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Mal mehr, mal weniger komisch

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Von: Frank Junghänel

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Zeki Müller (Elyas M'Barek) in einer Szene des Films "Fack ju Göhte 3".
Zeki Müller (Elyas M'Barek) in einer Szene des Films "Fack ju Göhte 3". © dpa

Mit "Fack ju Göhte 3" findet eine äußerst erfolgreiche Filmreihe ihr durchwachsenes Finale.

Wenn sich jetzt verstärkt hochmotivierte Quereinsteiger für den Schuldienst bewerben, ist das sicherlich auch ein Effekt der besten Werbekampagne, die es je für den Lehrerberuf gegeben hat. Warum in seiner Bürozelle verschimmeln, wo doch draußen die lustigsten pädagogischen Abenteuer locken. Mit den paar bildungsresistenten Arschlöchern, wie der Ex-Knacki Zeki Müller (Elyas M’Barek) seine sogenannten Schüler bezeichnet, muss man eben irgendwie fertig werden. Herr Müller, der berühmteste Quereinsteiger seit Pestalozzi, hat in den berufsbegleitenden Beiträgen der Reihe „Fack ju Göhte“ gezeigt, wie es geht: Mit einer entspannten Grundhaltung und zur Not auch mit Gewalt. 15 Millionen zumeist junge Menschen haben die Filme bisher gesehen. Um die Zukunft des Lehrerberufes muss einem nicht bange sein.

Aber wer weiß mit siebzehn schon, was gut für ihn ist. In der Klasse von Herrn Müller weiß es definitiv niemand, und deshalb besuchen Chantal, Danger, Zeynep, Ploppi und die anderen zu Beginn des dritten Teils von „Fack ju Göhte“ ein Berufsinformationszentrum, wo ihnen eine Kommandeuse namens Kerstin (Corinna Harfouch) ihre Aussichten auf dem Arbeitsmarkt relativ düster beschreibt. Als etwa Chantal (Jella Haase) erfährt, dass für sie am ehesten Altenpflegerin in Frage kommt, kriegt sie Ekelpickel. Es muss also was passieren mit den Kindern, am besten das Abitur. Herr Müller macht es sich zur Aufgabe, seine Schulversager durch die Reifeprüfung zu peitschen.

Paraderolle für Katja Riemann

Das ist im Groben die erzählerische Richtung der finalen Geschichte, die wie in den beiden vorigen Filmen schon einer eher losen Dramaturgie folgt. Zwei Stunden lang reiht sich eine Episode an die nächste, mal mehr, mal weniger schlüssig, mal mehr, mal weniger komisch. Wobei es eine gute Idee war, nach dem Thailandausflug vom letzten Mal jetzt wieder in den Schulalltag zurückzukehren.

Die Szenen im Klassenraum, im Lehrerzimmer und vor allem auch im Büro der Direktorin Gudrun Gerster (Katja Riemann) sind am lustigsten. Als ihr schwant, dass ihre Schule mangels Erfolg geschlossen und sie womöglich versetzt wird, blafft sie Herrn Müller an: „Wenn ich nach Brandenburg gehe, gehen Sie zurück ins Gefängnis.“

Katja Riemann ist in dieser Rolle zum Niederknien. Gemeinsam mit der Fack-ju-Veteranin Jella Haase und der neu hinzu gekommenen Sandra Hüller als taffe Kollegin Biggi Enzberger bildet sie das humorige und energetische Kraftzentrum des Films, in dem diesmal die jungen Darsteller sehr viel mehr Spielraum bekommen und Elyas M’Barek eher wie ein Moderator auftritt. Mit seiner angenehmen Präsenz hält er die Fäden zusammen, gibt da und dort Stichworte, aber die besten Sprüche haben andere. Zum Beispiel die alte Dame, die mit einer Handy-App ihren Riesenhund im Unterholz ortet. „Haben Sie auch einen?“, fragt sie Zeki Müller. „Mehrere“, erwidert der genervt. Darauf die Hundefrau: „Chippen oder kastrieren. Alles andere bringt nichts.“ Was den Lehrer auf die Idee bringt, seinen Schülern einen Mikrochip unter die Haut zu schießen, damit er sie fortan überall und nirgends finden kann.

Schon im ersten Teil von „Fack ju Göhte“ bestand die Verabredung zwischen Film und Publikum darin, die Schule zu feiern, indem sie durch den Pausenkakao gezogen wird. So schlimm das alles ist, so herrlich ist es auch. Verzweifelte Lehrer, wildgewordene Schüler, ein einziger Befreiungsschlag, der gar nicht böse genug sein kann. Nur wer die Schule liebt, kann sie so hassen.

Was zunächst als eine moderne Pennälerklamotte gedacht war, hat dann nach und nach komplexere Formen angenommen. Im dritten Teil wirkt der Moralschub nun am kräftigsten. Wenn im großen Finale die Themen Flüchtlinge, Teenager-Suizid und Mobbing angesprochen werden, wirkt das beinahe schon wie Unterrichtsstoff. Der Witz geht hier verloren, weil die Macher vor dem zurückschrecken, was sie sonst so beherrschen: Subversion. Wenn es ernst wird, hört der Spaß auf.

Mit dem dritten Teil vollendet sich „Fack ju Göhte“ nun. Bald wird es die Trilogie im Schuber geben, als nicht zu unterschätzender Beitrag zur deutschen Nationalkultur. Ein schöner Erfolg, Goethes „Faust“ hat es nur auf zwei Folgen gebracht.

Fuck ju Göhte.  D 2017. Regie: Bora Dagtekin. 120 Min. 

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