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Sie shoppen, bis sie droppen: Sarah Jessica Parker (Carrie Bradshaw) und andere schicke New Yorkerinnen.
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"Sex and the City - Der Film"

Mehr Kaufrausch als Schaulust

Michael Patrick King liefert das Leinwandereignis zur Fernsehserie.

Von xxmk

Wie eine Zeitungskolumne, die den Leser gleich mit dem ersten Satz einfangen soll, fiel die Fernsehserie "Sex and the City" dem Publikum zum Auftakt mit der Tür ins Haus. "Können Frauen Sex haben wie ein Mann?", lautete Carrie Bradshaws durchaus ernst gemeinte Frage, um anschließend von der Kolumnistin im heroischen Selbstversuch beantwortet zu werden. Zumindest an abschätzigen Blicken aufs andere Geschlecht zog die Serienheldin gleich: Mit wohligem Gruseln ließ Carrie eine Parade giftiger Junggesellen an ihrem geistigen Auge vorüberziehen, bevor sie sich am Ende seufzend eingestand, dass sie einfach nicht zum Mann geboren sei.

Wer weiß, ob das New Yorker Frauenquartett ähnlich erfolgreich gewesen wäre, hätte Darren Starr seine Serie nach ihrem tatsächlichen Gehalt "Love and the City" genannt. Um One-Night-Stands und flotte Dreier ging es in Carries Kolumne zwar auch, den wilden Sex überließ die von der eigenen Sehnsucht nach Geborgenheit stets leicht desillusionierte Heldin dann aber doch lieber dem Schmetterling Samantha. War es also nur ein großes Missverständnis, der Serie eine fortschrittliche Haltung zu unterstellen? Auf diese Idee könnte man kommen, wenn man die säuerlichen Premierenberichte zum morgen anlaufenden "Sex and the City"- Film Revue passieren lässt.

Stellvertretend für das derzeitige Carrie-Bashing soll an dieser Stelle die Dramatikerin Sibylle Berg stehen. Sie lässt in einem Beitrag für die Neue Zürcher Zeitung kein gutes Haar an den Figuren: Gefangen in einem im Grunde altbackenen, nur modisch frisierten Schönheitsideal, gibt das Quartett aus Bergs Perspektive ein trauriges Vorbild ab. Mit besonderem Vergnügen spießt sie die Tatsache auf, dass vor allem homosexuelle Autoren den "Sex and the City"-Damen lästerliches Getue und groteske Fummel auf den Leib geschneidert haben und die Serie in eine Travestie der modernen Frau verwandelten. Mit letzterem hat Berg durchaus recht. Nur übersieht sie dabei, dass die Übertreibung schon immer ein legitimes Mittel der Geschlechterkomödie war.

Mag sein, dass Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda gerade zwischen die Fronten des neuesten Scharmützels um freche Mädchen und feministische Feuchtgebiete geraten sind. Vielleicht wirken aber auch die Ermüdungserscheinungen einer Fernsehserie nach, die ihre Idee schlichtweg zu lange überlebte und ihre Figuren in immer absurdere Verwicklungen trieb. Der Film schafft in dieser Hinsicht keine Abhilfe, bietet aber eine würdige Alternative zum allgemein als enttäuschend empfundenen Serienfinale.

Leider hat der Sprung auf die Leinwand bereits im Vorspann etwas Seltsam-Angestrengtes. Michael Patrick King würgt die Erkennungsmelodie der Serie nach wenigen Sekunden so lieblos ab, dass es unweigerlich programmatisch wirkt, und ersetzt sie durch ein jugendlich-schmissiges, vor allem aber völlig charakterloses Liedchen. Schon fragt man sich besorgt, ob King die Serie im Jungbrunnen ertränken will, bald stellt sich zumindest an dieser Front aber Erleichterung ein.

Abgesehen von einer Assistentin, die Carrie an ihr früheres Selbst erinnern darf, fließt wenig frisches Blut durch den "Sex and the City"- Film. Stattdessen haben alte Bekannte alte Probleme miteinander: Mr. Big bekommt mal wieder kalte Füße, dieses Mal immerhin erst am Hochzeitstag. Während der Bräutigam mit schlechtem Gewissen in seiner Limousine sitzt, stürzt die tödlich gekränkte Carrie im vollen Ornat eines Vivienne-Westwood-Kleids zur Tür hinaus. Ihre Freundinnen bahnen ihr den Weg, als wäre das Ganze eine Staatsaktion: The President has left the building.

Zu diesem Zeitpunkt liegt schon eine gute Stunde ausufernder Hochzeitsvorbereitungen hinter uns, noch etwas länger braucht es für den zweiten Anlauf. Statt eines glücklichen Ehepaars tritt eine vierköpfige Trauergesellschaft die Hochzeitsreise an, um der Braut nach dem moralischen Niederschlag zumindest finanziellen Schaden zu ersparen. Im mexikanischen Fünf-Sterne-Traumhotel ereilt die gewohnt snobistische Charlotte dann Montezumas gerechte Rache, und Carrie findet über einem vollgeschissenen Strandkostüm ihr Lachen wieder.

Wie man sieht, ist "Sex and the City" immer noch für eine Überraschung gut. Allerdings hätte sich Michael Patrick King irgendwann entscheiden sollen, ob er einen klassischen Spielfilm, eine gestreckte Einzelfolge oder doch lieber eine auf das Wesentliche reduzierte Serienstaffel auf die Leinwand bringen will. Da auch die Moral der Geschichte reichlich konstruiert wirkt, ist letztlich nur auf die kleinen Sottisen und das Bekenntnis zum schamlosen Konsum Verlass. Kaufrausch statt Schaulust - das funktioniert schon auf dem Bildschirm eher leidlich und kann im Kino nun wirklich nicht die Lösung sein.

Sex and the City - Der Film, Regie: Michael Patrick King, USA 2008, 144 Minuten.

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