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Münster-Tatort „Propheteus“ im Ersten – Wer ist denn hier außerirdisch?

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Von: Sylvia Staude

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Thiel, Klemm und Boerne diskutieren mit Metzger Kayser (l.). Foto: Thomas Kost/WDR/Bavaria Fiction GmbH
Thiel, Klemm und Boerne diskutieren mit Metzger Kayser (l.). © WDR/Bavaria Fiction GmbH/Thomas

Der Hund namens Banane: „Propheteus“ ist ein durchdacht überkandidelter Münster-Tatort. Ein Scherz geht auf Kosten der Hessinnen und Hessen

Als der Thielsche Satz fällt „Es war eine völlig normale Mordermittlung“ – da hat die Zuschauerin bereits begriffen, dass es sich auch für die gewohnheitsmäßig unnormalen Verhältnisse eines Münster-Tatorts nicht um eine völlig normale Mordermittlung gehandelt haben kann. Nämlich: Professor Karl-Friedrich Boerne trägt ein Hawaiihemd (!), hat ein blaues Auge und ist auf der Flucht (bekreuzigt sich in der Kirche aber noch ordentlich, so viel Anstand muss sein).

Ein Hund namens Banane frisst mit Begeisterung Bananen. Ein Mann nimmt Kommissar Thiel und Staatsanwältin Klemm als Geiseln – ausgerechnet Staatsanwältin Klemm, die zum Frühstück, darauf wollen wir wetten, zehn Zigaretten und elf Verbrecher verspeist. Boerne mischt sich ein. Und dann mischen sich auch noch Herr Muster und Frau Mann vom Verfassungsschutz ein. Aber sind sie tatsächlich vom Verfassungsschutz – oder nicht vielleicht … Außerirdische?

Münster-Tatort in der ARD: „Propheteus“ geht auf der Kegelbahn in die Vollen

Erstmals verantworten Astrid Ströher, Buch, und Sven Halfar, Regie, einen Tatort, dies im Jubiläumsjahr des Münster-Tatorts, der jetzt zwanzig ist. Und weil einige Szenen in einer Kegelbahn spielen, sei gleich gesagt: Die beiden räumen in diesen 90 Minuten ziemlich viele Kegel ab.

Sie machen sich mit Witz, doppeltem Boden und einer schönen Unbekümmertheit her über Verschwörungstheoretiker und -innen. Solche von der Art, die an die heimliche Herrschaft von Reptiloiden auf der Erde glauben (diese „Theorie“ gehört zum Irrsinns-Repertoire von QAnon, etwa 17 Prozent der US-Amerikaner und -innen glauben an seine Aussagen. Aber das nur nebenbei). Der „Prophet“, mit dem es Thiel und Boerne zu tun bekommen, nutzt einen Messengerdienst namens, hihi, „Bla“, um vor der „außerirdischen Besatzungsmacht“ zu warnen.

Münster-Tatort „Propheteus“ in der ARD: Durchdachte und fesche Folge

Andererseits: was ist nun mit den etwas seltsam und, nun ja, irgendwie blass, irgendwie geklont aussehenden Muster und Mann (Melanie und Daniela Reichert), was mit dem kleinen Hund, der so rätselhaft an allen Orten von Relevanz auftaucht? Alle glauben, er gehört zu Thiel, der weist das schlecht gelaunt von sich. Muss am Ende aber zugeben, er war gewissermaßen hilfreich, der Hund, der auf den Namen Banane hört.

Eine wirklich fesche Folge hat man dem beliebtesten aller Tatort-Duos, Axel Prahl und Jan Josef Liefers, der Pathologin „Alberich“ und der Staatsanwältin, Silke Haller und Mechthild Großmann, dazu „Vadder“ Thiel, Claus D. Clausnitzer, und Assistent Mirko, Björn Meyer, auf die Figur geschrieben. Eine überkandidelte, aber durchdacht überkandidelte Folge.

Schauspieler:inRolle
Axel PrahlFrank Thiel
Jan Josef LiefersProf. Karl-Friedrich Boerne\t
ChrisTine UrspruchSilke Haller
Mechthild GroßmannStaatsanwältin Klemm\t
Björn MeyerMirko Schrader\t
Claus D. ClausnitzerHerbert Thiel\t
Matthias KommUdo Kayser\t

Münster-Tatort „Propheteus“ in der ARD: Mysteriöse Chips und Eifersucht

Um was es nun eigentlich geht? Um die „Wunder des Universums“ (Boerne), einen „harmlosen Spaß“ (eine Verdächtige), aus dem Ruder gelaufen, oder doch die „asozialen Medien“ (der Geiselnehmer und metzgernde Niedriglöhner Kayser, Matthias Komm)? Um mysteriöse Chips im Nacken? Um einen Fall von Eifersucht? Ein Da-Vinci-Rätsel? Und was soll „Sisundus“ sein, wenn es doch, falls Lateinisch, Sisuntus heißen müsste? Natürlich ist es Professor Boerne, der auf die Lösung kommt. Aber Achtung, dieser Scherz geht auf Kosten der Hessinnen und Hessen.

Und was hat es nun mit der „völlig normalen Mordermittlung“ auf sich? Es wird halt erst einmal ein Toter gefunden, Programmierer, kaufsüchtig, sonst unauffällig. Und ja, er war „überall beliebt“, was sonst. Verständlich, dass Thiel davon ausgeht, er könne einfach seine Arbeit machen. Obwohl, nach zwanzig Jahren auf diesem Job könnte er es schon auch besser wissen. (Sylvia Staude)

„Tatort: Propheteus“: ARD, So., 20.15 Uhr.

Zuletzt feierte der ARD-Tatort aus Münster seinen 20. Geburtstag.

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