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Jürgen Todenhöfer weiß, wovon er spricht: Er war zehn Tage lang Gast des sogenannten "Islamischen Staats".
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Jürgen Todenhöfer weiß, wovon er spricht: Er war zehn Tage lang Gast des sogenannten "Islamischen Staats".

Günther Jauch

"Mit IS-Kämpfern kann man nicht reden"

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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Bei Günther Jauch erzählt der Publizist Jürgen Todenhöfer von seinen Gesprächen mit IS-Kämpfern und macht Vorschläge zur Verbesserung der Lage. Stefen Aust warnt davor, die Terroristen mit der RAF zu vergleichen.

Frankreich hat den Ausnahmezustand um drei Monate verlängert, in Belgien beginnen Razzien nach weiteren Terroristen – und in Deutschland sitzt die Sonntagabendrunde bei Günther Jauch, der die Frage gestellt hat, wie groß die Terrorgefahr bei uns ist.

Es ist die gefühlt 624. Fernsehrunde zu dem Thema. Und nicht uninteressante Leute sitzen bei ihm: Stefan Aust, einst Spiegel-Chefredakteur, Joachim Herrmann, der bayerische Innenminister, WDR-Chefredakteurin Sonia S. Mikisch und Jürgen Todenhöfer, Publizist, lange Jahre CDU-Bundestagsabgeordneter und zehn Tage lang Hospitant bei den IS-Mördern.

Aust erzählt dann, dass man den IS-Terrorismus nicht mit dem der RAF vergleichen kann, die einen legten vor 40 Jahren gezielt bundesdeutsche Führungsfiguren, die anderen gezielt alle um, die ihnen vor die Kalaschnikow kommen.

Todenhöfer steuert bei, alles sei eine Folge des Kolonialismus, eine kaum haltbare These. Die IS-Kämpfer seien alle gehirngewaschen, er habe ihnen stundenlang zugehört, mit ihnen könne man nicht reden, Deutschland sei bei weitem nicht so bedroht wie Frankreich. Und, man sollte es auch nicht vergessen: Auf deutschem Boden starb seit 1990 noch nie ein Bundesbürger durch die Hände eines Islamisten, aber es gab 180 Tote durch Rechtsextremisten.

Es geht um die „Gefährder“ in Deutschland, 426 seien es, steuert ein Experte bei. Natürlich seien die nicht alle im Blick zu halten. Die Szene werde noch wachsen. Es geht um den Flüchtlingsstrom, den man eigentlich nicht mit dem Terrorthema „vermanschen“ sollte, wie Frau Mikisch meint, was Aust aber dennoch tut, weil man die Gefahr nicht kleinreden dürfe. Natürlich seien offene Grenzen ein Sicherheitsriskio.  Er glaube nun mal nicht an die „Pazifizierung durch Grenzübertritt“.

Jauch unternimmt den unnützen Versuch, aus der Runde herauszubekommen, was Innenminister Thomas de Maiziere geritten haben könnte, als er nach dem abgesagten Hannover-Spiel von Dingen raunte, welche die Bevölkerung beunruhigen könnten. Unnütz deshalb, weil der Satz mehr als eine Woche lang ergebnislos in Talkrunden klein gekaut wurde. Die Runde steigt dankenswerter Weise nicht darauf ein.

Todenhöfer: Waffenverkäufe stoppen

Wie groß nun – Frage der Sendung - die Terrorgefahr in Deutschland wirklich ist, lässt sich natürlich nicht beantworten. Und was zu tun sei, eigentlich noch weniger. Bodentruppen bringen nichts, so Todenhöfer. Sie wären genau das, was sich der IS wünsche, die große Schlacht.

Vielleicht, so Todenhöfer, wäre es besser, Waffenverkäufe nach Saudi-Arabien stoppen, die türkische Grenze zum IS-Gebiet dicht machen und die unterdrückten Sunniten im Irak und in Syrien integrieren. Das deutsche Sympathisantenumfeld der Islamisten austrocknen, Prävention, meinen Aust und Mikisch. Wahrscheinlich ist das alles richtig und noch viel mehr und am besten sofort, und dringend nötig sowieso.

Frau Mikisch trägt noch die Erkenntnis bei, man müsse auch mit den „bösen Buben“ reden, mit dem türkischen Staatschef Erdogan, Russlands Präsident Putin, „Ukraine, hin oder her“,  und Syriens Restmachthaber Assad. Ein „graues, mieses Geschäft“,  so sei die Realpolitik, leider. Verderblich und widerlich, aber nun ja. Es ist, wie es ist.

Und das ist sie dann vielleicht, die Erkenntnis des Abends: Da sind wir gerade angekommen in Deutschland, bei der grauen, miesen Realpolitik, ganz im Sinne Helmut Schmidts, der das Geschäft nie anders betrieben hat, stocknüchtern und kühl,  und der am heutigen Montag in Hamburg beigesetzt wird. Der moralische Zeigefinger ist eingeklappt in diesen aufwühlenden Tagen, Politiker mit Visionen haben gerade nicht einmal die Zeit, den Arzt aufzusuchen, wie Schmidt einst empfahl.

Es seien Zeiten, in denen weniger gesagt und mehr getan werden müsse, meint Frau Mikisch. Auch ein Wort. Jauch macht dankenswerter Weise den Anfang. Seine nächste ARD-Talkshow ist seine letzte.

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