Wieder einmal war Corona Thema bei Maybrit Illner.
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Wieder einmal war Corona Thema bei Maybrit Illner.

Talkrunde

„Maybrit Illner“ im ZDF - Wissenschaftler wird deutlich: „Die falsche Zeit, um Fußballstadien zu füllen“

  • Peter Hoch
    vonPeter Hoch
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„Der Sommer geht, Corona bleibt – wird der Herbst zum Risiko?“ lautet die zentrale Frage bei „Maybrit Illner“ im ZDF.

  • Zu Gast bei Maybrit Illner im ZDF u.a. Michael Müller (Regierender Bürgermeister von Berlin, SPD) und Volker Wissing (FDP-Generalsekretär).
  • In der Runde bei Maybrit Illner herrscht Einvernehmen, während eine pralle Corona-Themenwundertüte diskutiert wird.
  • Corona-Selbsttests wären aus Ärzte- und Wissenschaftlersicht wünschenswert, sind derzeit aber noch nicht praktikabel.

Das Näherrücken der nasskalten Monate im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist das vorherrschende Thema des aktuellen Nachrichtengeschehens – und auch an diesem Donnerstagabend bei „Maybrit Illner“ der Gesprächsstoff der Stunde. Wirklich erhellend oder gar konfrontativ wird es – wie inzwischen so oft, wenn es im TV um Covid-19 geht – aber nicht.

Zwar weiß man inzwischen mehr über die Krankheit als noch vor einem halben Jahr, vieles ist jedoch weiterhin unklar und das dauernde Fischen im Trüben tut auch dem Verlauf der zahllosen Abendtalkshows nicht gut, die sich mit ihr beschäftigen. So bleibt es dann auch weitgehend kuschelig einvernehmlich, wenn Maybrit Illner sich mit ihren vier Studiogästen sowie zwei per Videokonferenz zugeschalteten Gesprächspartnern über Eingriffe in die Grundrechte, die Corona-App, illegale Partys und vieles mehr unterhält.

„Maybrit Illner“ im ZDF: Weiter im Text!

FDP-Generalsekretär Volker Wissing wirkt dabei mehrfach irritiert, als Illner seine sich wiederholenden Floskeln etwa zum „Abholen der Bevölkerung durch die Politik“ kurz und knapp für ihn beendet, um im Gespräch weiterzukommen. Nur: weiter wohin? Dazu, sich alle Schulen und Kitas genauer anzusehen und deren Strukturen zu verbessern, wie nicht nur die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes Ute Teichert sicherlich begründet fordert. Zu Heizpilzen für die kommenden winterlichen Warteschlangen, die sich die Allgemeinmedizinerin Sibylle Katzenstein nachvollziehbar für ihre Corona-Schwerpunktpraxis in Berlin-Neukölln wünscht.

Und dazu, dass nach Ansicht des regierenden Hauptstadtbürgermeisters Michael Müller die Berliner Corona-Ampel auch bundesweit eine sinnvolle Sache wäre und man auch sonst wieder gemeinsame Strategien mit allen Bundesländern verabreden müsse.

Auch bei „Maybrit Illner“ im ZDF heißt es: Der Winter naht!

Bis zu acht, nicht nur fünf Tage, so erfährt man immerhin durch die Videozuschaltung von Michael Meyer-Hermann und die von ihm präsentierten Daten der Wissenschaft, beträgt die Inkubationszeit des Virus wohl – ein langer Zeitraum, in dem ein Superspreader viele Menschen unwissentlich anstecken kann.

Und der Infektionsforscher beantwortet auch die – nicht allzu schwierige – Hauptfrage des Abends nach dem Risiko durch den Herbst: „Wir haben derzeit rund 2.000 Neuinfektionen pro Tag, das ist ungefähr dieselbe Zahl wie im April. Damals war die Tendenz aber fallend und das Wetter hat uns geholfen, weil wir viel Zeit draußen verbracht haben. Jetzt steigen die Zahlen und wir haben den Winter vor uns – und das ist der falsche Moment, darüber nachzudenken, ob man Fußballstadien füllen und ungehemmte Partys zulassen sollte“.

Maybrit Illner im ZDF: Schwarzmalen unerwünscht

Doch nur Schwarzmalen will er auch nicht: „Wir brauchen kein perfektes System, um diese Pandemie zu beherrschen. Demonstranten und Feiernde wird es immer geben, das ist ein normaler Bestandteil einer funktionierenden, lebendigen Gesellschaft. Wir müssen unsere Maßnahmen so organisieren, dass wir das tolerieren können“.

„Maybrit Illner“: Mit Schwerpunktpraxen und Fieberambulanzen durch die Krise

Die ebenfalls zugeschaltete Virologin Ulrike Protzer spricht sich außerdem für den weiteren Aus- und Aufbau von Corona-Schwerpunktpraxen beziehungsweise der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn empfohlenen Fieberambulanzen aus. Menschen, die befürchten, dass sie sich mit dem Virus infiziert haben, sollen diese gezielt ansteuern können, anstatt mit anderen Patienten gemeinsam in den Wartezimmern ihrer Hausärzte ausharren zu müssen.

Und die Entwicklung simpler und gleichzeitig sicherer und eindeutiger Selbsttests für zu Hause würde Protzer gerne vorangetrieben sehen, ebenso wie Sibylle Katzenstein, die – derzeit leider noch wunschdenkend – feststellt: „Der Test muss zum Patienten und nicht andersherum“.

Keine neuen Erkenntnisse bei Maybrit Illner

Wirklich neue Erkenntnisse bringt das Gesamtgeschehen der Sendung indes kaum. „Verstolpern wir diesen Herbst?“ fragt die Moderatorin an einer Stelle. Als Zuschauer kommt man nach dem Gesehenen und vor allem Gehörten trotz Illners gewohnt souveräner Gesprächsführung nicht umhin, diese Frage mit einem „Es sieht danach aus“ zu beantworten.

„Maybrit Illner“ im ZDF: „Der Sommer geht, Corona bleibt – wird der Herbst zum Risiko?“ - Die Sendung in der Mediathek

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