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"Haben die nichts Besseres zu tun?" Nein, 1969 stand ganz im Zeichen der Mondlandung.

Arte-Dokumentation

Robert Stone blickt zurück auf das historische Umfeld der Mondlandung 

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Wegen der bemannten Mondlandung am 20. Juli 1969 und wegen des auf dem Planeten weiträumig etablierten Dezimalsystems ist das Jahr 2019 ein Mond-Jahr.

Robert Stones Dokumentation blickt zurück auf den „großen Schritt für die Menschheit“, wie Mondbetreter Neil Armstrong formulierte, und seine historischen Kontexte: Proteste gegen den Vietnamkrieg, Systemkonkurrenz zwischen Moskau und Washington, Kalter Krieg und daraus motivierter Wettlauf in die nähere astronomische Umgebung. 

„Disgusting“, sagt eine Frau in dem Film und fragt dann: Haben die nichts Besseres zu tun? Die National Aeronautics and Space Administration, abgekürzt NASA, hatte nach John F. Kennedys großem Versprechen vom 25. Mai 1961 reichlich Mittel zur Verfügung: 23,9 Milliarden, nach heutigen Maßstäben ungefähr 150 Milliarden Dollar, und 400.000 Menschen auf der Gehaltsliste, unter ihnen der berüchtigte Raketenbauer Wernher von Braun. Für die sonst recht utilitaristisch gestimmten Vereinigten Staaten ein gigantischer Aufwand für ein Projekt ohne größeren wirtschaftlichen Nutzen. 

Mondlandung der USA: Riesiger Imagegewinn

Stone zeigt immerhin, dass das Ergebnis gleichwohl erstens enorme technologische Folgen hatte, zweitens einen riesigen Gewinn für das internationale Image der USA brachte und drittens eine Art Initialzündung für die heutige Computer-Industrie zur Folge hatte, die wiederum für die USA danach von geradezu unüberschaubarer ökonomischer Bedeutung war. Das war allerdings zur Zeit des Apollo-Programms noch nicht absehbar und auch nicht beabsichtigt. 

Die Eroberung des Mondes,  18.7., 20.15, arte, Video verfügbar bis 13.9.2019

Der Start der Saturn-5-Rakete zum Mond war ein enormes Massen-Ereignis: eine Million Menschen tummelten sich angeblich in Sichtweite des Startplatzes. Ein Vierteljahr später kamen gerade mal halb so viele Menschen bei dem legendären Open-Air-Festival in Woodstock zusammen. Die Mondlandung selbst war für die meisten Menschen vor allem ein internationales Medienereignis. Wenn auch nicht unbedingt ein Fernseh-Ereignis, denn das Meiste, was in die Welt ausgestrahlt wurde, waren Hörfunk-Kommentare. 

Vieles von dem, was im Fernsehen zu sehen war, bestand keineswegs aus live-Bildern aus Apollo 11 und vom Mond, sondern aus vorab gedrehten Filmen. So kam nicht ganz zufällig auch die Verschwörungs-Theorie in die Welt, nach der die Mondlandung ohnehin in der Wüste von Nevada gedreht wurde und in der Realität nie stattgefunden habe. 1969 war also nicht nur das Mondlande-Jahr, sondern auch etwas wie das Geburtsjahr des sich ausbreitenden Topos der fake news.

50 Jahre Mondlandung im TV: Alle Sendungen im Fernsehen und im Live-Stream

Mondlandung von „Apollo 11“: Schnelllebiges Medienereignis

Und lieferte zudem einen präzisen Blick auf die Schnelligkeit, mit der Medienereignisse ihren Sensations-Gehalt einbüßen: die Apollo-Missionen nach der Mondlandung interessierten kaum noch jemanden. Man hatte dann doch wieder Wichtigeres zu tun. Stones Film dokumentiert, neben zeitgeschichtlichen Begleitumständen des Apollo-Programms, auch das enorme Pathos, mit dem man in den USA nach der geglückten Mondlandung und Rückkehr der Helden auf den Heimatplaneten unterwegs war. 

Nixon redet davon, dass der Himmel (und er verwendet dabei das spirituell konnotierte Wort „heaven“, nicht den profanen „sky“) nun Teil der Menschenwelt geworden sei, und Astronaut Armstrong schwärmt von der Anmut des Planeten Erde („schöne Oase“) und spricht etwas unmotiviert vom wünschenswerten Frieden auf Erden. Dem hat uns das Apollo-Programm leider keinen Millimeter näher gebracht.

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