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Musik zum Fürchten

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Sucht den "Winner": Linda de Mol.
Sucht den "Winner": Linda de Mol. © dpa

Auch wenn man denken könnte, dass Casting- und Talentshows allmählich ihren Zenit überschritten haben, sind derlei Sendungen noch immer quicklebendig.  Linda de Mols Gesangssause „The Winner is…“ auf SAT.1 hat bereits das erste Viertelfinale hinter sich.

Von Michael G. Meyer

Wer jemals gedacht hat, bei all den Castingshows ginge es um tolle Stimmen und gute Songs, wird bei Linda de Mols „The Winner is…“ wieder einmal eines Besseren belehrt:  Was die verbliebenen 32 Kandidaten zu Gehör brachten, kann bestenfalls in einem mittelprächtigen Musical unterkommen – höchstens.  Es wurde halt der übliche Kram runtergesungen, der bei solchen Gelegenheiten immer gerne genommen wird: Ein bisschen Funk, Soul, gekreuzt mit Adele und Madonna – fertig sind zwei Stunden Show.

Für alle, die die Regeln von „The Winner is…“ nicht kennen: 101 anonyme Juroren, denen der Produzent Mousse T vorsitzt, entscheiden, wer rausfliegt.  Wer sich nicht dem Gespött der Jury aussetzen will, zieht vorher die Notbremse und geht mit 5000 Euro nach Hause – im Viertelfinale waren es sogar 10.000.   Wer durchhält bis ins Finale, dem oder der winken eine Million Euro. Das Ganze ist also eine Mischung aus Castingshow und „Wer wird Millionär?“.  

Längst vergessene Profis

Wer da nun in acht Kategorien aufgetreten ist, lohnt die Mühe nicht aufzuzählen, nur so viel:  Immerhin hat SAT1 längst vergessene Profis ausgegraben, wie etwa George McCrae, der sich nicht zu schade war, noch mal in den Ring zu steigen. Ist ja auch schon 67, der alte Herr – er hat aber offenbar seine besten Zeiten hinter sich.  („Rock your baby“… erinnern Sie sich?)  

Immerhin ist „The Winner is…“ schnell geschnitten, mit treibender Musik unterlegt und voller künstlicher Spannungsmomente, etwa wenn die Sänger und Sängerinnen sich entscheiden müssen, ob sie mit einer kleinen Summe Geldes nach Hause gehen oder durchhalten  bis zum Finale Ende Mai.  ( Der entscheidende Satz lautet: „Deal or no deal?“) Was da nicht alles inmitten künstlich erzeugter Gefühlswallung gesagt, beweint und was noch alles betrauert und gefreut wird – man kann der Show zumindest nicht vorwerfen, dass sie Zuschauer kalt ließe. 

Je jünger, desto schriller

Wenn bloß nicht diese furchtbare Musik wäre. Egal, ob in der Kategorie „Kinder“, „Gruppe“ oder „Familie“: je jünger, desto schriller die Stimmen – und alle vergessen am nächsten Tag.   Man mag das alte Zitat von Andy Warhol bemühen, dass jeder mal für 15 Minuten in seinem Leben berühmt sein will – und dank SAT.1 auch kann.  Um die Musik geht es dabei aber schon lange nicht mehr – und ging es eigentlich noch nie –, selbst in der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“, als Alexander Klaws vor zehn Jahren das Rennen machte.  Der ist heute erfolgreicher Musical-Star.  Zu irgendwas müssen diese Sendungen ja gut sein. 

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