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Kommissar Mehmet Özakin (Erol Sander) als Privatermittler in Griechenland.
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Kommissar Mehmet Özakin (Erol Sander) als Privatermittler in Griechenland.

TV-Kritik

„Mordkommission Istanbul: Entscheidung in Athen“ (ARD) – Abschied von Erol Sander

  • Tilmann P. Gangloff
    vonTilmann P. Gangloff
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Nach 13 Jahren endet die ARD-Reihe mit Erol Sander als türkischem Kommissar. Zum Abschied mit einem spannenden Thriller aus Athen.

Weil deutsche Produktionsfirmen aus naheliegenden Gründen schon seit einiger Zeit nicht mehr in der Türkei drehen wollen, ermittelt Mehmet Özakin (Erol Sander) für die ARD bereits zum zweiten Mal in Folge im Ausland; sein erstes Auswärtsspiel hatte ihn 2018 nach Asien geführt. „Einsatz ihn Thailand“ war ein über 180 Minuten spannender Thriller, in dem sich der Istanbuler Kommissar mit gleich zwei Gangsterbanden anlegte.

„Entscheidung in Athen“ (20.15 Uhr, ARD) ist sogar noch besser: Gerade noch hat Özakin die Scheidungspapiere seiner zukünftigen Exfrau bekommen, da meldet sie sich mit einem Notruf. Sevim (Idil Üner) hält sich gemeinsam mit ihrem neuen Freund und dessen Tochter in Athen auf. Teenager Clara (Alexandra Kolaiti) ist beim Einkaufsbummel spurlos verschwunden; und Steffen, der Vater des Mädchens, ein investigativer Journalist, reagiert nicht auf Sevims Anrufe.

Erol Sander als Kommissar Mehmet Özakin in „Mordkommission Istanbul: Entscheidung in Athen“ (ARD)

Während die einheimische Polizei das alles für harmlos hält, braucht Özakin nicht lange, um rauszufinden, dass Clara entführt worden ist. Eigentlich haben es die Gangster jedoch auf Steffen (Michael Rotschopf) abgesehen. Einziger Anhaltspunkt für dessen Recherchen ist eine Straßenkarte, auf der mehrere Strände markiert sind. Der Kommissar ahnt, dass der Journalist an einer großen Sache dran war. Schließlich findet er Sevims Freund schwer verletzt in einem Krankenhaus. Er leidet unter einer partiellen Amnesie, weiß aber noch, dass es um Dokumente geht, die den mächtigen Bauunternehmer Tsanidis (Yorgos Glastras) belasten.

Im mittleren Drittel von „Mordkommission Istanbul: Entscheidung in Athen“ kommt es zu einem kurzzeitigen Spannungsabriss, aber der Schlussakt ist umso packender. Dafür sorgt vor allem die mit griechischen Elementen durchsetzte Musik: Komponist Alex Komlew hat zuletzt schon die „Sarah Kohr“-Episode „Schutzbefohlen“ auf ein höheres Thriller-Level gehoben. Auf ähnlichem Niveau bewegt sich die Bildgestaltung (Aljoscha Hennig) des ARD-Thrillers. Regisseur Ismail Şahin, als Schauspieler 2008 in einer kleinen Rolle auch am ersten „Mordkommission Istanbul“-Film beteiligt („Der Tote in der Zisterne“), hat 2014 mit seinem ungewöhnlichen Regiedebüt „Nicht schon wieder Rudi“ auf sich aufmerksam gemacht.

RolleDarsteller:in
Mehmet ÖzakinErol Sander
Sevim ÖzakinIdil Üner
SteffenMichael Rotschopf
HektorYiannis Niarros
Deimos TzanidisYorgos Glastras
Sofia Boutaris\tAntigoni Fryda
ZagorakisAris Troupakis
SamarasGiannis Eglezos
ClaraAlexandra Kolaiti

„Mordkommission Istanbul: Entscheidung in Athen“ (ARD): Facettenreiches Wechselspiel

Der auch mit Hilfe des Schnitts (Peter Kirschbaum) zwischendurch sehr flott erzählte Film ist so gut geworden, dass sich selbst über die übliche Schwäche der deutschen Auslandsproduktionen hinweghören lässt: Außer den Hauptfiguren sind sämtliche Sprechrollen in „Mordkommission Istanbul: Entscheidung in Athen“ mit Einheimischen besetzt worden, und deren Synchronisation hat schlicht kein Kinoformat.

Immerhin sind die wichtigsten männlichen Mitwirkenden interessante Typen: Yorgos Glastras ist angemessen janusköpfig als Baulöwe aus einfachen Verhältnissen, der ein großes Herz für die kleinen Leute hat, aber nicht nur im übertragenen Sinn über Leichen geht, um seine Pläne durchzusetzen. Yiannis Niarros ist als Özakins Helfer für die gelegentlichen heiteren Momente zuständig und initiiert am Ende den Beginn einer griechisch-türkischen Freundschaft; die Ressentiments zwischen den beiden Ländern sind ebenso Thema des Drehbuchs wie die in Griechenland nach wie vor sehr präsenten Folgen der Finanzkrise.

ARD-Thriller: „Mordkommission Istanbul: Entscheidung in Athen“ - ein facettenreiches Wechselspiel

Ohnehin ist den Autoren Stefan Kuhlmann und Claus Stirzenbecher mi „Mordkommission Istanbul: Entscheidung in Athen“ ein facettenreiches Wechselspiel gelungen, und das nicht nur, weil sie die Entführung in einen größeren politischen Zusammenhang betten. Auch emotional ist der ARD-Film fesselnd: Steffen muss ausgerechnet dem wildfremden Ex seiner Freundin das Leben seiner Tochter anvertrauen; und natürlich liebt Özakin seine Frau nach wie vor.

Andererseits erinnern kurze Einschübe mit Clara daran, dass es um mehr als nur eine große Story geht. Spannungssteigernde Maßnahmen, etwa eine Flucht des Mädchens, haben zur Folge, dass der Film bis auf den Durchhänger im Mitteldrittel stetig fesselt.

Zur Sendung

„Mordkommission Istanbul: Entscheidung in Athen“, 29.5., ARD, 20.15 Uhr.

Özakins 23. Fall ist würdiger Abschluss der Reihe „Mordkommission Istanbul“ (ARD)

Die Musik bleibt ohnehin hochklassig, die agile Kamera ist viel in Bewegung, aber stets auf elegante Weise, und die Drohnenaufnahmen sind keine Spielerei, sondern sinnvoll eingesetzt. Ein kleines Kunstwerk ist eine Szene, in der ein TV-Interview Steffens Gedächtnis auf die Sprünge hilft und seine Wahrnehmung des Monitors in ein ganz ähnliches Bild übergeht, als er durch ein Fenster Zeuge eines Mordes wurde. Im Unterschied zu anderen Auslandsproduktionen der Degeto gerät „Entscheidung in Athen“ zudem nie in den Verdacht, Tourismusfernsehen mit anderen Mitteln zu sein, und so ist Özakins 23. Fall ein würdiger Abschluss der Reihe. Die Degeto hat bereits 2019 bekannt gegeben, dass sie eingestellt wird, allerdings ausnahmsweise nicht aus Quotengründen: Man kann „Mordkommission Istanbul“ nicht gut dauernd im Ausland spielen lassen. (Tilmann P. Gangloff)

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