Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

In Sachen Coolness kann da kein Porsche mithalten: Idris Elba und Caleb McLaughlin hoch zu Pferd in „Concrete Cowboy“.
+
In Sachen Coolness kann da kein Porsche mithalten: Idris Elba und Caleb McLaughlin hoch zu Pferd in „Concrete Cowboy“.

TV-Kritik

Netflix: „Concrete Cowboy“ mit Idris Elba - Die Pferdeflüsterer

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
    schließen

Premiere auf Netflix: Das liebenswerte Jugenddrama „Concrete Cowboy“ führt ins Milieu urbaner afroamerikanischer Reitkultur.

Großstadtcowboys haben eine lange Geschichte im US-amerikanischen Kino und blieben doch Fremde, wo immer man sie antraf. Schon 1917 jagte John Ford in seinem lange verschollen geglaubten Stummfilm „Bucking Broadway“ eine Truppe fröhlich ballernder Reiter durch Manhattan. Ihm gelang ein ikonisches Bild einer kurzen Rückeroberung der amerikanischen Zivilisation durch ihre wahren Pioniere; doch nach einem glücklichen Rettungseinsatz für ein getrenntes Liebespaar verschwanden die Cowboys wieder dahin, wo sie hergekommen waren.

„Concrete Cowboy“, schon der Titel dieses US-amerikanischen Festivalfilms, der nun beim Streamingdienst Netflix Premiere hat, fügt sich in eine lange Reihe von Außenseitergeschichten: „Urban Cowboy“ mit John Travolta fällt einem ein, Sydney Pollacks „Der elektrische Reiter“ oder vielleicht auch der wohl pessimistischste Abgesang auf die Cowboy-Kultur, die Hollywood hervorbrachte, John Hustons Drama „Nicht gesellschaftsfähig“ über die Jagd nach Wildpferden für die Fleischproduktion. Zugleich aber erinnert er mit seiner afroamerikanischen Besetzung daran, dass all diese Außenseitergeschichten immer noch Geschichten von Weißen waren.

Zum Film

Concrete Cowboy. USA 2020. Regie: Ricky Staub. 111 Minuten.

Ganz so pessimistisch wie in diesen – wenn man so sagen darf – Vorreitern geht es in Ricky Staubs ungewöhnlicher Coming-of-Age-Geschichte nicht zu, auch wenn es für den Jugendlichen Cole (Caleb McLaughlin aus der Serie „Stranger Things“) am Anfang gar nicht gut aussieht. Wieder einmal ist der Junge wegen einer Schlägerei von der Schule zwangsbeurlaubt worden, und nun hat es seine alleinerziehende Mutter erstmal satt. Sie fährt ihn in einen heruntergekommenen Vorort von Philadelphia und setzt ihn vor der Bleibe des Vaters ab. Protestieren hilft wenig, auch wenn die verlotterte Bude kaum einladend wirkt.

Eine Attraktion aber hat sie neben dem Dosenbier und dem Schnittkäse im Kühlschrank: ein lebendiges Pferd steht da im Wohnzimmer, still und würdig. Da sich Coles Verhältnis zu seinem ruppigen, von Idris Elba gespielten Vater kaum einfacher gestaltet als das zur Mutter, wählt er als Schlafplatz erst einmal den Pferdestall.

„Concrete Cowboy“ auf Netflix: Eine Lücke wird gefüllt

Mit ihrer angeborenen Erhabenheit haben es Pferde immer wieder geschafft, auch noch in den einfachsten Western für große Bilder zu sorgen. Mit einer langen Großaufnahme des schönen Tiers führt Kamerafrau Minka-Farthing Kohl den Film sicher auf seinen „trail“: Wie viele Geschichten über das Heranwachsen haben sich schon an der besonderen Beziehung von Jugendlichen zu Pferden abgearbeitet, und auch dieser verirrt sich nicht auf fremde Pfade. Und doch füllt er gleichsam eine Lücke in der Filmgeschichte.

Ein Viertel aller Cowboys waren nach diversen Schätzungen Afroamerikaner, das klassische Hollywoodkino hat ihre Geschichte weißgewaschen. Nach dem 2011 erschienenen Roman „Ghetto Cowboy“ von Greg Neri führt Filmemacher Ricky Staub in die wenig bekannte Subkultur afroamerikanischer Reitclubs in Philadelphia. Einmal hervorgegangen aus dem Rückbau der Pferdearbeit in Verkehr oder Polizei, sind die meisten inzwischen untergegangen.

Dem verbliebenen Fletcher Street Horse Riding Club aber setzt Ricky Staub in „Concrete Cowboy“ ein Denkmal. In bewundernswerter Weise ist es ihm gelungen, die überaus konventionelle Geschichte einer Erwachsenwerdung mit semi-dokumentarischen Elementen zu verbinden, indem er tatsächliche Clubmitglieder als Nebendarsteller einsetzte.

Es ist jene Methode, die schon der italienische Neorealismus perfektionierte und die gerade durch einen der Oscar-Favoriten, nämlich „Nomadland“, wieder in aller Munde ist. Sieht man, wie bruchlos in diesem Film das Zusammenspiel von Profis und Laien gelingt, fragt man sich, warum hierzulande überhaupt über die Grenzen zwischen Dokumentar- und Spielfilm so erbittert gestritten wird.

Dabei ist es ja gar nicht zu verhindern, einen Film mit Wirklichkeit zu füllen. Wie es der Avantgardefilmer Jonas Mekas gerne sagte: Eine Kamera kann gar nicht anders, als Wirklichkeit aufzunehmen. Genau deshalb fürchtet sich das konventionelle Kino ja so sehr vor ihrem Eindringen.

John Ford konnte noch im Jahr 1917 seine Reiter tatsächlich über den Broadway schicken. Ein paar Jahr später hätte man dieselbe Szene vor einer Rückprojektion im Studio gedreht. Man kann nicht behaupten, dass das US-amerikanische Kino sich gerade neu erfindet, aber es werden mal wieder ein paar Karten neu gemischt. (Daniel Kothenschulte)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare