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Wollen sich dem Kampf gegen die chemisch veränderte Natur stellen: Hund und Herrchen.
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Wollen sich dem Kampf gegen die chemisch veränderte Natur stellen: Hund und Herrchen.

Streaming

„Monster Problems“ auf Netflix: Die Liebe in den Zeiten der Apokalypse

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Vielleicht hat die Post-Apokalypse doch ihre guten Seiten. Der hinreißende Genrefilm „Monster Problems“ ist jetzt auf Netflix.

Los Gatos - In Pandemie-Zeiten darf man das natürlich nicht laut sagen. Aber hat man sich einmal mit ihr arrangiert, gewinnt vielleicht sogar die Post-Apokalypse ein paar gute Seiten. Fraglos tut sie das für die riesigen Insekten, die in diesem Film mit dem schönen Originaltitel „Love and Monsters“ die Erde bevölkern. Und auch der erzählende Protagonist Joel Dawson, gespielt von Dylan O’Brien aus der Maze-Runner-Trilogie, verdankt seiner Bunker-Perspektive immerhin eine gewisse Gelassenheit: „Ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich schockiert war, als es passierte. Wir haben immer gedacht, es könnte passieren, und dann kam es halt so.“

Hinter dem „es“ verbirgt sich wenigstens keine atomare Verstrahlung, wie sie vielen früheren Film-apokalypsen die Aussicht auf ein Hollywood-Ende unmöglich machte. Zur Abwehr eines Meteoriten verwendeten Wissenschaftler, wie wir erfahren, chemische Geschosse, deren Niederschlag auf der Erde skurrile Monster hervorbrachte. Es hätte auch schlimmer kommen können.

Zum Film

Monster Problems. Kanada/USA 2020. Regie: Michael Matthews. 109 Min. Auf Netflix.

Wer erinnert sich noch an Stanley Kramers pessimistisches Melodram „Das letzte Ufer“, das im Jahre 1959 die Stars Gregory Peck und Ava Gardner den letzten Tagen der Menschheit wenigstens eine allerletzte Romanze abtrotzen ließ? Lustvoller gingen damals die Monsterfilme mit den insgesamt schlechten Aussichten um. Wissenschaftliche oder militärische Pannen ließen in „Taruntala“ und „Formicula“ Spinnen und Insekten zu Riesengeschöpfen anwachsen.

„Monster Problems“ auf Netflix: Eigentlich steht die Liebe an erster Stelle

Beide Triebkräfte dieser klassischen Genrefilme, die Romantik und den Grusel, verwebt der junge südafrikanische Filmemacher Michael Matthews auf die lustvollste Weise, die man sich vorstellen kann. Ein Jammer, dass sich Netflix, wo der Film heute seine deutsche Erstaufführung feiert, für den launigen „deutschen“ Titel „Monster Problems“ entschieden hat. Denn die Liebe steht für Matthews nicht umsonst an erster Stelle.

Nach sieben Jahren in einer mit allerlei Nippes verschönerten Höhlen-WG entschließt sich Joel, sich ans Tageslicht zu wagen. Endlich möchte er seine Highschool-Liebschaft Aimee (Jessica Henwick) wiedersehen, die sich zig Kilometer entfernt in eine andere Enklave gerettet hat. Dass er noch nie mit seiner primitiven Armbrust ins Schwarze getroffen hat, stürzt seine Gefährten in tiefe Sorge. Unmöglich, so scheint es, dass er es an den riesigen Geschöpfen vorbei schafft, die eine idyllisch renaturierte Erdoberfläche unsicher machen.

„Monster Problems“ auf Netflix bietet beeindruckene Monster

Die wahre Liebe des Filmtitels gehört den Monstern. Es gibt einen gigantischen Frosch mit klebriger Zunge, der sich wie ein moosbewachsener Felsen aus einem Tümpel erhebt. Noch eindrucksvoller ist eine schleimige Riesenschnecke, wie sie schon Doktor Doolittle gekannt haben könnte. Die Figuren sind so kunstvoll entworfen, als hätte Tim Burton einen Muppets-Film nach Zeichnungen von Alfred Kubin ausgestattet.

Allen Monstern gemeinsam sind ihre putzigen Knopfaugen, in die mutig hineinzuschauen sich als beste Waffe erweist. Die visuellen Effekte entstanden überwiegend mit analogen Mitteln – und haben dem Film schon eine Oscar-Nominierung eingetragen.

Die Entwürfe des Ausstatters Dan Hennah kann man auch als Zeichnungen im Film bewundern: Nach seinen bestandenen Zweikämpfen verewigt Joel die Monster in einem herrlichen Skizzenbuch. Neben den vielen handgemachten Effekten verweisen auch diese Zeichnungen auf eine dem Genrekino weithin verloren gegangene Einfachheit. Mit einem Aufwand von nur 30 Millionen Dollar kostete der Film ein Zehntel manch großen Blockbusters.

Schockeffekte und komplexe Romantik

Das Skizzenbuch des Helden erinnert an die Animationsfilmserie „Drachenzähmen leicht gemacht“. Aber ein reines Kindervergnügen ist das Ganze wiederum nicht, auch wenn es die lustvolle Unschuld der Kreaturen mit Ishiro Hondas Godzilla-Filmen aufnehmen kann. Dafür sind die Schockeffekte (bei aller Harmlosigkeit) dann doch zu punktgenau montiert. Und die Romantik zu komplex: Denn wer hätte wirklich geglaubt, man könne seine Jugendliebe durch märchenhafte Tapferkeit allein zurückgewinnen? Wahrscheinlich sind das die „Monster Problems“, die der deutsche Titel-Dichter im Sinn hatte.

Für gewöhnlich bedarf es keiner großen Kennerschaft, in einer Filmkritik über ein Genre zu sinnieren. Der Monsterfilm allerdings ist inzwischen fast so selten geworden wie seine mythologischen Vorbilder. Wenn es einmal ein Exemplar gibt, das es ohne jede Herablassung versteht, unschuldiges Staunen zu wecken, so ist das eine absolute Rarität. „Love and Monsters“, das statt eines großen Kinoeinsatzes nun lediglich als Stream Premiere auf Netflix feiert, ist eines der filmischen Opfer dieser Pandemie. Aber auch ein herrlicher Trost. (Daniel Kothenschulte)

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