1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

„Moonfall“ im Kino: Roland Emmerichs Mondfahrt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Kothenschulte

Kommentare

Ein Mann und eine Frau laufen in Astronauten-Anzügen ohne Helm durch eine kleine Halle.
Roland Emmerichs neuer Science-Fiction-Film „Moonfall“ läuft im Kino. Unter anderem mit dabei: John Bradley-West und Halle Berry auf irrsinnig wichtiger Mission. © Reiner Bajo/dpa

Roland Emmerich hat es wieder getan: In seinem neuen Katastrophen-Film „Moonfall“ droht der Mond, auf die Erde zu stürzen. Warum der Film ein „No Brainer“ ist.

Vielleicht ist der Mond ja wirklich nur ein Luftballon, wie der Schauspieler David Niven aus Großbritannien seine Autobiografie betitelte. Was er damit sagen wollte: Hollywood kann uns alles glauben machen. Vielleicht ist der Mond ja auch aus Cheddar-Käse, wie in einem Wallace-und-Gromit-Trickfilm.

Oder ein Konstrukt von Außerirdischen und von innen hohl, wie recht früh in Roland Emmerichs Film „Moonfall“ spekuliert wird. Warum nicht, im Kino ist schließlich alles möglich. Wenn man es denn möglich macht. Genau das ist das Problem dieses Science-Fiction-Films aus den USA, der gleich von Beginn an wie der Himmelskörper in seinem Mittelpunkt auf die schiefe Bahn gerät.

Roland Emmerichs Science-Fiction-Katastrophen-Film: Kann „Moonfall“ überzeugen?

Diese Bahn ist gleichwohl nach bewährten Mustern angelegt. Emmerich, der seinen besten Film, „Das Arche-Noah-Prinzip“, als Student drehte, bastelt noch immer gerne etwas, nur damit es am Ende schön kaputt geht. Ein Weltuntergangs-Szenario zeigte erst kürzlich der neue Netflix-Film „Don‘t look up“, in dem ein Asteroid auf die Erde zusteuert – und sich zwangsläufig die Frage stellt: Könnten die Menschen solch einen „Planeten-Killer“überleben?

TitelMoonfall
RegieRoland Emmerich
GenreScience-Fiction-Katastrophenfilm
Länge130 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
HauptdarstellerHalle Berry, Patrick Wilson, John Bradley-West

Das kindliche Staunen über solche Szenarien bebildert Roland Emmerich mit Helden, die große Kinder sind. Hier ist es Patrick Wilson als Astronauten-Ass, das unglücklicherweise in der Vorgeschichte des Films anno 2011 bei der Nasa in Ungnade gefallen ist. Eine unbegründete Verhaltensklage in der Vorzeit von #MeToo muss es gewesen sein, so etwas kann ja passieren.

Was dem Ganzen aber einen etwas unangenehmen Beigeschmack gibt: Ausgerechnet die Frau, deren Aussage ihn damals zu Fall brachte, ist in der Zwischenzeit in die Top-Riege der Weltraumbehörde aufgestiegen. So mögen sich chauvinistische Jungs weibliche Karrieren in Männerdomänen erklären.

Katastrophen-Film „Moonfall“ von Roland Emmerich: Der Mond fällt vom Himmel

Immerhin verleiht Halle Berry dieser Figur eine imponierende Geradlinigkeit, an der platte Klischees förmlich abzurutschen scheinen. Natürlich werden sich beide im letzten Akt zum buchstäblichen Himmelsfahrtkommando in einem Spaceshuttle wiederfinden.

Die heimliche Hauptfigur ist der Dritte im Bunde, ein von John Bradley-West gespielter, dicklicher Supernerd. Seinen Berechnungen ist überhaupt die Warnung zu verdanken, dass da ein Mond vom Himmel fällt. Und da die Erde nicht einen Satz zur Seite machen kann, muss man eben etwas mit dem Mond anstellen.

Das wiederum klingt alles andere als unmöglich, wenn man sich einmal mit der verwegenen Theorie des jungen Mannes angefreundet hat: Sollte der Sehnsuchtsort ganzer Künstlerlegionen wirklich ein von Außerirdischen gesteuerter Hohlkörper sein? Bewohnt von künstlichen Intelligenzen?

„Moonfall“: Teils fragwürdige Dialoge in Roland Emmerichs Katastrophen-Film

Nun gibt es künstliche Intelligenz, aber es gibt auch echte Dummheit. Viele Dialoge in diesem Film sind von einer Qualität, für die man selbst in Hollywoods ärmsten B-Film-Studios der dreißiger Jahre den Autoren die Tür gewiesen hätte („Willst du mir sagen, dass der Mond die größte Täuschung der Menschheitsgeschichte ist?“).

Bis es freilich zu deren Aufdeckung kommt, müssen reichlich irdische Probleme gelöst werden. Schließlich handelt es sich wie meist bei Emmerich um einen Katastrophenfilm, ein Genre das auf Romane wie „Die letzten Tage von Pompeji“ zurückgeht. In diesem Fall sind die irdischen Probleme zwei Ehescheidungen und der fehlgeleitete Teenagersohn des Astronauten, der sich Tage vor dem Start wegen eines Autodiebstahls hinter Gitter gebracht hat.

Katastrophen-Film „Moonfall“ von Roland Emmerich: Finale im Inneren des Mondes

Noch bevor der Film abhebt, sammelt er auf seinen Nebenschauplätzen also eine Menge literarischen Weltraum-Schrott an. All diese Dinge, die man im Leben so schnell vergisst, wenn wegen des Mondes die Gezeiten verrückt spielen. Und die einem dann todsicher wieder einfallen, wenn der Keller wieder trocken ist.

Wie David Niven suggerierte, kann uns Hollywood die unglaublichsten Dinge plausibel erscheinen lassen. Hier ist es umgekehrt: Man muss diesen Film gesehen haben, um ihn zu glauben. Und das bereitet wirklich durchaus Vergnügen. Fans sprechen liebevoll von „No-Brainern“, wenn von Emmerichs Blockbustern die Rede ist. Hier hat er sich selbst übertroffen, weniger Hirn war nie.

Doch die Naivität des Ganzen besitzt eine rauschhafte Wirkung, insbesondere wenn es zum Finale ins Innere des Mondes geht. Man muss nicht gleich von der „Erhabenheit im Lächerlichen“ sprechen, wie der Filmkritiker des „New Yorker“ im Bemühen, sich gegen die Flut von Verrissen zu stellen. Aber es wäre auch ungerecht, den Regisseur dafür gleich auf den Mond zu schießen.

Ende vergangenen Jahres stand Hollywood aus einem anderen Grund als Filme im öffentlichen Fokus: Ein drohender Streik brachte die Filmbranche mit Disney & Co. unter Zugzwang. (Daniel Kothenschulte)

Auch interessant

Kommentare