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Julia von Heinz, Filmregisseurin. Foto: Imagespace/ZUMA Wire/dpa

Oscar

Mit sicherem Fehlgriff

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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„Und morgen die ganze Welt“ ist im Rennen für den Auslands-Oscar.

Die Oscars machen alle zu Propheten. Auch wer sich keine Fußballwette zutraut, glaubt doch oft genau zu wissen, wer bei den Oscars Chancen hat. Einmal im Jahr trifft sich in München eine Jury, um im Auftrag der Exportvereinigung „German Films“ zu entscheiden, welcher deutsche Film ins Oscar-Rennen geschickt wird – als Bewerber für die Nominierung zum Besten nicht-englischsprachigen Film. Zuletzt gewann dort 2007 „Das Leben der anderen“.

Nun ist die Wahl allerdings wieder einmal mit sicherem Griff auf einen höchstwahrscheinlich chancenlosen Film gefallen. Und einen denkbar kunstfernen noch dazu: „Und morgen die ganze Welt“, Julia von Heinz’ klischee-verliebte Coming-of-Age-Geschichte einer jungen Studentin aus reichem Hause, die sich in die linksautonome Szene verirrt. Schon beim vergangenen Filmfestival in Venedig erntete die unverhoffte Wettbewerbsteilnahme des Pseudo-Politdramas überwiegend Kopfschütteln – und auch bei den Preisen keinen Blumentopf. Warum sollte es ausgerechnet bei den Oscars anders sein?

Gewiss, man kann argumentieren, dass die Academy selten künstlerische Meisterwerke aus Deutschland nominiert, eher schon Filme mit Bezug zur Geschichte. Das würde erklären, warum die Wahl nicht auf Christian Petzolds Kritiker- und Publikumsliebling „Undine“ fiel. Oder warum Burhan Qurbanis Neuverfilmung von „Berlin Alexanderplatz“ vielleicht zu experimentell anmutete. Auch Oskar Roehlers Fassbinder-Biopic „Enfant Terrible“ ist eher etwas für Cannes – das es ja auch auswählte – als für die Oscars. Und wer das Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ auf die Vorschlagsliste hievte, wird wohl auch selbst noch nicht am Broadway gewesen.

Eine Kandidatin hätte es aber gegeben, der auch in Hollywood immerhin die nötige Aufmerksamkeit sicher gewesen wäre: Caroline Link. Die Oscar-Gewinnerin („Nirgendwo in Afrika“) hatte sich mit „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ beworben. Es gibt nicht viele Kinderfilme über die Naziherrschaft und diese liebevolle, aufwendige Judith-Kerr-Verfilmung füllt fraglos eine Lücke. Das hätte etwas werden können.

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