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Maybrit Illner in ihrer ZDF-Sendung mit Gästen
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Moderatorin Maybrit Illner diskutiert im ZDF mit ihren Gästen über die Corona-Beschlüsse.

Talkshow im ZDF

Merkel und Spahn erhalten bei Maybrit Illner vernichtendes Urteil - Öffnungsplan ist „eine Totgeburt“

  • VonTeresa Schomburg
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Bei Maybrit Illner (ZDF) diskutieren die Politiker Markus Söder, Robert Habeck und Christian Lindner und der Virologe Hendrik Streeck über die Corona-Maßnahmen.

  • Maybrit Illner hat in ihrer Talkshow im ZDF viel politische Prominenz zu Gast.
  • Diskutiert wird über die Beschlüsse der Ministerkonferenz zu den Corona-Maßnahmen.
  • Kritisiert wird Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für sein Krisenmanagement.

Berlin – „Völlig überraschend ist unser Thema heute“, steigt Maybrit Illner im ZDF mit der Ironie der Verzweiflung in die Sendung am Tag nach den jüngsten Beschlüssen der Ministerkonferenz ein und bringt es mit einem Paradox auf den Punkt: „Die Lockerungen kommen zu spät und immer noch zu früh“. Ein Einspieler unterstreicht die desolate Lage: Auf einer Art apokalyptischer Industriebrache öffnen und schließen sich Tore mit verwirrenden Zahlen-Wegweisern „über 50“, „unter 50“, „über 100“ während Michael Müller ein Din-A-4-Blatt mit dem Öffnungsplan in die Kamera hält und ein Café-Aufsteller mit dem Wort „geschlossen“ aufblitzt.

Nach diesem fast schon poetischen Auftakt geht es in eine Diskussion mit geballter Politiker-Präsenz. Zu Gast sind der Grünen-Parteivorsitzende Robert Habeck und der FDP-Partei- und Fraktionschef Christian Lindner, zugeschaltet kommen noch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidenten Manuela Schwesig dazu. Nacheinander lassen alle ihre Regierungskritik mit jeweils eigener Agenda vom Stapel.

Politiker-Talk bei Maybrit Illner (ZDF): Habeck, Lindner und Söder über Corona

Manuela Schwesig wirft Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn Versagen zur Impfstrategie vor und verweist auf ein gut laufendes Pilotprojekt mit Hausärzten in ihrem Bundesland. Robert Habeck kann die „Umkehr der Denkrichtung“ nicht nachvollziehen. Warum will man jetzt ab einer Inzidenz von 50 lockern, obwohl bisher dann doch geschlossen werden sollte. Diese Entscheidungen seien „politisch und nicht virologisch getrieben“. Das weist Markus Söder entschieden zurück, es ginge immerhin um einen „Konsens in der Bevölkerung“, außerdem wiederholt er mantrahaft, wie viele Leben man seiner Meinung nach in Bayern gerettet habe.

Christian Lindner und Robert Habeck werfen sich im ZDF gegenseitig Zahlen an den Kopf zu geimpften Menschen in Pflegeheimen und anderen Risiko-Gruppen. Die Schlüsse, die sie ziehen, sind aber gegensätzlich. Während Lindner lockern will, hält Habeck die Gefahr vor allem für Risiko-Patienten immer noch zu hoch, bis Christian Lindner bewusst wird, wie absurd die von ihm zunächst stark befeuerten Debatte ist: „Wir müssen uns doch hier nicht überbieten bei der Kritik an der Bundesregierung.“

Die Gäste bei Maybrit Illner im ZDF

Markus Söder (CSU)Ministerpräsident von Bayern
Robert Habeck (Grüne)Parteivorsitzender
Manuela Schwesig (SPD)Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern
Christian Lindner (FDP)Partei- und Fraktionsvorsitzender
Melanie AmannLeiterin des Spiegel-Hauptstadtstudios
Hendrik StreeckProfessor für Virologie
Dieter HallervordenSchauspieler, Intendant Berliner Schlosspark Theater

Corona bei Maybrit Illner (ZDF): Söder, Lindner und Habeck treffen auf Hendrik Streeck

Nun schalten sich bei Maybrit Illner auch die beiden Experten ein, die gegenüber der Politikerrunde deutlich in der Unterzahl sind. Melanie Amann, Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüro, bringt Schwung in die Diskussion mit einigen Zuspitzungen. Der Öffnungsplan sei „eine Totgeburt“, er werde sowieso darauf hinauslaufen, dass bald die Notbremse gezogen werden muss, die für eine Inzidenz von über 100 vorgesehen ist. Und überhaupt hätte man so einen Plan ja schon vor mehreren Monaten erstellen können. Der Virologe Hendrik Streeck wiederum verweist darauf, dass er ja schon zu Beginn der Pandemie gesagt habe, man müsse mit dem Virus leben lernen. Für ihn heißt das jetzt: Nicht bestimmte Branchen sollten öffnen dürfen, sondern lieber die Einrichtungen mit den besten Hygienekonzepten. 

„Kann man eine Pandemie regional lösen?“, lässt Maybrit Illner nun die Gedankengänge auf einen heiklen Punkt zusammen laufen und nimmt damit Markus Söder mit seinen bayerischen Hotspots und Manuela Schwesig mit der Vorzeige-Stadt Rostock ins Visier. Dort liegt nämlich die Inzidenz dauerhaft stabil bei etwa 35. Hier müssten Öffnungen doch möglich sein? Hendrik Streeck findet, man solle lieber andersrum denken: Statt regional mehr zu ermöglichen, sollte es bessere Strategien für Hotspots geben. Und Grünen-Parteichef Robert Habeck, der in Flensburg lebt, erinnert daran, wie schnell eine stabile 35er Inzidenz-Stadt in einen Hotspot kippen kann, wenn die englische Mutante grassiert. 

Maybrit Illner (ZDF): Schnelltests, Impfungen und Inzidenzwerte – der Kampf gegen Corona

Auf Maybrit Illners scharfe Nachfragen an Markus Söder, warum der sich nun doch so schnell von der zuvor gepriesenen 35er Marke verabschiedet habe, kommt der gewaltig ins Schlingern, bis er am Ende doch die Kurve findet: „Es wird ja nur geöffnet, wenn die Inzidenz niedrig genug ist.“ Melanie Amann vom „Spiegel“ hält dagegen, der entscheidende Punkt sei immer noch, dass Tests und Impfungen als Instrumente zurzeit nicht für alle greifbar sind. „Wenn ich mich nicht impfen lassen kann und auch keine Tests bekomme, muss ich also weiter zu Hause bleiben,“ meint sie sarkastisch.

In seinem Haus, nämlich dem Berliner Schlossparktheater, läuft der nun zugeschaltete Kabarettist Dieter Hallervorden durch Stuhlreihen, auf denen statt Publikum nur Puppen sitzen. Vor einem Friseurspiegel Platz nehmend, verweist er mit Brecht- und Goethe-Zitaten darauf, dass die Würde des Menschen doch eher mit Geist statt mit Haaren zu tun habe, und bietet an, den Urheber des 13-seitigen Öffnungsplans als Kabarett-Autor zu engagieren. Hallervorden teilt im ZDF aber nicht nur Spitzen aus, er betont auch, wie gern er jegliche Maßnahme von Masken bis Schnelltests vorm Theater umsetzen würde, wenn er nur die Leute wieder unterhalten könne. Und bittet zum Abschluss noch sehr höflich die anwesenden Politiker um Verständnis für seine Situation.

Sendung verpasst?

„Maybrit Illner“ vom Donnerstag, 04.03, zum Nachsehen in der ZDF-Mediathek.

Maybrit Illner (ZDF): Habeck übt Kritik am Corona-Management von Jens Spahn

Die beiden Ministerpräsidenten zeigen sich dann auch berührt und betroffen und beteuern bei Maybrit Illner, ihnen würde es ja auch keinen Spaß machen, Kulturbetriebe zu schließen. Können also doch endlich Tests die Lösung bringen? Hendrik Streeck hatte sich schon am 20. April letzten Jahres für den Einsatz von Schnelltests ausgesprochen und betont nun, dass Selbsttests für zu Hause immerhin zusätzliche Möglichkeiten bieten, auch wenn sie nicht perfekt funktionieren. 

Hier hat Hendrik Streeck einen schwierigen Punkt getroffen, den Maybrit Illner gern aufgreift: Deutschland sei ja nun offensichtlich längst nicht mehr Pandemie-Weltmeister. „Was hätten wir besser machen können?“, will sie wissen. Robert Habeck sieht genau in diesem Perfektionismus-Denken das Problem, es bräuchte mehr „kreative Staatskunst“. Es könne nicht sein, dass Gesundheitsminister Jens Spahn keine Schnelltests bekomme, aber ein paar Tage später liegen sie bei Aldi an der Kasse. „Politiker sollten die Probleme lösen sich nicht hinter Vorschriften verstecken.“ Schwierig, räumt er selbst noch ein, werde das natürlich, wenn am Ende etwas schief geht. Die Angst davor ist offenbar groß. (Teresa Schomburg)

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