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Trübe Aussichten für 2021

ZDF-Talk: Maybrit Illner attackiert Michael Kretschmer - Lauterbach warnt vor „neuer Pandemie“

  • VonTeresa Schomburg
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2021 hätte besser losgehen können. Das stellt Maybrit Illner in ihrer ZDF-Sendung klar. Mit ihren Studio-Gästen diskutiert sie eine Impflicht und einen harten Lockdown.

Berlin – In ihrer ersten Sendung im neuen Jahr stellt Maybrit Illner gleich klar: 2021 hätte besser losgehen können. Zur Einstimmung gibt es einen Einspieler mit Grafiken der neuen Corona-Mutationen und Bildern aus leeren Impf-Hallen. Die Moderatorin hat konsequenterweise auch die Reihen im Studio ausgedünnt: Nur noch drei Gäste sitzen leibhaftig in der Runde, nämlich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, Claudia Kade, Ressortleiterin Politik bei der Tageszeitung „Die Welt“, und der Arzt und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen.

Die anderen beiden, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und die Allgemeinmedizinerin Eva Hummers von der Ständigen Impfkommission werden nur zugeschaltet. Vielleicht dauert es daher etwas länger, bis die Diskussion zwischen den Teilnehmern richtig in Fahrt kommt. Dafür lassen sich angenehmer Weise alle ausreden.

Maybrit Illner im ZDF: Moderatorin konfrontiert Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer

Zunächst aber startet Maybrit Illner im ZDF mit einem Angriff auf Sachsens Ministerpräsident Kretschmer: Ob er nun immer noch finde, die Befürchtungen der Kanzlerin seien überzogen? Kretschmer zeigt sich durchaus zerknirscht, betont aber immer wieder die aktuellen strengen Maßnahmen in seinem besonders betroffenen Bundesland. Dass die dennoch womöglich nicht viel helfen, stellt SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach mit Erklärungen zu den neuen Mutationen klar, mit denen in dieser Form niemand gerechnet hatte. „Das ist fast wie eine neue Pandemie“, warnt Lauterbach und kritisiert gleich noch die Impstoff-Kaufstrategie der EU, die mit zu wenig Geld zu spät gekauft habe.

Gesundheitsminister Jens Spahn, den Maybrit Illner kurz zuschaltet, sieht das anders: Es gäbe ausreichend Impfstoff, das Problem sei nur die Knappheit zu Beginn. „Eine größere Bestellung hätte das auch nicht geändert,“ sagt Spahn. Deshalb habe man ja die Ständige Impfkommission gebeten zu priorisieren und die alten Menschen zuerst zu impfen. Zum Nachhaken bleibt keine Zeit, Spahns Slot ist schon wieder vorbei. 

Hirschhausen fordert in ZDF-Sendung von Maybrit Illner Umbenennung der „Herdenimmunität“

Dafür gibt es Gelegenheit, aus dem Impfalltag zu berichten. Medizinerin Eva Hummers ist mit einem mobilen Impfteam in Göttingen unterwegs und muss öfter mal auf neuen Stoff warten. „Die alten Menschen in den Heimen freuen sich riesig, wenn wir kommen“, sagt sie bei Maybrit Illner. Eine überdimensionale Impfskepsis bei Pflegekräften sei ihr noch nicht aufgefallen.

In der ZDF-Sendung von Maybrit Illner wird harter Lockdown diskutiert.

Auch der Arzt und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen hat nicht nur theoretisches Wissen über das Impfen parat, er hat sich auch als Impfstoff-Proband zur Verfügung gestellt und berichtet davon bei Maybrit Illner. „Ich fühle mich nicht als Versuchskaninchen“, sagt Hirschhausen, schließlich habe er sich vorher gründlich bei Experten informiert. Was dabei herausgekommen ist, ist am 1. Februar in der ARD bei der Doku „Hirschhausen als Corona-Impfproband“ zu sehen. Eine Impfpflicht hält Hirschhausen übrigens für Unsinn, auch schlägt er vor, doch lieber von „Gemeinschaftsschutz“ zu sprechen statt von „Herdenimmunität“, denn „Teil einer Herde will niemand sein“, so Hirschhausen, solidarisch handeln aber schon.

Maybrit Illner im ZDF: Es gibt diskussionswürdigere Fragen als 15-Kilometer-Regel

Da Jens Spahn nicht mehr greifbar ist, nimmt Maybrit Illner noch einmal ihren Faden vom Anfang auf und will im ZDF von Ministerpräsident Kretschmer wissen, wann sein Sinneswandel in puncto Maßnahmen kam. Der betont, dass die Corona-Zahlen in Sachsen im Sommer eben extrem niedrig gewesen seien, räumt aber doch ein, dass man im Herbst zu spät gehandelt habe. Zu den Maßnahmen, die Kretschmer für sinnvoll hält, gehört auch die heftig umstrittene 15-Kilometer-Radius-Regel.

Da kontert bei Maybrit Illner die bisher eher schweigsame „Welt“-Politik-Ressortleiterin Claudia Kade mit spitzen Bemerkungen. Die 15-Kilometer-Regel sei unsinnig. Man könnte also zum Skilaufen nach Kanada fahren, aber nicht in den Nachbarkreis? „Da muss man intelligenter arbeiten, damit wir nicht wieder eine chaotische Situation haben, wie beim Beherbergungsverbot im Herbst“, schließt Kade ihre Tirade. Kretschmer will widersprechen, doch es gibt ja auch noch andere diskussionswürdige Punkte als den 15-Kilometer-Streit. 

Was passiert denn eigentlich nach der Corona-Pandemie? Die Frage wirft Eckhard von Hirschhausen im ZDF auf. Im Moment verzichten nämlich die Jugendlichen auf eine ganze Menge Lebensinhalt, um ihre Großeltern zu schützen. „Was werden die Großeltern im Gegenzug für ihre Enkel tun?“, fragt Hirschhausen. Zum Beispiel keine Kreuzfahrten mehr machen, um das langfristigere große Problem unserer Zeit anzugehen: die Klimakrise?

ZDF-Talkshow von Maybrit Illner: Heiße Diskussion um harten Lockdown

Um den aktuellen Ernst der Corona-Lage noch einmal deutlich zu machen, gibt es einen Einspieler aus Dresden, in dem ein Sarg nach dem anderen ins Krematorium geschoben wird. „Muss doch die Wirtschaft komplett heruntergefahren werden?“, will Maybrit Illner wissen. Unbedingt, findet Karl Lauterbach „Ein ganz harter Lockdown wäre das Beste. Ansonsten werden die niedrigen Zahlen nicht schnell genug erreicht,“ sagt er. Nicht schnell genug, bevor die Mutationen richtig zuschlagen.

Michael Kretschmer will das zumindest diskutieren, aber nicht der Wirtschaft den Todesstoß verpassen. Claudia Kade findet, die aktuelle Forderung der Initiative „Zero Covid“ nach einem radikalen Shutdown hätte womöglich mehr mit Kapitalismus-Kritik zu tun als mit Corona. Und Eva Hummers hält einen kompletten Shutdown für unrealistisch, Kontakte und damit potentielle Ansteckungsgefahren gebe es ja immer noch: in Krankenhäusern, Supermärkten und nicht zuletzt in der Familie. „Zu Hause ist ja auch immer noch jemand“, bringt Hummers das Problem auf den Punkt. Bevor es bei Markus Lanz gleich weiter geht mit ähnlicher Thematik, zieht Maybrit Illner das nüchterne Fazit: „Es wird auch die nächsten Wochen nicht wirklich besser.“
(Teresa Schomburg)

Rubriklistenbild: © ZDF

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