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Maybrit Illner mit dem Thema „Corona: Politik in der Krise – Krise der Politik?“
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Maybrit Illner nebst Gästen zum Thema „Corona: Politik in der Krise – Krise der Politik?“

TV-Talk

Maybrit Illner: Lars Klingbeil und Friedrich Merz kuscheln im ZDF

  • VonChristian Horn
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Maybrit Illner mit dem Thema „Corona: Politik in der Krise – Krise der Politik?“. Die Sendung wird zur kraftlosen Plauderei.

Berlin - Fehler der Politik, die Corona-Impfpflicht und die Frage, wie es weitergehen soll mit der Pandemie – die Themensetzung des Polit-Talks bei Maybrit Illner (ZDF) entsprach so ziemlich dem, was man von einer aktuellen Talksendung erwartet. Und obwohl diese Themen „uns alle existenziell angehen“, wie die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten anmerkte, verlief die Sendung schleppend.

Die Coronamüdigkeit sitzt im zweiten Winter der Pandemie vielleicht tiefer denn je, immerhin scheint ein Ende der Maßnahmen nicht in Sicht, sondern aus der vierten Welle heraus die fünfte, ja sogar die sechste Welle. „Wir haben noch lange mit diesem Virus zu tun,“ schwört der neue SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil in der letzten Ausgabe des Jahres von Maybrit Illner, darauf müsse man sich einstellen.

„Darf ich mal was vorlesen?“ fragte der deutsch-französische Publizist und Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit an einer Stelle der ZDF-Sendung. Ein Gedicht von Kurt Tucholsky, vor 93 Jahren zur Impfdebatte verfasst. „Später vielleicht,“ antwortet Bettina Schausten, die zeitweise den Moderationsjob von Maybrit Illner übernahm. Zum Vorlesen kam Cohn-Bendit nicht mehr. Die kuriose Randbegebenheit steht aber symptomatisch für aktuelle Corona-Talks: Die Zeilen stammen nicht von Tucholsky, sondern kursieren als Aktion der Satire-Zeitschrift „Titanic“ durch das Internet. Die Realität und ihre satirische Betrachtung sind mit fortschreitender Pandemie nicht immer klar unterscheidbar.

Maybrit Illner (ZDF): Müder Pandemie-Talk

Dass die Sendung bei Maybrit Illner kraftlos verlief, lag womöglich am fehlenden Clinch zwischen Lars Klingbeil und Friedrich Merz, die sich allenfalls leicht touchierten. Vom Publikum aus gesehen links neben Illner saß Merz, rechts Klingbeil. Merz kandidiert zum dritten Mal für den CDU-Vorsitz und vertrat die neue Rolle der CDU als Oppositionspartei, der ehemalige SPD-Generalsekretär Klingbeil ist seit kurzem Co-Vorsitzender seiner Partei, die in der Ampel-Koalition die Regierung führt. Doch statt im Wettstreit der Ideen hitzig zu werden, blieben Merz und Klingbeil zahm. „Wir haben den Wahlkampf hinter uns,“ sagte Merz an einer Stelle. Ja, stimmt.

Als es um Fehler der Corona-Politik ging, bemängelte Bettina Schausten bei Maybrit Illner im ZDF, dass die Politik im Sommer „falsche Signale“ wie die Schließung von Impfzentren gesendet habe. Aber: „Es bleiben alle Lernende in dieser Pandemie.“ Später in der Sendung fügte die ZDF-Journalistin noch hinzu, nicht zweimal denselben Fehler sehen zu wollen.

Maybrit Illner im ZDF - Sendung vom 17.12.2021Die Gästeliste
Lars Klingbeil,SPD-Co-Vorsitzender, bisher Generalsekretär
Friedrich Merz, CDU-Vorsitzkandidat
Daniel Cohn-BenditBündnis 90/Die Grünen, Publizist
Bettina Schaustenstellvertretende ZDF-Chefredakteurin

Ein klein wenig Debatte gab es im ZDF, als es um die wirtschaftlichen Herausforderungen durch die Pandemie ging. „Die Pandemie bekämpfen wir, indem wir unser Land ökonomisch stärken“, erklärte Lars Klingbeil eher schwammig, man müsse „aus der Krise herauswachsen“. Friedrich Merz plädierte wie so oft für schnelle Investitionen: „Das Problem in diesem Land ist nicht fehlendes Geld, sondern dass Investitionen nicht schnell genug auf die Straße kommen.“ Darin, dass für den Klimaschutz eingeplante Gelder im Haushalt nun Corona zugeordnet werden, sieht Merz „eine gewisse Akrobatik“, aber keinen Grund zum Disput.

Maybrit Illner (ZDF): Corona-Impfpflicht – aber wie?

Einigkeit herrschte bei der Frage, dass eine allgemeine Corona-Impfpflicht gerechtfertigt ist. „Ich habe mich häufig gegen eine Impfpflicht ausgesprochen,“ sagte Lars Klingbeil bei Illner im ZDF, „aus heutiger Sicht muss ich eingestehen, dass das ein Fehler war“. Im Parlament wolle Klingbeil für die Impfpflicht stimmen, um kommende Wellen abzuwenden.

Wein ins Wasser goss Daniel Cohn-Bendit. In Frankreich sei die Einführung ein „Riesenproblem“ gewesen, mit 350.000 Menschen auf der Straße. Die „paar Idioten aus Sachsen“ seien gar nichts dagegen. Man müsse ein Impfregister installieren, um die Pflicht durchsetzen zu können. „Plötzlich entdecken wir das Böse,“ dramatisierte Cohn-Bendit seine Sicht auf Nichtgeimpfte. Sachlicher äußerte Friedrich Merz Bedenken. „Ich habe einige Vorbehalte gegen die Impfpflicht,“ so Merz. Zum einen sei sie ein „sehr starker Freiheitseingriff“, zum anderen stelle sich die ungelöste Frage: „Wie regeln wir eigentlich den Vollzug?“

Maybrit Illner (ZDF): Am Ende wird’s satirisch

Die Menschen, die jüngst in vielen Städten gegen eine Impfpflicht protestiert haben, werden bei Illner im ZDF mit einem düster unterlegten Einspieler eingeführt. Nach der Erwähnung, dass auch Zweifler aus der gesellschaftlichen Mitte Unmut äußern, hebt die Talkrunde auf die extremen Ränder der Proteste ab. Ein Fackelmob habe nichts mit Corona zu tun, stellte Lars Klingbeil klar: „Das sind rechte Hetzer, die diesen Staat zersetzen wollen.“ Bettina Schausten stimmte ein: „Da muss man ein sehr hartes, klares Zeichen setzen.“

Generell beklagt Friedrich Merz eine „gewisse Entgrenzung in der Art und Weise wie wir miteinander reden.“ Es sei wieder mehr Respekt vor der Meinung anderer nötig. Zumindest beim heutigen Illner-Talk wurde der Wunsch erfüllt, schließlich vertrat man im Großen und Ganzen denselben Standpunkt. Am Ende bleibt die Zukunft ungewiss – und Schausten findet Worte, die gut und gern in der „Titanic“ stehen könnten: „Deutschland hat ein gutes Beispiel abgegeben in der Welt.“ (Christian Horn)

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