Keine Frau kann es geben, die Goldmund nicht zugetan ist.
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Keine Frau kann es geben, die Goldmund nicht zugetan ist.

„Narziss und Goldmund“

„Narziss und Goldmund“ im Kino: In Schönheit ertränkt

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Stefan Ruzowitzky hat Hermann Hesse in Schönfärberei ertränkt: „Narziss und Goldmund“ aus Leinwandepos.

Kaum ein Schriftsteller seines Ruhms wurde so selten verfilmt wie Hermann Hesse. Das mag er sich nicht anders gewünscht haben: Seine Missachtung gegenüber Leinwandadaptionen teilte er mit anderen Literaturnobelpreisträgern, zum Beispiel Ernest Hemingway. Doch während dieser selbst vorzügliche Verfilmungen verschmähte (zum Beispiel Frank Borzages „A Farewell to Arms“) gaben Hesse-Filme meist allen Ressentiments des Autors recht. Das war selten so wahr wie heute.

Stefan Ruzowitzky, Oscar-Preisträger für „Die Fälscher“ und Regisseur eines bedeutenden Dokumentarfilms über die Verbrechen der deutschen Wehrmacht – „Das radikal Böse“ – hat „Narziss und Goldmund“ verfilmt. Es wird keine einfache Produktion gewesen sein, fünf Jahre lang soll er das aufwendige Mittelalter-Drama vorbereitet und schließlich realisiert haben. Das Ergebnis ist vom ersten Moment an bestürzend: Augenblicklich hat man das Gefühl, Ruzowitzky wollte vor allem jenen Lausebengeln recht geben, die den Autor ihrer Schullektüre für einen Kitschbruder halten.

All die schönen Menschen

„Narziss und Goldmund“ ist wie das Klischee einer Hesse-Verfilmung: Äußerlichkeiten werden ausgebreitet, die irgendwelche Innerlichkeiten meinen. Jedes Bild des Mittelalterfilms sieht aus wie Werbung für ein Naturprodukt. Es gibt goldige Blumenwiesen und wattig-verschneite Berghänge, staubige Klostergänge und vor allem schöne Menschen. Zwei davon sind die bekannten Klosterschüler Narziss und Goldmund. Ersterer muss letzteren aus dem friedvollen Andachtsort vertreiben, denn er sei sonst nur ein „Vogel im Käfig“. Goldene Käfige freilich gibt es überall, der ganze Film ist nichts anderes als eine Schönfärberei.

Das heißt nicht, dass Jannis Niewöhner als Goldmund nicht in seinen zahlreichen motivierten und unmotivierten Nacktszenen eine Augenweide wäre. Doch auch Schönheit kann bekanntlich sehr schnell langweilen.

Der Film

Narziss und Goldmund.  Deutschland/Österreich 2019. Regie: Stefan Ruzowitzky. 118 Min.

So wie Ruzowitzky Goldmunds endlose Begegnungen mit ihm grundsätzlich zugetanen Frauen Revue passieren lässt, unterbrochen von regelmäßigen Folterakten auf Geheiß gehörnter Männer. Das erinnert an das Softporno-Kino der siebziger Jahre – nur ohne die Sexszenen.

Kein geringerer als Bildgestalter Benedict Neuenfels ist für die Schönfärberei verantwortlich; es sieht aus wie das Weihnachtsmärchen im ZDF. Einmal, der Held verabschiedet sich von einer verhüllten Schönheit zu Pferde, denkt man mit Wehmut an den tschechischen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Doch das ist reiner Zufall: Von der wachen Schönheit einer subtil überhöhenden Naturfotografie wollen Neuenfels und Ruzowitzky nichts wissen. Was sie sich wünschen ist die vollkommene Überästhetisierung nach schematischen Konzepten.

Die gruseligste Skulptur

Kitschiger als ihre eigene Fotografie wird es nur noch einmal: Da hat Goldmund, auf langer Wanderschaft zum Künstler gereift, sein Meisterstück geschaffen – einen Altar, als Hommage an die verlorene Mutter, dekoriert mit den Gefährtinnen seines mäandernden Liebeslebens – eine gruselige, völlig ahistorische Skulptur. Kaum vollendet, fällt der Altar der Eifersucht eines pyromanischen Klosterbruders zum Opfer. Man darf gespannt sein, ob dieser schleppend erzählte, oberflächlich gespielte, merkwürdig vertonte Film ein längeres Leben in den Kino hat.

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