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„Mut und Zivilcourage“

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Christian Friedel als Georg Elser.
Christian Friedel als Georg Elser. © Bernd Schuller

Regisseur Oliver Hirschbiegel spricht im Interview über den Film „Elser“, mit dem er das Leben jenes Mannes nachzeichnet, der mit einer selbstgebauten Bombe Adolf Hitler töten wollte.

Regisseur Oliver Hirschbiegel (57) zeichnet mit „Elser“ das Leben jenes Mannes nach, der die Weltgeschichte hätte verändern können. Nur 13 Minuten fehlten, damit die selbstgebaute Bombe des schwäbischen Schreiners am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller Adolf Hitler getötet hätte. Der Film über den 1945 hingerichteten Georg Elser läuft im Berlinale-Wettbewerb außer Konkurrenz. „Elser“ sei auch ein Stück über die Verantwortung jedes Einzelnen, wie Hirschbiegel im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagt.

Zehn Jahre nach „Der Untergang“ über die letzten Tage Adolf Hitlers erinnern Sie mit „Elser“ an den Hitler-Attentäter. Versuchen Sie damit einen anderen Zugang zum Thema Nationalsozialismus?
Ja, das kann man so sagen. Georg Elser hat mich immer fasziniert. Auf ihn bin ich in der Schulzeit gestoßen. Damals galt er als seltsamer Vogel, der sich in der Idee verrannt hatte, Hitler umzubringen.

Im „Untergang“ haben Sie einen monströsen Hitler gezeigt. Bei „Elser“ ist die Hauptfigur ein Einzelgänger aus dem Volk. Das ist ein ziemlicher Kontrast.
Das Geheimnis ist die Besetzung. Christian Friedel („Das weiße Band“) ist ein Ausnahmeschauspieler, auf einer Stufe mit Bruno Ganz. Er hat eine Energie und eine Präsenz, die extrem ungewöhnlich sind, ohne Aufwand oder Eitelkeit.

Die Figur Hitler kennen wir aus Dokumentarfilmen, von Elser gibt es kaum Bilder...
Ich hatte zu ihm eine Verbindung, wie sie etwa ein Schriftsteller zu seinen Figuren hat. Und es gibt Fotos. Und dann diese ungemein präzise und radikale Tat: Ein Jahr alleine eine Bombe zu konstruieren. Für den Film habe ich die Bombe nachbauen lassen. Und wenn man sieht, wie Elser aus sich heraus als Freidenker handelt, erfährt man sehr viel über einen solchen Menschen.

Kann man etwas von Elser lernen?
Mut und Zivilcourage. Elser spürt, dass der Nationalsozialismus in die Katastrophe führt. Das ist 1939 eine große Leistung. Das Volk ist wie im Taumel, die Nazis versprechen eine glorreiche Zukunft. Und dieser Mann steht auf und sagt: Da muss man was machen.

Er sagt einfach Stopp...
Im Verhör schreit er es fast heraus: „Seid Ihr denn alle wahnsinnig?“ Seine Einsicht gewinnt er aus einer emotionalen Intelligenz, die ihm angeboren ist. dpa

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