BÄRENMARKE

Milch & Herz

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Tiere werden in den Film-Beiträgen der Berlinale nicht nur freundlich gemolken.

Tiere spielen auch in diesem Jahr wieder eine zentrale Rolle bei der Berlinale. Einer Ziege etwa verdankt sich der überraschendste Akt weiblicher Emanzipation, der je in einem Film zu sehen war. „Schwarze Milch“ heißt der Film von Uisenma Borchu, und er spielt in der Mongolei, unter Nomaden, wo Schlachten Männersache ist. Aber der Mann einer der Heldinnen ist ein Nichtsnutz. Er trinkt lieber mit seinen Freunden als zu Hause anzupacken. Und so setzt seine Frau, angestachelt von ihrer Schwester, selbst das Messer an, macht einen kleinen Schlitz in den Bauch des Tiers, greift mit der Hand hinein in diesen Körper und reißt die Aorta aus dem Herzen. So schlachtet man in diesen Breiten, und es geht schnell, wirkt sogar friedlich.

Im Abspann, wo sonst erklärt wird, dass bei den Dreharbeiten kein Tier zu Schaden gekommen ist, heißt es hier, die Szenen seien dokumentarisch. Soll heißen, die Tiere wurden ohnehin geschlachtet, in der Wirklichkeit der mongolischen Steppe braucht man so etwas nicht zu inszenieren.

Es wird auch viel gemolken in der Mongolei, aber längst nicht so hingebungsvoll wie im Wettbewerbsfilm „First Cow“. Dieser grandiose Western (s. FR v. 24.2.) spielt im rauen Oregon des 19. Jahrhunderts, und die Kuh ist so fremd hier, wie all die Glückssucher. Von weither herbeigeschafft hat sie ein englischer Snob, der seinen Afternoon Tea gern mit Milch trinkt. Gemolken wird sie des Nachts verbotenerweise auch von Cookie. Wenn er nach ein wenig freundlichem Small Talk während des Akts den Kopf an ihre Flanke lehnt und seine Finger rhythmisch die Zitzen massieren, fühlt man die Erotik des Melkens. Die Milch ist nicht schwarz, aber gestohlen.

Nur noch Tiere dann in „Gunda“ vom russischen Dokumentarfilmer Victor Kossakovsky. Kühe werden nicht gemolken, man sieht ihnen zu. Produziert hat ihn der Veganer Joaquin Phoenix, der erst vor ein paar Tagen wieder ein Kalb aus einem Schlachthaus getragen hat. Es fällt kein Wort, und doch ist der Film ein einziger Appell. Wer hiernach nicht mindestens zum Vegetarier wird, hat ein Herz aus Stein.

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