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Wie bekommt man einen kalten Fisch zu fassen? Die Kommissarin und der Psycho. BR/Provobis/H. Heiden
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Wie bekommt man einen kalten Fisch zu fassen?

Sonntagskrimi in der ARD

Polizeiruf 110 von Dominik Graf: Die Kommissarin und der Psychopath

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Im neuen München-Polizeiruf „Bis Mitternacht“ tickt ganz klassisch die Uhr – bis Mitternacht muss ein Geständnis her.

Frankfurt - So viele fröhliche, feiernde, sich abbusselnde junge Menschen. Nach anderthalb Jahren Pandemie zuckt man erst einmal zusammen, aber sie ist hier nicht das Thema. Vielmehr das Leben, die Liebe, wie schön. „Die schaun alle aus, als wenn sie frisch verliebt wären“, sagt eine Stimme aus dem Off. Dann: „Die schaun glücklich aus.“

Es ist die Stimme von Verena Altenberger, die als Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff in der Tatort-und-Polizeiruf-Sommerpause flugs zur Kriminaloberkommissarin bei der Münchner Mordkommission befördert wurde. Im Juni suchte sie noch nach „Frau Schrödingers Katze“, es war ein etwas vertändelter „Polizeiruf 110“ in der ARD; jetzt bekommt sie gleich einen knallharten Fall, geknackt werden muss er „Bis Mitternacht“.

Im ARD-Polizeiruf 110 „Bis Mitternacht“ ticken die Minuten weg

Und da sitzt er auch schon, der knallharte Fall, der intelligente Psychopath heißt Jonas. Er sagt wenig, sagt nur Dinge wie: „Meine Beziehungen zu Frauen sind ganz normal.“ Stimmt halt bloß nicht, da sind sich Bessie Eyckhoff und ihre Kollegen sicher, da ist sich auch die Zuschauerin, der Zuschauer ziemlich sicher.

Tobias Kniebe, Buch, und Dominik Graf, Regie, haben einen von den Krimis gedreht, in denen es nicht mehr darum geht, den Mörder zu finden, sondern dieser nur noch überführt bzw. zu einem Geständnis gebracht werden muss. Aber was heißt „nur noch“: Wenn Jonas Borutta bis Mitternacht nicht gesteht, wird man ihn laufen lassen müssen, da die Beweise nicht ausreichen. Die Minuten klicken weg, wer würde sich da nicht nervös machen lassen?

Die „Frau Kommissarin“ (Jonas, charmant) schlägt sich gut, aber nach Meinung ihres Chefs nicht gut genug – beziehungsweise nicht schnell genug gut genug. So entscheidet er, den ehemaligen Leiter der Mordkommission, gerade in einer Art Trauerurlaub, zurückzuholen; Josef Murnauer saß dem blassen und kalten jungen Mann vor Jahren schon gegenüber, musste ihn gehen lassen.

RolleDarsteller:in
Elisabeth von Eykhoff\tVerena Altenberger
Josef Murnauer\tMichael Roll
Jonas Borutta\tThomas Schubert
Wolfi Hader\tDaniel Christensen
Hansi Dorfmeister\tRobert Sigl
Bernhard Schmelzer\tThomas Wittmann
Martin Schaub\tChristian Baumann

„Polizeiruf 110: Bis Mitternacht“ (ARD): Dominik Graf hält den Faden straff

Michael Roll spielt diesen Ermittler, Regisseur Graf zeigt ihn als verlorenen alten Mann, rumsitzend im Hotel, in dem seine Tochter arbeitet. Dann aber als einen, der Erfahrung mitbringt, der darum Ruhe reinbringen kann. Murnauer und Eyckhoff raufen sich zusammen, es kommt zu dem, was gerade als Triell Furore macht, in der Variante zwei gegen einen.

Dominik Graf hält den Faden straff (die Minuten ticken), setzt die Kabbeleien zwischen der Ermittlerin und den Ermittlern als retardierendes Element ein: Dafür ist doch nun wirklich keine Zeit, denkt man. Murnauer möchte in ein gemütliches Büro wechseln, der Atmosphäre wegen. Borutta seine Beruhigungstabletten, die er im Stundenabstand zu nehmen scheint wie Drops. Er besteht auf einer Entschuldigung (man gibt ihm leider einen Grund, sehen Sie selbst). Er kennt seine Rechte.

Zur Sendung

„Polizeiruf 110: Bis Mitternacht“: ARD, So., 20.15 Uhr.

Und immer sind die anderen schuld – auch im ARD-Polizeiruf „Bis Mitternacht“

Thomas Schubert ist Jonas Borutta, ist ein Zimperlicher, Zappeliger, aber gefühllos bis ins Mark. Und immer sind die anderen schuld. „Die Frauen wollen sowieso nur, dass man normal ist“ – dies sagt er, als sei das ein ganz unbilliger Wunsch. Niemand nimmt ihn wahr, keine sieht ihn. Man nennt jemanden wie ihn heute Incel.

Was als Duell beginnt, als reines Kammer- beziehungsweise Verhörraum-Spiel, öffnet sich für andere Themen, ohne dass es forciert wirkt. Etwa für das Thema: ehrgeizige junge Frau unter Männern. Oder das der Polizeigewalt. Oder umgekehrt des Frustes der Polizei über das, was sie Tag für Tag im Dienst der Gesellschaft „aufräumen“ muss. Das ist eine ganze Menge für 90 Minuten. (Sylvia Staude)

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