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„Music Impossible – Mein Song, Dein Sound“ (ZDF): Spannender Seitenwechsel

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Von: Harald Keller

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Music Impossible
Von links: Rapper Eko Fresh, Moderator Tom Neuwirth und Schlagerstar Marianne Rosenberg im neuen Musikformat „Music Impossible“ © Michael Clemens/ZDF

In der neuen ZDF-Unterhaltungsreihe „Music Impossible – Mein Song, Dein Sound“ wagen sich bekannte Musikinterpreten auf ungewohntes Terrain.

Frankfurt – Ein Wort vorweg: Mit sofortiger Wirkung sollten alle Wortspiele und Wortspielversuche mit dem Titel der Sechziger-Jahr-Kultserie „Mission: Impossible“ kategorisch verboten werden. Ein für allemal. Bei Strafe.

Der dusselige Titel ist so ziemlich das Schlechteste an der neuen ZDF-Unterhaltungsreihe „Music Impossible – Mein Song, Dein Sound“. Neben dem elenden Sendeplatz am Freitag um 23:30 Uhr. Denn auch Lineargucker könnten sich bei diesem Angebot sehr wohl gut unterhalten fühlen.

Das Prinzip ist nicht ganz neu: Zwei Musiker oder Musikerinnen aus unterschiedlichen, möglichst entgegengesetzten Genres interpretieren einen eigenen Musiktitel im Stil des jeweils anderen. Wobei es nicht nur gilt, Arrangements und Gesangsstil anzupassen, sondern auch den eigenen Text beizubehalten beziehungsweise maßgerecht umzuformulieren.

„Music Impossible – Mein Song, Dein Sound“ im ZDF: Am Anfang steht der Zweifel

Gerade damit haben die Protagonisten der Premierensendung einige Schwierigkeiten. Der Rapper Eko Fresh soll, den Song hat er selbst gewählt, seinen folkloristisch instrumentierten Hit „Quotentürke“ im Stil von Marianne Rosenberg interpretieren. Gemeint ist der Stil, mit dem sie bekannt geworden ist, denn die Sängerin, Komponistin und Produzentin war im Laufe ihrer über fünfzigjährigen Karriere immer offen für andere Stilarten, hat Pop-, Chanson- und Jazzalben eingespielt. Eko Fresh also bekommt von Gastgeber Tom Neuwirth, vielen vermutlich besser in Erinnerung als ESC-Gewinner Conchita Wurst, Rosenbergs Hit „Er gehört zu mir“ zugeteilt.

Umgekehrt muss sich Rosenberg mit Freshs „König von Deutschland“ anfreunden. Ihre erste Reaktion ist Skepsis: „Rap ist nicht so meine Schuhgröße.“ Sie äußert ihren Respekt: „Diese Art des Sprechgesangs, das darf man nicht unterschätzen, ist eine Kunst.“

Wissenswertes aus dem Aufnahmestudio

Später wird sie zugeben, dass sie zeitweilig ans Aufgeben dachte. Woran sich ablesen lässt, dass die Beteiligten ihre Aufgaben ernst nehmen. In diesem Punkt zeigt sich ein gravierender Unterschied zum entfernt verwandten niederländischen Format „Beste Zangers“, das in Deutschland von Vox unter dem Titel „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ adaptiert wurde. In „Music Impossible“ wird ausführlich dokumentiert, wie die Kandidaten ihre Aufgabe bewältigen. Das Publikum erfährt so einiges über die Persönlichkeit und die Arbeitshaltung der Musiker, aber auch über die Musik selbst.

Beide gehen die Arbeit im Tonstudio ernsthaft, analytisch und reflektierend an. Fresh etwa verweist auf die hochwertige Produktion von Rosenbergs „Er gehört zu mir“, bei der sie von einem Orchester mit betontem Streichersatz begleitet wurde – deutscher Schlager mit einem Anklang von Phillysound und einer Portion Disco-Groove. Eine Mischung, die ihr zu einer treuen Fangemeinde in der Queer-Gemeinde verhalf. Auch darüber wird in der Sendung gesprochen.

Einige pfiffige DJs kamen auf die Idee, Rosenbergs Singles statt mit 45 Umdrehungen pro Minute im Langspielplattentempo mit 33 Umdrehungen abzuspielen. Resultat: Rosenbergs hohe Stimme klang nun wie ein effeminiertes männliches Organ. Und aus flotten Tanzrhythmen wurden Schmusesongs.

„Music Impossible – Mein Song, Dein Sound“ im ZDF: Live-Gesang vor Publikum

Marianne Rosenberg, die ihren Titel „Hallo, mein Freund“ auf Freshs „König von Deutschland“ zuschneiden soll, hat anfangs Schwierigkeiten mit dem Thema Rap, findet dann aber Zugang über den Text. Sie hört Eko das Wort „Chabo“ (auch „chawo“) rappen, Romanes für „Junge“. Es wird die Basis für ihren eigenen Text.

Der Moderator Tom Neuwirth begleitet die beiden bei den Vorbereitungen, versucht sich selbst – glücklos – als Rapper, erteilt Eko Fresh – deutlich erfolgreicher – Gesangsunterricht. Fresh weiß um seine Schwächen und holt sich auch noch einen Musiker der Kölner Mundartband Brings zur Unterstützung ins Studio.

„Music Impossible – Mein Song, Dein Sound“

Ab 2. September 2022, 23.30 Uhr, ZDF, und in der ZDF-Mediathek.

Tom Neuwirth eröffnet das Finale mit seinem Elektropop-Song „Paris“. Dann singen und rappen die beiden Kandidaten live vor Publikum. Spannende Momente nicht nur für die Zuschauerschaft. Beide bekennen sympathischerweise ihr Lampenfieber. Keine billige Anbiederung. Man merkt es ihnen an.

Am 9. September wird die Reihe fortgesetzt. Dann stellen sich Metal-Ikone Doro Pesch und Pop-Kollege Mike Singer der Herausforderung. Auch das könnte sehr unterhaltsam werden. (Harald Keller)

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