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Die Gäste der ARD Talkshow Menschen bei Maischberger am 26.05.2015 in Köln mit dem Thema "Die Merkelfrage: Boom-, Bummel- oder Schummelkanzlerin?": Christian Lindner (FDP), Hans-Olaf Henkel, Sahra Wagenknecht (Die Linke), Moderatorin Sandra Maischberger, Julia Klöckner (CDU), Ralf Stegner (SPD), Nikolaus Blome (v.l.n.r.)

Menschen bei Maischberger

Die Merkel-Frage oder mehr als eine Raute

Nach zehn Jahren als Kanzlerin steht Angela Merkel zum ersten Mal stark  in der Kritik, sagt jedenfalls Sandra Maischberger. Dazu lässt sie in ihrer Sendung Politiker „parteipoltisches Bordenturnen“ absolvieren. Nur um am Ende zu einem nicht überraschenden Ergebnis zu kommen.

Von Thilo Streubel

Ganz abwegig ist sie nicht, die Merkel-Frage oder anders formuliert: Wer ist der Mensch hinter der stetig ruhigen, fast schon stillen Kanzlerin Angela Merkel, die auch schon mal unliebsame Parteikollegen aus dem Weg räumt? Von „Angie“, der Frau im Kanzleramt zur „Mutti“ der Nation blieb sie nicht greifbar.

Sandra Maischberger widmet sich in ihrer Sendung mit dem Titel: „Die Merkel-Frage: Boom-, Bummel- oder Schummelkanzlerin?“ einem nicht uninteressanten Thema, dass aber in den Gesprächen mehr und mehr zu parteipolitischem „Gedöns“, um mit Vorgänger Gerhard Schröder zu sprechen, mutiert. Und sicher gibt es in Deutschland gerade dringendere Fragen als die x-te Frage nach der Kanzlerin.

Zum Glück sitzt aber ein Ex-BDI-Präsident, der auf diesen Titel sichtlich stolz ist und ihn ständig wiederholt, und AfD-Politiker Hans-Olaf Henkel auf dem Sofa. Er stellt Merkel ein politisches Armutszeugnis aus, ist aber froh, dass sie die Parteien alle nach links gerückt hat. Jetzt stehe er nämlich ganz rechts da. Und sowieso gebe es die AfD ohne eine Kanzlerin Merkel gar nicht. Ihre Begründung etwas sei alternativlos, findet Henkel eine Unverschämtheit, es muss doch eine vernünftige Alternative geben, sagt er und meint seine Partei. „Wenn sie denn da wäre, würden wir sie begrüßen“, watscht Maischberger den Politiker ab.

Henkel bekommt einen Haufen Redezeit und erntet nicht mehr als Kopfschütteln aus der Runde.

Selbst Ober-Linke Sahra Wagenknecht muss da einstecken, da Maischberger sie eine geschlagene halbe Stunde schweigend auf ihrem Sessel schmoren lässt. Die Kameramänner haben Mitleid und zeigen Wagenknecht dafür umso häufiger.

Aber zurück zur Debatte: Merkel, wer ist das eigentlich? Ex-Bild- und mittlerweile auch Ex-Spiegel-Journalist Nikolaus Blome hat ein Buch über die Kanzlerin geschrieben. „Sie ist mehr als die Raute“, sagt er und ergießt sein Herrschaftswissen mit seiner ganzen selbstdarstellerischen Kraft, dass man sich nicht lange fragt, warum dieser Mann den Arbeitgeber wechseln musste.

Merkel kommt man trotzdem nicht näher, auch weil sich Julia Klöckner (CDU) als Mini-Merkel versucht und nur ihre eigene Partei verteidigt wie eine junge Löwenmutter. Nur die Raute fehlt an diesem Abend. Christian Lindner (FDP) macht sich dagegen mehr Sorgen um seine Redezeit: „Ich glaube meine Redezeit in dieser Sendung ist nicht überbordend“. 

Und Ralf  Stegner (SPD) tut alles, um sich als Koalitionspartner  angriffslustig zu zeigen. Denn als endlich das Thema BND-Affäre fünf Minuten vor Schluss aufgegriffen wird, zur Erinnerung, das Thema, das den Anlass der Sendung gab, läuft er zu Höchstform.

auf. Viel Zeit bleibt ihm nicht für die Merkel-Schelte, denn dann ist auch schon Schluss. Und am Ende bleibt die Erkenntnis zurück, dass Merkel der Nutznieser der Schwäche der Anderen ist und bleibt, wie nach diesem Abend, der sich in „parteipolitischem Bodenturnen“ (Lindner) verlaufen hat.

Und die Merkel-Frage? Ja, sie ist ein Mensch, bescheiden und unprätentiös, aber durchsetzungsfähig. Und eine Frau. Hätten dazu sieben Politiker und Journalisten über eine Stunde diskutieren müssen? Entscheiden sie bitte selbst.

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