Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dave Chappelle in seinem Netflix-Comedy-Special „The Closer“.
+
Dave Chappelle in seinem Netflix-Comedy-Special „The Closer“.

Diskriminierung

Transphobes Comedy-Special von Dave Chappelle: Netflix-Angestellte planen Massenstreik

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
    schließen

Dave Chappelle macht in einem Netflix-Programm Witze über trans Menschen. Nun reagieren Angestellte des Streaming-Giganten.

Scotts Valley – Am 20. Oktober 2021 plant die interne Gruppe für trans Angestellte von Netflix einen unternehmensweiten Streik. Der Streik wird als Reaktion auf eine Erklärung von Co-CEO Ted Sarandos organisiert. Dieser hatte laut dem Online-Magazin The Verge das neue Netflix-Comedy-Programm „The Closer“ von Dave Chappelle verteidigt. Das Comedy-Special wurde wegen seines transphoben Inhalts vielfach kritisiert.

„Trans Leben sind wertvoll. Trans Rechte sind von Bedeutung. Und als Organisation hat Netflix bei unserer Mission, die Welt zu unterhalten, immer wieder keine große Sorgfalt walten lassen, indem sie wiederholt Inhalte veröffentlicht haben, die der Trans-Community schaden. Sie versäumen es, Inhalte zu erstellen, die trans Menschen repräsentieren und aufbauen“, schrieb eine der Vorsitzenden der Ressourcengruppe der trans Angestellten in einer internen Organisationsnachricht. „Wir können und müssen es besser machen!“

Netflix zeigt trans- und homophobes Comedy-Special von Dave Chapelle

In Chappelles neuester Show, die seit dem 5. Oktober 2021 auf Netflix zu sehen ist, macht der Comedian Witze über die Genitalien von trans Frauen. Des Weiteren verteidigt er den US-Rapper Da Baby, der im Juli 2021 auf einem Festival beleidigende Kommentare über Schwule und HIV-Infizierte abgegeben hatte. Außerdem stellt er sich hinter J.K. Rowling, die Autorin der „Harry Potter“-Bücher, die immer wieder durch transphobe Äußerungen auffällt. Chappelle erklärt sich als zugehörig zum „Team-TERF“.

„TERF“ ist eine Abkürzung und steht für „Trans-Exclusionary Radical Feminism“, zu deutsch „Trans-ausschließender radikaler Feminismus“. So werden Menschen bezeichnet, die transgeschlechtliche Personen, insbesondere trans Frauen, invalidieren, diskriminieren und Transidentität als solche infrage stellen oder ihre Existenz leugnen. TERFs lehnen es offen ab, trans Personen in ihrem gefühlten Geschlecht anzuerkennen und schieben als Grund dafür eine angeblich feministische Einstellung vor, um trans Frauen (die sie ja als „Männer“ wahrnehmen) vor dem Eindringen in geschützte Räume für Frauen abzuhalten.

Netflix-Co-CEO sieht keinen Hass in Chapelle-Special

Als Reaktion auf Chapelles Comedy-Special kündigte die trans Autorin und Showrunnerin von „Dear White People“ Jaclyn Moore am 7. Oktober 2021 ihren Job bei Netflix und erklärte auf Twitter: „Ich werde nicht mit ihnen zusammenarbeiten, solange sie weiterhin von transphoben Inhalten profitieren.“

Mehr als 8000 Menschen  haben inzwischen eine Petition von Change.org unterzeichnet, in der Netflix aufgefordert wird, Chappelles Special einzustellen. In der Petition wird erklärt: „Indem Netflix Dave Chappelle und seinen transphoben ‚Witzen‘ eine Plattform bietet, hält Netflix Gewalt und Feindseligkeit gegenüber Transgender-Menschen aufrecht.“

Als Reaktion darauf sagte Netflix-Co-CEO Ted Sarandos laut The Verge, dass „The Closer“ nicht fallen gelassen werde und fügte hinzu, dass Chappelles vorheriges Special, „Sticks & Stones“ von 2019,  das „bis jetzt meistgesehene, prägnanteste und preisgekrönteste Stand-up-Special“ des Streaminganbieters ist. „Einige haben auch gefragt, wo wir die Grenze zum Hass ziehen. Wir erlauben keine Titel auf Netflix, die Hass oder Gewalt anstacheln sollen und wir glauben nicht, dass ‚The Closer‘ diese Grenze überschreitet“, fügte Sarandos hinzu.

Netflix entlässt trans Mitarbeiterin nach Kritik am Unternehmen

Diese Aussage kam bei Netflix-Angestellten nicht gut an. Die Organisator:innen der Gruppe für trans Angestellte schrieben: „Als wir über Slack, E-Mail, Nachrichten und alles dazwischen gesprochen haben, hat uns unsere Führung gezeigt, dass sie sich nicht an die Werte halten, die sie von uns erwarten. Zwischen den zahlreichen E-Mails und Nicht-Antworten wurde uns ausdrücklich gesagt, dass wir die Nuancen bestimmter Inhalte irgendwie nicht verstehen können.“

Als bekannt wurde, dass ein Streik geplant ist, stellte Netflix die trans Mitarbeiterin Terra Field wieder ein, die suspendiert wurde, nachdem sie das Unternehmen dafür kritisiert hatte, Transphobie zu verbreiten und weil sie ohne Einladung an einem Meeting des Führungspersonals teilgenommen hatte.

Chappelles Comedy-Special „The Closer“ folgt auf sein Special „Sticks & Stones“ von 2019,  das auch schon transfeindliche Kommentare enthielt. Chappelle verdient laut Independent mindestens 20 Millionen US-Dollar pro Special. (Sonja Thomaser)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare