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Unverdrossene Helden sind mit Sicherheit auch gute Ehemänner: Ed Skrein mit Mandy Moore in „Midway“.

„Midway“

„Midway“ im Kino: Krieg als Spiel in Emmerichs naivem Blockbuster

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Mit seinem oberflächlichen Kriegsfilm „Midway“ will Regisseur Roland Emmerich nicht nur den US- Kampfpiloten ein Denkmal setzen.

Dieser Film ist den an der Schlacht um Midway beteiligten amerikanischen und japanischen Marinesoldaten gewidmet. Die See erinnert sich der ihren.“ Mit diesen eingeblendeten Zeilen beendet Roland Emmerich seinen Kriegsfilm um die Seeschlacht vom Juni 1942 und erklärt ihn damit auch zu einem Denkmal.

Menschenopfer eines fanatischen Patriotismus

Wie man sich diesen Heldenmut auf beiden Seiten vorstellen soll, zeigt er zum Beispiel in dieser Szene: Ein japanisches Kampfflugzeug schießt im Sturzflug auf einen amerikanischen Flugzeugträger im Südpazifik herab. „Er macht sich selbst zur Bombe!“, ruft ein junger amerikanischer Pilot entsetzt, der in seiner Ausbildung offensichtlich noch nichts von Kamikazefliegern gehört hat.

Tatsächlich wurden diese Selbstmordgeschwader ja auch erst 1944 offiziell Teil der japanischen Kriegsführung. Es wäre für Emmerich also leicht zu vermeiden gewesen, auch den Kamikaze-Fliegern einen Platz in seinem Kriegerdenkmal einzurichten, und gerade deshalb muss man annehmen: Emmerich wollte auch die Menschenopfer eines fanatischen Patriotismus ehren.

In „Midway“ stürzen US-Piloten sich in den Kampf

Todesmutig springt in der Szene sofort ein US-Pilot ins Cockpit seiner geparkten Maschine und feuert was das Zeug hält auf den Angreifer. Wenige Sekunden bleiben ihm dafür, bis der Feind wie eine tote Fliege gerade noch den Rand des Deckes streift und ins Wasser rutscht.

Die Belohnung lässt nicht lange auf sich warten: „Das war das mutigste, was ich in meinem Leben gesehen habe“, lobt der Kommandeur und befördert den jungen Helden. Dem anonymen Japaner, der seinem menschenverachtenden Regime bis in den Suizid dient, wird wenigstens posthum die Ehre von Emmerichs Schlusswort zuteil.

Kinostarts am 7.11.2019

„Lara“: Sieben Jahre nach seinem  grandiosen Kleinod „Oh Boy“ enttäuscht Lars-Ole Gerstner mit diesem Berliner Künstler-Melodram auf hohem Niveau. Corinna Harfouch brilliert als dominante Mutter  eines Konzertpianisten in einem hoch stilisierten, aber letztlich blutleeren Drama. (D 2019)
„Lara“: Sieben Jahre nach seinem  grandiosen Kleinod „Oh Boy“ enttäuscht Lars-Ole Gerstner mit diesem Berliner Künstler-Melodram auf hohem Niveau. Corinna Harfouch brilliert als dominante Mutter  eines Konzertpianisten in einem hoch stilisierten, aber letztlich blutleeren Drama. (D 2019) © Verleih
2040 – Wir retten die Welt: Ein utopischer Essayfilm über mögliche Auswege aus den globalen Menschheitskrisen, adressiert an die vierjährige Tochter des Filmemachers. Etwas ältere Zuschauer werden in den mit Wohlfühlmusik unterlegten bunten Bildern allerdings drängende politische Lösungen zur Umverteilung vermissen. (Regie: Damon Gameau, Australien 2018)
2040 – Wir retten die Welt: Ein utopischer Essayfilm über mögliche Auswege aus den globalen Menschheitskrisen, adressiert an die vierjährige Tochter des Filmemachers. Etwas ältere Zuschauer werden in den mit Wohlfühlmusik unterlegten bunten Bildern allerdings drängende politische Lösungen zur Umverteilung vermissen. (Regie: Damon Gameau, Australien 2018) © Verleih
The Report: Ein ebenso packender wie inhaltlich komplexer Thriller um US-amerikanische Foltermethoden nach dem 11. September 2001. Der stets verlässliche Adam Driver spielt Daniel Jones, der als Senatsmitarbeiter einen Report über die sadistischen Praktiken erstellt – CIA und Weißes Haus wollen das unter Verschluss halten. (Regie: Scott Z. Burns, USA 2019)
The Report: Ein ebenso packender wie inhaltlich komplexer Thriller um US-amerikanische Foltermethoden nach dem 11. September 2001. Der stets verlässliche Adam Driver spielt Daniel Jones, der als Senatsmitarbeiter einen Report über die sadistischen Praktiken erstellt – CIA und Weißes Haus wollen das unter Verschluss halten. (Regie: Scott Z. Burns, USA 2019) © Verleih
Es hätte schlimmer kommen können – Mario Adorf: Der große deutsche Charakterdarsteller bereist in diesem Porträtfilm einige zentrale Orte seines Lebens, vor allem natürlich sein geliebtes Rom. Eine große neue Kinorolle wäre natürlich etwas interessanter als diese Doku im Fernsehstil. (Regie: Dominik Wessely, D 2019)
Es hätte schlimmer kommen können – Mario Adorf: Der große deutsche Charakterdarsteller bereist in diesem Porträtfilm einige zentrale Orte seines Lebens, vor allem natürlich sein geliebtes Rom. Eine große neue Kinorolle wäre natürlich etwas interessanter als diese Doku im Fernsehstil. (Regie: Dominik Wessely, D 2019) © Verleih

Die politischen Hintergründe des Zweiten Weltkriegs spielen in seinem Film keine Rolle, die Motivation der amerikanischen Kriegsteilnahme wird auf die Vergeltung für den Angriff auf Pearl Harbor reduziert. Immer wieder entfährt es einem der jungen Piloten nach einem geglückten Bombenabwurf: „Das ist für Pearl.“

„Midway“: Keine Heldentat bleibt unerkannt

Dazu passt die Ästhetik: Der über weite Strecken digital animierte Film übernimmt in den Luftkämpfen die subjektive Perspektive moderner Ego-Shooter-Games. Die als technisch überlegen geltenden japanischen Kampfflugzeuge, die Zero-Fighter – der Animationsfilmer Hayao Miyazaki erzählte ihre Geschichte in seinem letzten Film „Wenn der Wind sich hebt“ – schwirren wie Insekten in einem Monsterfilm.

Aber Emmerichs Film sieht nicht nur aus wie ein Computerspiel, auch das eingebaute Belohnungssystem ähnelt der interaktiven Konkurrenz. Keine Heldentat bleibt unerkannt: Wann immer es etwas Heroisches zu vermelden gibt, quittiert es ein vorgesetzter Offizier mit einem verbindlich-anerkennenden Zug um die Mundwinkel: Alle Achtung, was diese jungen Flieger so drauf haben. Es ist wie in einem militärischen Rekrutierungsfilm: Nicht Politiker oder Militärstrategen entscheiden über den Verlauf der Weltgeschichte, sondern Männer an den Waffen: „Wenn wir diesen Krieg einmal gewinnen sollten, dann wegen Leuten wie Dick Best“, lobt einer der alten Recken einen der jungen.

Indifferenter Heroismus - „Midway“

Kriegsheld Best (Ed Skrein) ist die zentrale Figur des Actionfilms. In der Schlacht um die Midway-Inseln versenkte er im Alleingang einen japanischen Flugzeugträger und beschädigte am selben Tag noch einen weiteren, der ebenfalls versenkt wurde.

Kaum zu glauben, dass seine Rolle in der ersten großen Hollywoodverfilmung, „Schlacht um Midway“ (1976), ausgelassen werden konnte. Es war ein Stelldichein der Altstars, von Henry Fonda über Charlton Heston, Robert Mitchum und Glenn Ford bis zum japanischen Filmstar Toshiro Mifune. Verständlich, dass bei diesem Altersdurchschnitt die Admirale das Sagen hatten.

Einen wichtigen Handlungsstrang übernimmt Emmerich allerdings von diesem Vorgänger – er gilt der Rolle der Geheimdienstler, die den Verschlüsselungscode der Japaner gut genug knacken konnten, um ihr Angriffsziel auszumachen – die Midway-Inseln. Zugleich modernisiert Emmerich die Rollenbilder: Während die Piloten in ihren Cockpits wie lässige Gamer wirken, dann sind die Nachrichtenoffiziere die ersten Hacker.

Der Krieg als Spiel - „Midway“

In seinem indifferenten Heroismus kehrt Emmerich freilich zurück zu den lange überholt geglaubten Werten vieler Kriegsfilme der Nachkriegszeit: Da Hollywood seine Werke auf der ganzen Welt verkaufen wollte, sollten sich auch die früheren Kriegsgegner durch ehrenvolle Identifikationsfiguren vertreten fühlen. Erst die Welle kritischer Filme zum Vietnamkrieg stellte die Soldatenehre im US-Kino auch in großen Produktionen grundsätzlich infrage. In jüngerer Zeit erneuerte sich das Genre ein weiteres Mal grundlegend, wenn in Filmen wie „Der schmale Grat“, „Letters from Iwo Jima“ oder „Dunkirk“ die individuellen Grenzerfahrungen an den Abgründen der Zivilisation vermittelt wurden. Dem Schwaben in Hollywood ist dagegen in diesem naivsten seiner Blockbuster alles Menschliche fremd.

Ein Familienbild im Cockpit soll als emotionale Rückversicherung des jungen Fliegers reichen. Bis zum Wiedersehen beschweren weder Trauma noch politisches Bewusstsein seine Heldenreise. So kann man den Film dann auch in einem Atemzug den Amerikanern und ihren faschistischen Gegnern widmen. Eine militarisierte Jugend, die den Krieg fast wie ein Spiel betrachtet und sich gehorsam die Anerkennung der alten Recken verdient – sie wäre wohl auch jeder Diktatur willkommen. Da wirkt der nachgeschobene deutsche Untertitel geradezu hilflos: „Midway – Für die Freiheit“.

Midway – Für die Freiheit. USA 2019. Regie: Roland Emmerich. 139 Min.

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