aufstrebenden Lebemann systematisch ausgenutzt und herabgewürdigt wird. Adam Driver verleiht diesem Jacques Le Gris genau jene Mischung aus Charisma und Blendwerk, mit der sich offensichtlich im Mittelalter bereits so gut wie heute Eindruck schinden ließ. Wie biblische Plagen brechen die Intrigen des falschen Freundes über den Nobelmann herein, der Günstling des Königs erschleicht sich sogar den Großteil seines Besitzes. Zum Duell fordert ihn Jean de Carrouges jedoch erst, als sich ihm seine Frau Marguerite (Jodie Comer) offenbart: In Abwesenheit von Mann und Schwiegermutter sei Le Gris in ihr Haus eingedrungen und habe sie vergewaltigt.

RolleDarsteller:in
Jean de CarrougesMatt Damon
Jacques Le GrisAdam Driver 
Marguerite de CarrougesJodie Comer
Pierre d‘AlençonBen Affleck
Nicole de BuchardHarriet Walter
Robert de ThibouvilleNathaniel Parker

„The Last Duel“: Spitzfindiges Verfahren

Inspiriert vom letzten vom Pariser Parlament gerichtlich erlaubten Duell, 1386, erzählt der Film nun die Ereignisse aus der Perspektive aller drei Figuren. Meisterhaft zelebriert Scott dabei die Kunst der Variation und riskiert dabei, was Hollywood wohl am meisten fürchtet: Das Gespenst der Langeweile in der Wiederholung. Tatsächlich erreicht die Nuanciertheit feinster Varianten aber das genaue Gegenteil: Man verfolgt das Geschehen nur noch aufmerksamer, analysiert feinste Gesten und Blicke.

Der archaischen Urteilsfindung geht eine komplexe juristische Debatte voraus. Wenn der Beschuldigte bis zuletzt beteuert, der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich gewesen, beruft er sich auf Konventionen: Es sei einer Frau ihres Standes ja gar nicht erlaubt gewesen, Lust auszudrücken. Doch auch diese fatale Argumentation ist ohne Belang, wenn allein das Duell entscheidet. Auch für die Klägerin bedeutete eine Niederlage den Tod.

Vor allem die Versionen von Jacques und Marguerite unterscheiden sich deutlich voneinander, beginnend mit der Bewertung eines Eingangsgesprächs. Wer den Film im Original sieht, erlebt die Schauspieler, wie sie fließend deutsche Lyrik rezitieren.

„The Last Duel“

USA 2021. Regie: Ridley Scott. 152 Min.

„The Last Duel“: Ridley Scotts bester Film seit langer Zeit

Selten hat Ridley Scott in den letzten Jahren dem Kammerspiel den Vorzug vor den großen „set pieces“ gegeben. Hier hat er auch künstlerisch zurückgefunden zu einem lange vernachlässigten Feingefühl in der Inszenierung. In seinen besten Filmen, allen voran „Blade Runner“ und „Alien“, brauchte er den Vergleich zu Stanley Kubrick nicht zu scheuen. Dies ist sein bester Film seit langer Zeit. Dass es tatsächlich nicht sein letzter sein soll, ist erst recht eine gute Nachricht. Schon abgedreht der jüngste: das Mode- und Familiendrama „House of Gucci“. (Daniel Kothenschulte)

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