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John Turturro (v.l.n.r.), Rupert Everett, Damian Hardung.

„Der Name der Rose“

„Der Name der Rose“: Lichtspiele im Wald

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Die Neuverfilmung von Umberto Ecos Mittelalterroman „Der Name der Rose“ schönt Dinge und Dialoge.

Erst ein Blick aufs Zeitkonto: „Der Name der Rose“, den Sie ab heute bei Sky 1 zu sehen bekommen und ab Mitte Juni als DVD erwerben können, besteht aus acht (sechs davon habe ich gesehen) Folgen à 50 Minuten, kostet Sie also sechseinhalb Stunden Ihrer Lebenszeit. Für richtige Serienjunkies ist das natürlich viel zu wenig. Jean-Jacques Annauds Verfilmung des Stoffes mit Sean Connery dauert nur 126 Minuten. Für Leute, die wirklich in einem Kriminalfall in einem mittelalterlichen Kloster versacken wollen, ist der Roman, für den Sie sicher mehr als zwanzig Stunden Lesezeit brauchen werden, noch immer die beste Lösung.

Der Regisseur der neuen Filmversion ist Giacomo Battiato. In den Hauptrollen sind John Turturro, Damian Hardung, und Rupert Everett zu sehen. Gute Schauspieler. Es könnte Spaß machen, ihnen zuzusehen. Die Serie soll in Italien, so berichtet Sky in seiner Pressemappe, ein großer Erfolg gewesen sein: „Sie wurde Primetime-Primus mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent für Rai in Italien.“ Jede der acht Folgen? 26 Millionen Euro soll die italienisch-deutsche Koproduktion gekostet haben.

Der Film erstickt in der Schönheit seiner Bilder

Man sieht das in jeder Einstellung. Opulenz ist angesagt, das Licht großartig, die Set-Designer konnten aus dem Vollen schöpfen, nach diesen Mönchskutten werden Boutiquen gestürmt werden. Ohne Erfolg fürchte ich. Soweit ist das Marketing noch nicht.

Den 1943 in Verona geborenen vielfach preisgekrönten Regisseur Giacomo Battiato kennen wir vor allem durch seinen Film: „Karol: Papst und Mensch“. Weniger bekannt ist sein Film „Resolution 819“, der sich mit den Ereignissen im Juli 1995 in Srebrenica beschäftigt, als die UN-Truppen zusahen, wie Ratko Mladic die muslimische Bevölkerung der Stadt massakrierte.

Ich schreibe das, um ein wenig hinauszuzögern, dass ich seine Verfilmung des Romans von Umberto Eco aus dem Jahre 1980 sterbenslangweilig finde. Der Film erstickt in der Schönheit seiner Bilder. Keine Waldaufnahme, bei der nicht das Licht durch die Zweige spielt, kein Blick auf eine Wange, der sie nicht feiert. Alles perfekt. Das ist schon schwer genug zu ertragen.

Hier kommt noch etwas anderes hinzu. Die Drehbuchautoren – einer davon war der Regisseur – legten großen Wert auf die Dialoge. Das wäre ganz wunderbar, denn die sind ja tatsächlich das Wichtigste am „Namen der Rose“. Aber sie sind doch nur erträglich, weil sie vergnüglich, weil sie ironisch sind. In diesem Film aber bestehen sie darin, dass die Protagonisten einander ihre Sätze bedeutungsschwanger wie die größten Weisheiten zuraunen. Mit einem Nachhall, der sie den Hörern einbläuen soll.

Dialoge werden zu Plattitüden

So las ich als Kind Stevensons „Schatzinsel“. Das ist doch prima, sagen Sie? Dann schauen Sie sich die Serie an. Sie werden begeistert sein. Was mich aber am „Namen der Rose“ begeistert, ist etwas ganz anderes. Da werden Szenen geliefert mal wie im Schauerroman, dann wieder stehen die Mönche herum und reden wie die Herrschaften in einem Krimi von Agatha Christie. Hinter allem immer wieder der Autor, der uns zublinzelt: Seht ihr, was ich alles hineingemischt habe in diesen Text? Wie selbst das Entlegenste zusammengebracht werden kann, wenn man kann?

Das war der Grund, warum man Ecos „Der Name der Rose“ als Meisterwerk der Postmoderne pries. Hier war alles erlaubt, weil alles nur Spielmaterial war. Der größte Kitsch, das hohlste Pathos, die ausschweifendste Geste, alles geht, wenn es als genau das vorgeführt wird, wenn es als Teil einer Inszenierung auftritt. Also dick auftragen und gleichzeitig die Komik dieses Ernstes zeigen. Wie in Bollywood-Filmen.

Der kluge Giacomo Battiato aber spielt hier den Dummen, den Gläubigen, der den Text völlig ironiefrei spielen lässt, als sei er eins zu eins gemeint. So killt er nicht nur den Roman, sondern dessen ganzes Programm. Er lässt die Suche nach der Wahrheit spielen, aber nicht das Spiel mit ihr.

Die Dialoge, die zu den funkelnden Schönheiten von „Der Name der Rose“ gehören, werden in dieser Serie zu einer kaum zu ertragenden Ansammlung aufgeblasener Plattitüden. In mühsamer Arbeit wurde dem vor Lachen und Leben berstenden Roman genau das ausgetrieben, um ein paar Herren tief unten im Dunkeln gründeln zu lassen über die Rätselhaftigkeit der Welt.

Aber die 30 Prozent Prime-Time-Marktanteil in Italien werden womöglich recht haben gegen einen Meckeropa, der sich von schönen Aufnahmen partout nicht den Kopf verdrehen lassen möchte.

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