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Mel Brooks, der am Montag 95 Jahre alt wird. Hier ganz privat in einem Pariser Restaurant, 1982.
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Mel Brooks, der am Montag 95 Jahre alt wird. Hier ganz privat in einem Pariser Restaurant, 1982.

Zum Geburtstag

Mel Brooks wird 95: Filme machen und lachen als Rebellion

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Böse, aber selten sarkastisch: Dem großen Komiker und Filmemacher Mel Brooks zum 95. Geburtstag.

Wenn man Mel Brooks seine 95 Jahre, die er am heutigen Montag wird, kaum ansieht, mag das auch daran liegen, dass er sich als junger Mann auf alt trimmte. Es war die Titelrolle in einem Sketch namens „2000 Year Old Man“, die dem Komiker Anfang der 1950er Jahre seine ersten großen Erfolge bescherte.

Die Figur, die er zusammen mit dem späteren Filmemacherkollegen Carl Reiner erfunden hatte, gab sich als beredter Zeitzeuge, wie sie Journalisten gerne über wichtige Ereignisse interviewen. Zum Beispiel Christi Kreuzigung, an die sich der Zweitausendjährige erinnerte, als sei es gestern gewesen: „Natürlich bin ich da hin gegangen. Alle waren da. Es gab ja so wenig Unterhaltung damals“.

Mel Brooks: Humor über Schamgrenzen hinweg

Zur Überraschung des jüdischen Entertainers lachte nicht nur seine Nachbarschaft in Brooklyn über die nicht immer pietätvollen Anekdoten, die bis 1997 fünf Alben füllten. So wie sich auch Brooks’ seit 1967 realisierte Kinofilme sehr erfolgreich im Überqueren von Schamgrenzen erwiesen. Am gewagtesten war wohl gleich der erste, „The Producers“, der ihm einen Oscar für das beste Drehbuch eintrug. Die entwaffnende Geschichte bringt zwei Broadway-Produzenten, die aus finanziellen Gründen einen Flop produzieren müssen, auf die Idee eines Hitler-Musicals. Der Skandal des Films mit Zero Mostel und Gene Wilder schien unausweichlich, doch auf die ersten vernichtenden Kritiken folgte eine Welle befreienden Gelächters.

„Mit dem Medium der Komödie kann man Hitler seiner posthumen Macht und seines Mythos berauben“, erklärte Brooks später. „Man kann über ihn lachen, wenn man ihn auf seine normale Größe zurechtstutzt.“ Umso entschiedener verurteilte er jede Verharmlosung des Holocaust.

Mel Brooks: „Frühling für Hitler“ orientiert sich an Charlie Chaplin

In Deutschland dauerte es allerdings noch acht Jahre, bis der Film unter dem Titel „Frühling für Hitler“ in die Kinos kam. Neben Chaplins „Der große Diktator“ und Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ gilt Brooks’ Werk bis heute als eine der besten komödiantischen Auseinandersetzungen mit der NS-Zeit. Bei allem Slapstick erweist sich gerade Brooks’ Travestie der NS-Ästhetik als visionär und fand in der Camp-Kultur der Siebziger und Achtziger zahllose Nachahmer. Überaus erfolgreich adaptierte er den eigenen Stoff 2001 als Broadway-Musical mit zahlreichen zusätzlichen Songs, die er selbst komponierte.

Seine größte Zeit als Filmemacher waren die siebziger und achtziger Jahre als er die damals besonders beliebten Genre-Parodien zu einer persönlichen Kunstform entwickelte. Die Cowboy-Klamotte „Der wilde wilde Westen“ um einen schwarzen Sheriff provoziert noch immer durch den ungenierten Gebrauch des N-Worts – und fand doch das ausdrückliche Lob von Ex-US-Präsident Obama, als dieser Brooks 2016 die National Medal of Arts verlieh: „Wie Mel Brooks einmal zu seinen Autoren bei ‚Der wilde wilde Westen‘ sagte: ‚Schreibt, was ihr wollt, denn von uns wird danach sowieso niemand mehr etwas hören. Wir werden alle für diesen Film verhaftet‘“, zitierte ihn Obama.

Mel Brooks wird 95: Bitterböser, kaum sarkastischer Humor

Dazu kam es freilich nie, wohl deshalb, weil Mel Brooks’ Humor zwar manchmal bitterböse ist, aber kaum sarkastisch. Stets bleiben seine Helden menschlich in ihren Schwächen und gescheiterten Ambitionen.

Dem Erbe des klassischen Hollywoods nähern sich seine Parodien gleichermaßen spöttisch wie ehrfürchtig: Das schwarzweiße Horror-Pastiche „Frankenstein Junior“, die Hitchcock-Satire „Höhenkoller“, die Stummfilm-Hommage „Silent Movie“ oder die Star-Wars-Persiflage „Spaceballs“: Alle sind sie gerade in ihren Extremen stilvoll und auf ihre unverwechselbare Art selbst unerreichte Klassiker der Parodie.

Mel Brooks: Engagiert für die Filmkunst

Wie ernsthaft sich Brooks für die Filmkunst engagierte, zeigt besonders sein Werk als Produzent. 1980 ermöglichte er es dem jungen David Lynch, sein Drama „Der Elefantenmensch“ zu realisieren, 1986 produzierte er David Cronenbergs metaphysischen Horrorfilm „Die Fliege“. Stets ging es bei diesen Produktionen um Außenseiterfiguren, die sich durch außergewöhnliche Fähigkeiten in einer fast künstlerischen Weise artikulierten.

Geboren am 28. Juni 1928 in den USA, diente er noch als Teenager im Zweiten Weltkrieg. Einmal, so erzählte er gerne, habe er gehört, wie deutsche Soldaten Lieder sangen. Er nahm ein Megaphon und antwortete ihnen mit einem Broadway-Song. „Da haben sie geklatscht. Eigentlich hätte man den Krieg auf diese Weise wohl sehr viel schneller beenden können“, zeigte er sich überzeugt.

„Unsterblichkeit ist ein Nebenprodukt guter Arbeit“, zeigte Brooks sich überzeugt. „Meine Botschaft an die Welt ist: Schaukelt, singt, macht Krach! Ahmt nicht den Tod nach, bevor unsere Zeit kommt. Seien wir lieber nass und laut!“ (Daniel Kothenschulte)

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