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Maybrit Illner im ZDF

Virologe Streeck wirft Politiker Lauterbach „Spaltung“ vor

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Hendrik Streeck und Karl Lauterbach sind gemeinsam bei Maybrit Illner im ZDF-Talk zu Gast. Eigentlich geht es um Corona und mögliche Lockerungen - doch dann wird es persönlich.

Mainz – In der ZDF-Talkshow Maybrit Illner haben sich am Donnerstag (08.07.2021) fünf Gäste mit den Risiken der Corona-Lockerungen im Sommer auseinandergesetzt. Der Titel der Sendung lautete: „Zurück ins Leben – mehr Freiheit, weniger Vorsicht?“. Zu Gast war unter anderem Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef-Laumann (CDU), der die Kritik an den Lockerungen in seinem Bundesland entschieden zurückwies. Es gebe einen riesigen Schutzschirm, man sei nicht „waghalsig“, erklärte er. Doch die eigentliche Diskussion des Abends hatten Virologe Hendrik Streeck und Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD). Sie gerieten heftig aneinander.

Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden Wissenschaftler in der Corona-Pandemie aneinander trafen, zuletzt vor gut einer Woche bei Markus Lanz, doch bisher verliefen die Diskussionen meist sachlich und fachlich. In diesem Fall wurde es allerdings persönlich.

Maybrit Illner (ZDF): Virologe Streek und Gesundheitsexperte Lauterbach geraten aneinander

Bereits zu Beginn der Sendung waren sich die beiden Experten uneinig. Streeck erklärte, dass die Corona-Impfstoffe weiterhin vor einem schweren Krankheitsverlauf und einer schnellen Übertragung schützen würden, auch bei der aggressiven Delta-Variante. Lauterbach nahm daraufhin Bezug auf „Real-Life-Daten“ aus Israel, wonach der Impfschutz von Biontech-Pfizer vor einem schweren Covid-19-Verlauf bei der Delta-Variante noch bei 93 Prozent liege. Der habe laut Angaben von Lauterbach vorher bei 99 Prozent gelegen. Streeck widersprach: „Das stimmt aber nicht.“ Die Studien hätten vorher Werte zwischen 94 und 96 Prozent ergeben.

Gäste bei Maybrit Illner (ZDF) am 08.07.2021
Hendrik StreeckVirologe
Karl Lauterbach (SPD)Gesundheitsexperte
Anna SchneiderChefreporterin Die Welt
Karl-Josef Laumann (CDU)Gesundheitsminister NRW
Christina BerndtAutorin und Wissenschaftsjournalistin Süddeutsche Zeitung
Im ZDF-Talk mit Maybrit Illner greift Virologe Hendrik Streeck Karl Lauterbach scharf an. (Screenshot)

Doch erst später in der ZDF-Sendung, als es um die Impfkampagne in Deutschland ging, gerieten Streeck und Lauterbach richtig aneinander. Zunächst verteidigte Hendrik Streeck in seiner fast einer „Ansprache“ anmutenden Redezeit die Ständige Impfkommission. Verstehe man die Mechanismen und wie viele Experten mit den vorhandenen Daten bei der Stiko arbeiten, müsse jedem klar sein, dass es eine aktuelle, temporäre Entscheidung sei, die Impfstoffe zunächst nicht für Kinder zu empfehlen, die sich jederzeit noch einmal ändern könne. Lauterbachs Kritik an der Stiko trage laut Streeck zur „Spaltung der Gesellschaft“ bei. Und damit begann der Angriff des Virologen auf Karl Lauterbach erst. Es schien, als habe sich bei Streeck über die Monate der Pandemie einiges angestaut.

Streeck kritisiert bei Maybrit Illner: Lauterbachs „Wahlkampfstil“ unangebracht

Lauterbach schaffe, so ging der Vorwurf des Virologen weiter, aus differenzierten Aussagen, „brutale“ Verkürzungen. Es sei vollkommen unangebracht, wie der SPD-Gesundheitsexperte auch beispielsweise in Interviews Unterstellungen über Streeck äußere, die nicht zutreffen würden. Mit dem Vorwurf bezog sich Streeck offenbar auf ein aktuelles Spiegel-Interview. Lauterbach sagte, dass es „bei den Kollegen, ob Streeck, Schmidt-Chanasit oder – wie heißt er gleich noch mal? – Klaus Stöhr, immer auf die gleiche These hinausläuft: Der Lockdown war überflüssig. Auf Lauterbach, Drosten oder Melanie Brinkmann, Viola Priesemann hätten wir nicht hören dürfen.“

Höchst unanständig, wie Sie mir unterstellen, dass ich den Lockdown überflüssig finde. Damit tragen Sie zur Spaltung bei.

Hendrik Streeck

Streeck wünschte sich von Lauterbach stattdessen eine bessere Zusammenarbeit. Er habe einen „Wahlkampfstil“, der in einer Pandemie nicht angebracht sei.

Karl Lauterbach wehrt sich bei Maybrit Illner (ZDF): „Ich werde nie persönlich“

Lauterbach reagierte gelassen. „Ich versuche nicht zu spalten, ich werde nie persönlich“, widersprach der Gesundheitspolitiker. Und schiebt hinterher: „Ich schätze Ihre Qualifikation und Arbeit.“ Es ginge bei der Debatte auch nicht um Streeck als Person, sondern um eine sachliche Kritik an Entscheidungen der Stiko. Lauterbach betonte, dass er mit einer Entscheidung unzufrieden sei. Das sei keine „Majestätsbeleidigung“. Die Stiko mache grundsätzlich eine gute Arbeit. „Wo mir etwas bei der Stiko gefällt, da lobe ich das, und wo es mir nicht gefällt kritisiere ich das. So mache ich es auch mit Ihnen“, beschwichtigte Lauterbach.

Die Unstimmigkeiten seien rein fachlich. Er habe Streeck an einigen Stellen recht gegeben, andererseits sei er nach wie vor der Meinung, Streeck habe den ein oder anderen notwendigen Lockdown nicht gefordert oder sogar abgelehnt. Da sei er anderer Meinung gewesen. Dabei unterstützte ihn auch Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt. Sie erinnerte Streeck an Interviews, bei denen er im November 2020 einen Corona-Lockdown als zu früh abgelehnt hatte: „Ich finde an der Stelle haben Sie auch zur Spaltung beigetragen“.

Bei Maybrit Illner machte Streeck sich außerdem erneut für die Schaffung eines interdisziplinären Pandemie-Rats auf Bundesebene stark. Die Idee der Wissenschaft sei es, verschiedene Meinungen in einen Diskurs zu bringen. Gerade in einer Pandemie sei es „unheimlich wichtig“, verschiedene Sichtweisen zusammenzubringen. (iwe)

Rubriklistenbild: © Screenshot ZDF

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