Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bei Maybrit Illner (ZDF) wurde über das Coronavirus diskutiert.
+
Bei Maybrit Illner (ZDF) wurde über das Coronavirus diskutiert.

TV-Kritik

Bei Maybrit Illner im ZDF: Hartes Urteil über deutsches Corona-Management – „Die Politik hat absolut versagt“

Beim ZDF-Talk von Maybrit Illner diskutieren die Gäste über das deutsche Corona-Impfmanagement unter der Überschrift „Priorisieren statt improvisieren – warum scheitern die Deutschen?“

  • Bei Maybrit Illner im ZDF wurde über die Corona-Krise diskutiert.
  • Wann wird wer geimpft – und wenn ja, wie viele? Auch bei Illner avanciert der schleppende Impfverlauf zum Thema.
  • Am Ende geht es um den CDU-Skandal rund um die Maskenbeschaffung.

Berlin – Vielleicht wurde nach einem vollen Jahr Corona-Pandemie alles gesagt. Und womöglich kann jetzt nur eine neutrale Rückschau mit Zeitabstand die Gemengelage aufhellen. Es ist der Investigativjournalist Georg Mascolo, der an einer Stelle der Sendung deutlich darauf hinweist, dass wir noch „sehr lange zurückblicken“ müssen. Im Moment gilt es aber, die Krise zu bewältigen, was neben einem anderen Umgang mit dem Coronavirus konkret vor allem dies erfordert: Impfen und testen.

Maybrit Illner (ZDF): Müder, hakeliger Talk ohne Biss

Der Eindruck, dass alles bereits gesagt wurde, erhärtete sich jedenfalls bei der Sichtung des gestrigen Illner-Talks im ZDF, der passenderweise auf den 11. März und damit den Jahrestag der Pandemie-Ausrufung durch die WHO fiel. Nichts, was irgendeiner der Gäste sagte, war bisher ungesagt. Ein müder, hakeliger Talk ohne Biss. Mit einer Art Running Gag, bei dem die Moderatorin den Gästen abwechselnd die Benennung von Schuldigen abringen wollte, aber niemanden aus der Reserve lockte.

Ins Studio geladen waren der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Thorsten Frei und der Journalist Georg Mascolo, der sich als Co-Autor des Corona-Buchs „Ausbruch. Innenansichten einer Pandemie“ intensiv mit der Krise befasst hat. Zugeschaltet war mit Anna Kebschull (Grüne) die Landrätin des Landkreises Osnabrück sowie gegen Ende der Sendung die leitende „The Economist“-Redakteurin Anne McElvoy aus Großbritannien – und in den ersten Minuten der B-Film-Darsteller und Bodybuilder Ralf Moeller.

Maybrit Illner (ZDF): „Die Politik hat absolut versagt“

Letzterer berichtete bei Maybrit Illner (ZDF) gewissermaßen als Stimme des Volkes von den Schwierigkeiten, einen Impftermin zu erhalten. Moeller, der sich in Recklinghausen um seine Eltern kümmert, wirkt genervt von Versprechungen der Politik und der oft nicht zu Ende gedachten Umsetzung. Es gehe um praktische Fragen wie jene, dass nur wenige alte Menschen fit für die Impfterminvergabe im Internet sind. Moellers Urteil: „Die Politik hat absolut versagt.“

Gäste bei Maybrit Illner
Sigmar Gabriel (SPD)Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V.
Thorsten Frei (CDU) stellv. Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Anna Kebschull (B90/Grüne) Landrätin des Landkreises Osnabrück
Ralf MoellerSchauspieler
Anne McElvoy Britische Journalistin, leitende Redakteurin „The Economist“
Georg MascoloJournalist

Auch wenn Anna Kebschull diesen Frust später in der Sendung verständlich findet, weist sie erst einmal auf die guten Aspekte der Krisenbewältigung hin. In der ersten Welle sei viel richtig gemacht worden, und überhaupt sei es gut, dass die Impfstoffe so schnell entwickelt wurden. Aber ja: Auch Kebschull sieht eine Diskrepanz zwischen Versprechen und Organisieren.

Talk bei Maybrit Illlner im ZDF: Auf Fehlersuche

Hoch im Kurs steht der „angelsächsische Pragmatismus“, den die Talkgäste bei Maybrit Illner (ZDF) auch hierzulande mehr umgesetzt sehen wollen. Mascolo plädiert dafür, die Hausärzte beim Impfen stärker einzubeziehen. Schließlich stehe uns bald eine Phase bevor, in der mehr als genug Impfstoff vorhanden sei; dann ginge es darum, die Menschen von der Impfung zu überzeugen, so Mascolo.

Bei der Frage im ZDF, warum andere Länder schneller impfen, weist Mascolo kritisch darauf hin, dass etwa die USA und Großbritannien keine im Land produzierten Impfdosen exportieren. Selbst Mexiko und Kanada würden aus Europa versorgt. Auf lange Sicht sei das nicht die beste Taktik, schließlich haben wir es mit einer weltweiten Pandemie zu tun. Es sei kurzsichtig, wenn sich reiche Staaten gegenseitig vorwerfen, wer mehr impft.

Sigmar Gabriel findet die gemachten Fehler nicht verwunderlich, immerhin hatte die Politik es mit einer bislang unbekannten Lage zu tun. Der Ex-Außenminister sieht ein „Ursachenbündel“ und konstatiert: „Offensichtlich haben wir verlernt, wie man mit einer Krise umgeht.“ Und er empfindet die Politik als zu wenig anpackend, zu sehr von Beratern eingehegt. Auch Thorsten Frei räumt ein, dass manches nicht optimal gelaufen ist, man aber nicht von einem „Versagen“ sprechen könne. Nun gelte es, Lehren für die Zukunft zu ziehen.

Maybrit Illner (ZDF): Corona-Problematik – An wem hat es gelegen?

Maybrit Illner sucht derweil weiter nach Schuldigen. Haben wir ein Führungsproblem, falsche Minister? Da niemand darauf eingeht, wird es weniger personenbezogen: Liegt es vielleicht am Föderalismus? Sigmar Gabriel sieht den Föderalismus nicht per se als Problem, auch zentral organisierte Staaten wie Frankreich stünden in der Pandemie nicht besser da. Frei wünscht sich einen besser organisierten Föderalismus. Ein Einspieler wirft noch das „Bürokratiemonster Deutschland“ als Hemmschuh der Pandemiebewältigung in den Ring. Und Kebschull sieht die Chancen der Digitalisierung als zu wenig genutzt.

Spät in der Sendung wird die Journalistin Anne McElvoy aus London zugeschaltet, um sich über die deutschen Probleme zu wundern. Mit Vorlage Illners verkündigt sie ihren baldigen Impftermin. Sonst hat McElvoy wenig zu sagen: Ja, Großbritannien habe anfangs nicht gut reagiert, sei nun aber beim „Impfspurt“ bestens dabei. Dass die Britinnen und Briten nur eine statt beide empfohlenen Impfdosen erhalten, bleibt unerwähnt.

Maybrit Illner (ZDF): Nichts neues in puncto Corona

Wenigstens im Schlussteil der Sendung findet Maybrit Illner Schuldige, wenn es um den CDU-Skandal rund um die Maskenbeschaffung geht. Freis Vorstellungsvermögen wurde durch die Profitsucht inmitten der Katastrophe „gesprengt“, auch Kebschull findet den Vorgang „unvorstellbar“ und sieht den demokratischen Gedanken beschädigt. Mascolo weist noch auf dubiose Lobbytätigkeiten der Abgeordneten hin und verortet die Union als Partei, der Transparenzregeln regelmäßig abgerungen werden müssen. 

Und so bleibt am Ende die Erkenntnis, dass es in puncto Corona nichts Neues zu vermelden gibt. Die Pandemie muss erstmal weggeimpft werden oder anderweitig auslaufen. Wirklich interessant wird dann wohl erst die nüchterne Rückschau. (Christian Horn)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare