1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

„Mensch Paul McCartney!“ im ZDF: Schöne Bilder vom Ex-Beatle

Erstellt:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

„ZDFzeit: Mensch Paul McCartney! - Der ewige Beatle“: Montage aus einem Schwarz-Weiß-Foto von Paul McCartney aus den 60er-Jahren und einem aktuellen Foto von ihm.
Paul McCartney ist nicht nur Gründungsmitglied der legendären Beatles und einer der erfolgreichsten Songwriter. Die Queen hat ihn zum Sir geadelt und damit zum Vorbild aller Briten ernannt. „ZDFzeit“ zeichnet zum 80. Geburtstag des Superstars ein Porträt. © ZDF/Shutterstock, Alamy

Aber läppische Kommentare und viel zu viel Plattheiten. ZDF-Zeit-Dokumentation „Mensch Paul McCartney! Der ewige Beatle“. 

Frankfurt - Für einen Herrn, der gerade achtzig geworden ist, fängt das Ganze vielleicht ein bisschen hastig an: Paul McCartney wollte immer die Nummer 1 sein, begeistert Abermillionen Fans bis heute, liebt den Ruhm, aber hasst den Rummel, John Lennon wird erschossen – alles im Schnelldurchlauf in den ersten zwei Minuten.  

Aber es muss halt viel rein in eine Dreiviertelstunde Dokumentarfilm über Paul McCartney, wenn 80 Jahre Material vorliegen, so viel spannendes Material wie über kaum jemanden sonst. Schade, dass diese ZDF-Zeit-Dokumentation so viel Unspannendes hineingepackt hat und so wenig Spannendes.    

ZDF-Doku „Mensch Paul McCartney!“ lässt Esprit und Tiefgang vermissen

„Mensch Paul McCartney! Der ewige Beatle“ enthält leider ein paar Nummern zu viel „Superstar“ und einige Schippen zu viel „Legende“, dafür zu wenig Esprit und Tiefgang. „Wie soll ich ihn beschreiben – mir fehlen einfach die Worte“, sagt „Beatles-Expertin“ Jackie Spencer. „Ein unfassbar talentierter Mensch“, sagt Wolfgang Niedecken über McCartney. „Er hat eine Aura wie nur was.“ 

„Auf die Fab Four, wie die Vier genannt werden, fährt die Welt ab“, sagt die Off-Sprecherin. Fans „flippen aus“. Aber das wissen wir doch alles selbst, Jeschäftsfreunde. Wir haben doch alle unseren eigenen Paul. Wir kennen doch alle unseren eigenen Paul. Wir lieben doch alle unseren eigenen Paul. Man muss doch niemandem mehr erklären, dass er ein Großer war.  

„ZDFzeit: Mensch Paul McCartney! - Der ewige Beatle“: Paul McCartney steht im Vordergrund und spielt Bass. Im Hintergrund ist ein Schwarz-Weiß-Foto des jungen Paul McCartney auf schwarz-lilafarbener Projektionsfläche zu sehen.
Der Superstar Paul McCartney rockt seit 60 Jahren. Jetzt feiert das Pop-Idol seinen 80. Geburtstag. © ZDF/Imago/Montage Storyhouseproductions GmbH

Was an der ZDF-Doku „Mensch Paul McCartney!“ stört: der mitunter läppische Text

Dieser Film hat schöne Bilder, wirklich. Aufnahmen von einst und jetzt, witzige, historische Szenen. Man könnte sie stundenlang ansehen. Da hat jemand bei der Zusammenstellung gute Arbeit geleistet. Was stört, ist der Ton. Was stört, ist der mitunter läppische Text.   

Frauen waren in Paul verliebt. Mädchen haben sein Auto geküsst. Beatlemania, Beatlemania, Beatlemania. Beatles-Experten und Journalisten erzählen schier Unglaubliches. Ein Auszug:

Ständig sieht man irgendwelche Leute, die über Paul abschwärmen – wie in diesen Fernsehformaten à la „Die 750 tollsten Schlager der 80er“.  

Obacht, wer es noch nicht wusste, erfährt:

Nur manchmal wird die ZDF-Doku „Mensch Paul McCartney!“ interessant

Seine interessantesten Szenen hat der Film, logisch, wenn Paul selbst spricht. „John und ich haben zusammen etwa 300 Songs geschrieben. Und wir hatten dabei nie eine ergebnislose Session. Wir sind nie mit dem Gedanken rausgegangen: Mist, heute haben wir es nicht hingekriegt. Wir haben immer einen Song fertiggestellt. Das ist ziemlich bemerkenswert.“ 

Oder wenn sich die Hamburger Bardame Rosi erinnert: „Er war ein feiner Mensch. Er war immer helpful mit Menschen.“ Skurril-schöne Sequenz. Ein Gast greift sich das Mikro der jungen Beatles und singt mit. Rosi: „Er macht Schau.“  

Klaus Voormann, Musiker und Grafiker der frühen Beatles-Jahre erzählt. „Die hatten ja wirklich nix. Die mussten in einer Besenkammer übernachten. Wir haben die gerne gemocht – die waren ja noch nix.“ Auch okay. Authentisch.  

Dann aber wieder:

Puh.  

„Mensch Paul McCartney!“: Was die ZDF-Doku hätte besser machen können

Wovon man gern mehr, viel mehr gesehen und vor allem gehört hätte: Paul begehrt auf, als afroamerikanische Zuschauer zu Beatles-Konzerten in den USA nicht zugelassen sind. Er gewinnt! In Jacksonville sind Menschen aller Farben im Publikum. Er will seinen Ruhm für das Gute nutzen. „You gotta use it for the good!“ Er setzt sich, seit John Lennon erschossen wurde, für eine Begrenzung von Schusswaffen in den USA ein. Warum nicht mehr darüber? Warum stattdessen so viel Plattheit in knapp 45 Minuten gepresst? 

„ZDFzeit: Mensch Paul McCartney! - Der ewige Beatle“: Der junge Paul McCartney spielt Bass und singt in ein Mikrofon auf einer Bühne.
Paul McCartneys Songs sind legendär. Als Beatle schrieb er zusammen mit John Lennon einen Tophit nach dem anderen. Einfach genial oder harte Arbeit? © ZDF/Alamy

Eine ganz große Szene: Als Paul über John spricht, die Gitarre in den Händen, als er nahtlos ins Singen übergeht: „What would you answer me if you were here today“. Wie er erzählt, dass er seine innersten Gedanken und Gefühle nicht jedem erzählt, sondern lieber in einem Lied zum Ausdruck bringt: „Deshalb liebe ich Songs. Wie in ,Here Today‘, wo ich zu John sage: Ich liebe Dich. Das hätte ich ihm nicht wirklich sagen können.“ 

Auch davon hätte man gern viel mehr gesehen und gehört. „Ich war bei den Beatles“, sagt Paul. „Wow!“ Herrlich. Und eine gute Szene von Niedecken: „Ich bin dankbar, dass ich durch ihn so viel begriffen habe.“ 

„Mensch Paul McCartney! Der ewige Beatle“

Ein Film von Judith Voelker und Ira Beetz, Dienstag, 21. Juni 2022, 20.15 Uhr, ZDF, Mediathek

„Mensch Paul McCartney!“ im ZDF: Da wäre mehr drin gewesen

Es ist sicher nicht leicht, eine Doku über Paul McCartney zum Achtzigsten zu machen, zumal eine, die erst drei Tage nach ebendiesem Geburtstag im Fernsehen läuft (und für weitere zwei Jahre in der ZDF-Mediathek). Man kann diesem Mann, unserem Paul, ohnehin nicht so gerecht werden, dass es allen gefällt, denn wie gesagt: Jede und jeder hat einen eigenen Paul. Da wäre dennoch mehr drin gewesen. Der Bewunderung und Hochachtung für den Mann tut es keinen Abbruch. (Thomas Stillbauer)

   

Auch interessant

Kommentare